Haushaltslage

Grenzach-Wyhlen: Schulleiter schlagen Alarm

Verena Pichler

Von Verena Pichler

Fr, 19. Januar 2018 um 11:00 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Wegen der angespannten Haushaltslage hat die Verwaltung den Planentwurf für 2018 überarbeitet. Einen Posten, den sie streichen will, sind die Planungskosten für die Aufstockung des Schulzentrums.

Diese Nachricht hat die Rektoren Frank Schührer (Lise-Meitner-Gymnasium) und Christoph Bigler (Realschule) in Alarmbereitschaft versetzt. Denn das Zentrum platzt aus allen Nähten und die naturwissenschaftlichen Räume entsprechen nicht den vom Kultusministerium vorgegebenen Standards.

Die Schule

Weil sich im Technischen Ausschuss am Dienstag die Tendenz für die Streichung der 200 000 Euro abgezeichnet hatte, kamen Schührer und Bigler am Donnerstag zur Hauptausschusssitzung. "Wir haben am Schulzentrum bislang nie laut getrommelt", so Bigler. Nun sehe die Situation aber anders aus.

Bereits jetzt hat die Realschule, die ursprünglich für eine Zweizügigkeit ausgelegt war, ihre Kapazitätsgrenze erreicht. "Wir sind durchgängig dreizügig." Um die insgesamt 460 Realschüler unterzubringen, hat die Gemeinde im Jahr 2016 vier Container angemietet, die als Klassenzimmer dienen. Diese schlagen mit rund 42 000 Euro Miete pro Jahr zu Buche. "Diese Mehrkosten wären besser in einem Gutachten investiert", befand Bigler. Zudem befürchtet er, dass aus dem Provisorium eine längerfristige Lösung wird: "Wenn die fast schon lächerliche Summe von 200 000 Euro für die Planung jetzt nicht bereitgestellt wird, verzögert sich der gesamte Ausbau."

Dieser ist nicht nur für die Schaffung weitere Klassenzimmer und eines größeren Verwaltungsbereichs notwendig, wie Biglers Kollege Schührer ausführte. "Die naturwissenschaftlichen Räume lassen einen Unterricht nach dem Bildungsplan des Kultusministeriums nicht zu." Die acht Räume sind 40 Jahre alt, nur zwei davon wurden vor knapp zehn Jahren modernisiert. "Viele Experimente können wir gar nicht machen, etwa weil wir Sicherheitsabstände nicht einhalten." Und das nicht erst seit gestern: Bereits der Bildungsplan 2004 konnte nicht erfüllt werden. "Wir als Schulleiter können die Verantwortung nicht tragen", so Schührer. Auch er warb eindringlich dafür, schon in diesem Jahr mit den Planungen zu beginnen. "Sonst reden wir über eine verdammte lange Zeit, bis der Bau realisiert werden kann."

Knackpunkt Herten

Im Technischen Ausschuss hatte Bürgermeister Tobias Benz die Frage aufgeworfen, ob es die Aufgabe der Gemeinde sei, auswärtige Schüler aufzunehmen – zum Beispiel aus Herten. Für Bigler und Schührer ein vorgeschobenes Argument. "Selbst wenn diese Schüler nicht mehr kämen, wäre der Bedarf an Räumen nicht ausreichend", so Bigler auf BZ-Nachfrage am Freitag. Denn allein durch die ausgewiesenen Neubaugebiet innerhalb der Gemeinde, sei absehbar, dass die Schülerzahlen weiter steigen.

Zudem gibt es ein Urteil des Verwaltungsgerichts, dass dieser Überlegung einen Riegel vorschieben könnte. Im Landkreis Waldshut hatten Eltern geklagt, deren Kinder nicht auf ihre Wunschschule gehen durften. Mit Erfolg. "Sollen wir nun von der Aufnahme Hertener Schüler absehen, obwohl die Eltern das einklagen könnten?", fragte Bigler im Hauptausschuss. Benz entgegnete, dass man das politisch diskutieren müsse.

Die Verwaltung

Bürgermeister Tobias Benz stellte den Bedarf an einer Modernisierung nicht in Frage. "Dieses Projekt hat auch Priorität eins, die Notwendigkeit bezweifelt hier keiner." Jedoch müsse man sehen, was leistbar ist. "Es ist nicht damit getan, eine Planung zu beauftragen. Das Bauamt muss auch die Kapazitäten haben, diese umzusetzen." Neben dem Schulzentrum gebe es in der Gemeinde noch zwei gleichwertige Projekte, die dringend angegangen werden müssten: der Ausbau der Kinderbetreuung und der Lindenschule. "Unter diesen drei müssen wir priorisieren." Er plädierte dafür, den Zuschussbescheid des Regierungspräsidiums abzuwarten und die Planung mit Volldampf erst 2019 anzugehen.

Die Mitglieder

Tilo Levante (FDP) sprach sich deutlich dafür aus, die Planungskosten im Plan zu lassen "Wir können den Bauantrag fertigmachen, die Baugenehmigung ist dann drei Jahre gültig." Man verschenke sich dadurch also nichts. Aber wenn die Gemeinde die Mittel jetzt nicht im Haushalt habe, "haben wir ein Problem." Und weiter: "Gute Schulen sind auch ein Thema der Wirtschaftsförderung", so Levante. Auch Alexander Drechsle (CDU) tendierte dazu, die Planungsmittel bereits in 2018 einzustellen. "Wir haben uns die Fachräume angesehen und der Tenor war keine Zeit zu verlieren." Anette Grether (Grüne) kündigte an, auch diesen Posten und die Anliegen der Schulleiter mit in die Fraktion zu nehmen.

Den Haushalt diskutiert der Gemeinderat am Dienstag, 30.Januar, um 18.30 Uhr in der Mensa der Bärenfelsschule.