Gemeinde nimmt sich die Zeit

Martina Weber-Kroker

Von Martina Weber-Kroker

Do, 07. Juli 2011

Grenzach-Wyhlen

Vor der Entscheidung über die Zukunft des BASF-Areals sollen verschiedene städtebauliche Entwicklungsszenarien erarbeitet werden.

GRENZACH-WYHLEN. Mit dem Thema weitere Entwicklung des BASF-Areals befasste sich der Technische Ausschuss am Dienstagabend in seiner öffentlichen Sitzung. Wie bereits berichtet, plant die Firma Zimmermann-Gruppe auf einem Teilbereich des BASF-Geländes eine Sonderabfallbehandlungsanlage. Einstimmig wurde dem Beschlussvorschlag zugestimmt, die Verwaltung damit zu beauftragen, verschiedene städtebauliche Entwicklungsszenarien für das BASF-Gelände zu entwickeln.

Die Firma Zimmermann-Gruppe aus Gütersloh hatte sich in der nichtöffentlichen Gemeinderatssitzung am 28. Juni präsentiert und die Planung eines neuen Entsorgungsbetriebes für die chemisch-physikalische Behandlung (Verwertung und Entsorgung) von Flüssigkeiten und Feststoffen als Sonderabfallbehandlungsanlage auf einem Teilbereich des BASF-Geländes in Grenzach-Wyhlen vorgestellt. Geplant ist die Behandlung von jährlich 140 000 Tonnen Sonderabfall, wie Bauamtsleiterin Monika Neuhöfer-Avdic erläuterte. Langfristig wird beabsichtigt, etwa 50 Prozent der Transportmenge per Bahn zu befördern. Die Inbetriebnahme der Anlage ist aus Sicht der Firma für das Jahr 2013 angedacht. Sie rechnet mit Investitionen in Höhe von sechs bis sieben Millionen Euro. Zu Beginn ist geplant, 15 Arbeitsplätze zu schaffen, später sollen es insgesamt 40 bis 60 Arbeitsplätze werden.

Nach der Präsentation im Gemeinderat hatten sich in der Diskussion noch offene Fragen herauskristallisiert, unter anderem zu den Themenbereichen Verkehrsaufkommen im Gemeindegebiet, Lärm, Staub, Gerüche, Emissionen allgemein und Querung der Bahnlinie der zukünftigen B34 neu. Diese Fragen beziehen sich auf das Vorhaben der Firma Zimmermann-Gruppe, aber auch auf die noch weiter zu erwartenden Firmenansiedlungen auf dem zunehmend frei werdenden BASF-Areal und deren Auswirkungen insgesamt auf das Gemeindegebiet. Aus diesem Grunde hatte die Verwaltung vorgeschlagen, dass das Bauamt bis Anfang 2012 verschiedene städtebauliche Entwicklungsszenarien, die auf einer ausführlichen Analyse beruhen und die Prüfung von Alternativen beinhalten, für das Gesamtareal erarbeitet. Dieser Vorschlag wurde im Technischen Ausschuss einstimmig befürwortet.

Bürgermeister Jörg Lutz verwies in diesem Zusammenhang auf viele wichtige Themen. Eine wichtige Frage sei, wie könne man möglichst viele zukunftsfähige Arbeitsplätze nach Grenzach-Wyhlen bringen. Auch der Lkw-Verkehr und Altlasten sind unter anderem weitere wichtige Themen. Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, benötige man eine gewisse Zeit. Man möchte im Dialog nach einer guten Lösung suchen, betonte Lutz weiter. Bernd Herzog (FDP) meinte, eine Ungewissheit sei vorhanden, Bedenken seien berechtigt. "Wir sollten uns nicht unter Zeitdruck setzen lassen". Rolf Rode (Freie Wähler) hob ebenfalls hervor, dass man sich für solche weitreichenden Entscheidungen Zeit nehmen sollte. Annette Grether (Grüne) sprach sich dafür aus, die Chance zu ergreifen, gut darüber nachzudenken, was man mit einem solch großen Gelände machen könne.

BASF zeigt sich besorgt über die Entwicklung

Weil sie im Zusammenhang mit den Plänen zur weiteren Entwicklung des BASF-Areals ein höheres Verkehrsaufkommen befürchten, waren viele Anwohner der Lörracher Straße zur Sitzung des Technischen Ausschusses gekommen. Ihre schriftlich formulierten Anliegen wurden zu Beginn der Sitzung von Lutz verlesen. "Wir nehmen eine weitere Erhöhung des Pkw-Aufkommens und vor allem des Lkw-Aufkommens auch nicht für neue Arbeitsplätze in Kauf", betonen die Anwohner. Erst, "wenn die Umgehungsstraße gebaut ist, haben wir nichts gegen die Ansiedlung von sauberen und geruchsneutralen Firmen einzuwenden". Gestank und gesundheitsschädliche Abgase "haben wir durch die Bundesstraße schon genug".

Auch die BASF als Besitzerin des Areals meldete sich gestern zu dem Thema: "Die aktuelle Entwicklung verfolgen wir mit Besorgnis. Es ist unser Ziel, unser Gelände sowie die bestehende Infrastruktur gemeinsam mit Partnern aus der Chemie- und Pharmaindustrie sinnvoll zu nutzen", schreibt Pressesprecher Franz Kuntz. Die Ansiedlungsinitiative für das BASF-Gelände bezwecke, "dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit steigern können. Sie leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Zukunftssicherung des BASF-Standortes Grenzach". BASF sei diskussionsbereit und für einen Austausch mit Bürgermeister und Gemeinderat offen.