"Höhepunkt war vor der Aufführung"

mart

Von mart

Fr, 18. September 2015

Grenzach-Wyhlen

BZ-INTERVIEW: Thomas und Ulrike Vogt empfinden es als Privileg, mit jungen Menschen am Musical Swinging St. Pauli zu arbeiten.

GRENZACH-WYHLEN. Diesmal sitzt auch die Jury des Lotto-Musiktheaterpreises im Publikum, und die jüngere Besetzung der Musical-Company am Lise-Meitner-Gymnasium steht auf der Bühne der Hochrheinhalle. Vor dieser Zugabe von "Swinging St. Pauli" am Samstag, 19. September, sprach Martin Eckert mit den Projektleitern Ulrike und Thomas Vogt übers Projekt, bei dem eine Dynamik entstand, von der sie nie zu träumen gewagt hätten.

BZ: Wie kam es zu dieser erneuten öffentlichen Aufführung?

Thomas Vogt: Den Musical-Preis gibt es schon länger, er wird alle zwei Jahre von der Jury vergeben. Wir hatten bisher das Pech, dass wir immer genau in dem Jahr ein Musical aufgeführt haben, in dem der Preis gerade nicht verliehen wurde. Ich hatte dann die Jury angefragt, ob wir vielleicht trotzdem mit unseren Aufführungen im letzten Schuljahr teilnehmen könnten, aber dies ging laut den Teilnahmebedingungen leider nicht. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam entschieden, im neuen Schuljahr nochmals eine Vorstellung zu geben, die dann von der Jury besucht und bewertet wird.

BZ: Dies ist sicher mit einem riesigen Aufwand verbunden?

Ulrike Vogt: Wir haben das Glück, dass wir einen Großteil der Bühne, des Bühnenbildes und der Requisiten über die Sommerferien in der Hochrheinhalle stehen lassen konnten. Daher hält sich der logistische Aufwand für uns in Grenzen. Spannend wird allerdings, wie die Schauspieler nach einem Monat Pause wieder in ihre Rollen zurückfinden. Daher haben wir eine starke Woche vor der Aufführung wieder mit den Proben begonnen. Aber erfreulicherweise ist alles noch da.

BZ: Welche Reaktionen erhielten Sie vom Publikum für die bisherigen Aufführungen?

Ulrike Vogt: Wir haben durchweg begeisterte Reaktionen erhalten. Viele Zuschauer waren der Meinung, dass man gar nicht bemerkt hätte, dass da Schüler auf der Bühne stehen.

BZ: Haben Sie mit einem derartigen Erfolg gerechnet?

Ulrike Vogt: Wir machen schon seit vielen Jahren derartige Projekte mit Schülern, und unsere Erfahrung hat uns gezeigt, dass, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, jeder über das hinaus wächst, was er als Einzelner hätte leisten können. Wir hatten aber auch riesiges Glück mit den Leuten, die mitgemacht haben. Da haben sich vor und hinter der Bühne großartige Talente entwickelt, von denen anfangs niemand etwas geahnt hatte. Mit Kathi Dehn hatten wir wieder eine hervorragende Choreografin im Team. Es gab aber auch eine großzügige Unterstützung durch die Gemeinde und ansässige Firmen und jede Menge Helfer, ohne die man das alles nicht hätte schaffen können.

BZ: Was war für Sie der Höhepunkt des Projekts?

Thomas Vogt: Das war für uns die letzte Phase vor der Aufführung, in der wir den ganzen Tag mit intensiven Proben in der Halle verbracht haben. Da entstand eine Dynamik, in der künstlerische und soziale Dinge passiert sind, von denen man nicht einmal zu träumen gewagt hat. Wir sind immer wieder sehr dankbar und empfinden es als Privileg, mit jungen Menschen auf diese Art künstlerisch arbeiten zu können.

BZ: Gab es einen Moment, da Sie an dem Projekt zweifelten?

Thomas Vogt: Nein, das haben wir nicht. Es gab zwar Phasen, die nicht so gut gelaufen sind, aber es ist normal, dass es bei einem derartigen Projekt auch mal einen Durchhänger gibt.

BZ: Können Sie abschätzen, wie viele Stunden sie persönlich investiert haben?

Ulrike Vogt: Das ist schwer zu sagen. Ich weiß nur, dass ich etwa 6 000 Kilometer mit dem Auto gefahren bin. Und nach den Proben mit den Schülern ging es für uns ja weiter mit unzähligen Nachtarbeiten, um alles Mögliche vorzubereiten und zu organisieren. Wir haben das gesamte letzte Schuljahr intensiv diesem Projekt gewidmet.

BZ: Können Sie schon sagen, wann es das nächste Musical geben wird?

Thomas Vogt: Das hängt von der Schule und den Kollegen ab. Unserer Meinung nach wäre ein Zwei-Jahres-Rhythmus optimal, da dann immer noch Schüler aus den vorherigen Projekten da sind, die ihre Erfahrungen weitergeben können.

Thomas Vogt ( 59 ) ist Musiklehrer am Lise-Meitner-Gymnasium und seine Frau Ulrike Vogt ( 55 ), ebenfalls Musiklehrerin, haben gemeinsam das Musicalprojekt geleitet. In den vergangenen 28 Jahren haben die Beiden mit Jugendlichen verschiedene Schultheater, Orchester- und Chorprojekte auf die Beine gestellt, unter anderem in St. Petersburg, Slowenien und in der Schweiz.

Termin: Zusatzaufführung am Samstag, 19. September, 20 Uhr, Hochrheinhalle Wyhlen, von 19 Uhr an Catering.