Großeinsatz für die Kesslergrube

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Sa, 19. Oktober 2013

Grenzach-Wyhlen

Der Bürgerinformationsabend der Gemeinde brachte die Unternehmen mit Kritikern und Bürgern zusammen.

GRENZACH-WYHLEN. Ein mit zehn Personen voll besetztes Podium, 160 Besucher und drei Stunden voller geballter Informationen: Das war der Bürgerinformationsabend zur Sanierung der Kesslergrube im Haus der Begegnung am Donnerstag.

Wer war da?
Am stets aufbrausenden Applaus, wenn ein Kritiker der Einspundung durch die BASF das Wort ergriff, konnte man ablesen, dass der Großteil der Besucher aus den Reihen der Forderer des Komplettaushubs kamen. Die Sitzreihen waren sehr durchmischt. Neben meist älteren Bürgern gab es auch zahlreiche jüngere Leute, die sich über die Planungen für die Zukunft informieren ließen. Ebenfalls vertreten war eine Delegation der BASF, die teilweise aus Ludwigshafen angereist war. Zahlreiche Gemeinderäte und Amtsleiter komplettierten das Bild.

Wie lief es ab?
Nach einer kurzen Begrüßung durch Bürgermeister Jörg Lutz, der vorsorglich die gute Diskussionskultur in Grenzach-Wyhlen lobte, gab es erst einmal anderthalb Stunden Informationen. Georg Lutz vom Landratsamt ("Wir sind die, die am Ende entscheiden") referierte über die rechtlichen Voraussetzungen und den Verfahrensablauf. Dann stellten die BASF und die Roche die Gründe ihrer Sanierungsentscheidung und das genaue Vorgehen vor. Anschließend kamen die Kritiker zu Wort: Altlastenexperte Walter Wildi und für die BI Wirtschaftsexperte Michael Bertram. Die zweiten anderthalb Stunden des Abends gehörten den Bürgern, die zahllose Fragen stellten und wie auf den zahlreichen aufgehängten Plakaten zu lesen war, den Komplettaushub des BASF-Bereichs forderten.

Was sagt die Industrie?
Günter Fritz, Leiter des Bereichs Altlasten bei der BASF Schweiz, stellte unterstützt von Projektleiter Livio Ullmann und Ingenieur Matthias Weede die Umspundung vor, die sicher bis in den Fels getrieben werden soll. Mit dem Abpumpen des Grundwassers über eine beständige Überwachungsphase soll sichergestellt werden, dass nur Wasser von außen eindringen kann, Schadstoffe aber nicht nach draußen gelangen. Eventuelle Schäden an der Umspundung würden repariert. Fritz sah diese Lösung als ideal, da bei einem Ideenwettbewerb unabhängig voneinander Ingenieurbüros die Einkapselung als für diese Fläche idealste Lösung angesehen hätten.

Richard Hürzeler, der Projektleiter für den Roche-Perimeter hatte Ingenieur Thomas Osberghaus als Unterstützung dabei. Sie schilderten den Ablauf des Komplettaushubs. Eine Schiffanlegestelle wird nötig, um das Auffüllmaterial heranzubringen, der Transport des belasteten Aushubmaterials soll in sicheren Containern größtenteils per Bahn erfolgen.

Was sagen die Gegner?
Kritiker Wildi nahm direkt Bezug auf die beiden Vorträge vor ihm: "Eine Firma will die Schadstoffe entfernen, die andere sie drinlassen. Jetzt wissen Sie, welche Firma weiterhin in Grenzach bleiben möchte." Er nannte die Umspundung "provisorisch" und riet der BASF, "das ganze komplett zu sanieren". Michael Bertram stellte für die BI wirtschaftliche Hintergründe dar und die Frage: Was soll aus dem Gelände werden? Er jedenfalls attestierte der ganzen Region einen großen Bedarf an Flächen für hochwertige Industrieansiedlung auch im Life-Science-Bereich.

Das meistgenutzte Wort
Das Wort "Nachhaltigkeit" wurde an diesem Abend von jedem in den Mund genommen. Die BASF sprach davon, dass die Einspundung eine nachhaltige Lösung sei, Roche betonte die Nachhaltigkeit seines Komplettaushubs, der von der Gemeinde für diesen Abend engagierte Wildi konnte nur im Komplettaushub nachhaltige Übernahme von Verantwortung erkennen und alle gemeinsam sprachen von einem Nachhaltigkeitsgutachten, das noch einiges klären soll.

Welche Fragen gab es?
Die Fragen der Bürger hatten nur selten wirklichen Fragecharakter, sondern stellten meist eher Stellungnahmen dar. Ein einziger Sprecher meinte, dass er als Kind in der Grube gespielt und das ihm nicht geschadet habe und wunderte sich, was man sich jetzt so aufrege. Die meisten forderten aber die BASF auf, ihren Perimeter komplett auszuheben. Hervorzuheben ist BI-Mitglied Manfred Mutter, der die von der BASF vorgebrachten Nachhaltigkeitsziele infrage stellte: "Wenn ich höre, dass sie ökologische Bedenken wegen der Lastwagen haben, die das Material abtransportieren müssten – und diese Bedenken sind nicht einmal wahr, weil die Roche mit dem Zug abtransportiert, dann empfinde ich das als Zumutung."

Gab es Streit?
Insgesamt blieb die Veranstaltung sehr sachlich. Allerdings – je später der Abend wurde, umso lauter wurden die Vorwürfe, dass jemand nicht die Wahrheit sage. Wildi provozierte diese Reaktion ebenso wie Mutter und der Altlastenexperte Martin Forter. Letzterer hatte gesagt, dass die Stoffe im BASF-Bereich im Gegensatz zu den Aussagen der BASF sogar gefährlicher seien als die im Roche-Perimeter. Dem widersprach wiederum die BASF. Mehrfach wehrte sich auch Georg Lutz vom Landratsamt gegen, wie er sagte, Unterstellungen. Forter hatte die Voruntersuchungen der Behörde als mangelhaft moniert, Wildi sich ebenfalls wenig behördenfreundlich gezeigt.