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21. Oktober 2011

Hygienevorschriften für Vereine: „Nur trockener Rührkuchen“

BZ-UMFRAGE unter Vereinen in Grenzach-Wyhlen zur Einhaltung von Hygienevorschriften.

  1. Christian König Foto: Heinz u. Monika Vollmar

  2. Marcus Schär Foto: Heinz u. Monika Vollmar

  3. Ellen Pertler Foto: Heinz u. Monika Vollmar

  4. Ingrid Sauerland Foto: Heinz u. Monika Vollmar

  5. Sind die Hygienevorschriften das Aus für Kuchentheken? Oder werden die in Zukunft einfach anders präsentiert? Foto: Heinz Vollmar

  6. Horst Happle Foto: Heinz u. Monika Vollmar

GRENZACH-WYHLEN. Beim Treffen der Vereinsvertreter (ARGE), wir berichteten, referierte vor wenigen Tagen Manuela Neubert vom Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Landkreises Lörrach zum Thema Hygienevorschriften. Die seien nicht neu, würden jedoch von den Vereinen oft nicht so ernst genommen. BZ-Mitarbeiter Heinz Vollmar sprach mit Vereinsvertretern darüber, wie die Vorschriften bei Vereinsfesten eingehalten werden und was sie von der praktischen Umsetzung halten.

Marcus Schär, Oberzunftmeister der Narrenzunft Grenzach: Mich haben vor allem die Hygienevorschriften bei Kuchentheken beschäftigt. Wenn man diese alle einhalten würde, dann würden bei Vereinsfesten keine Sahnetorten und keine Schwarzwälder-Kirsch-Torten mehr zu finden sein, sondern nur noch trockener Rührkuchen. Man muss sich diesbezüglich vergegenwärtigen, dass auch die Kuchen gekühlt werden müssen. Dies bedeutet, dass man nach Möglichkeit Kühlschränke mit gläsernen Sichtfenstern anmieten müsste, um den Gästen die Kuchen ansprechend anbieten zu können. Dies geht zum Beispiel in der relativ kleinen Küche des Hauses der Begegnung in Grenzach überhaupt nicht. Auch anderswo sind die Rahmenbedingungen gar nicht vorhanden, um alle Hygienevorschriften einhalten zu können.

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Ellen Pertler, Vorsitzende des Turnvereins Grenzach: Ich finde es nicht verkehrt, dass noch einmal auf die Hygienevorschriften aufmerksam gemacht wurde. Schließlich ist mir bekannt, dass viele Menschen unter Allergien leiden oder Keime in sich tragen können. Außerdem muss man auch feststellen, dass es auch viele unsaubere Menschen gibt. Insofern ist es wichtig, und wir achten im Turnverein Grenzach auch darauf, dass Speisen bei Veranstaltungen nicht für jedermann zugänglich sind und dass auch in anderer Weise die Hygienevorschriften eingehalten werden.



Christian König
, Organisator des Sommerfestivals: Die Veranstaltung mit Frau Neubert war informativ und interessant. Die Erklärungen in Sachen Hygiene machten mir aber auch bewusst, wie aufwendig Vereinsveranstaltungen werden können, wenn man alle Hygienevorschriften einhalten will. Oftmals sind die Macher solcher Veranstaltungen überfordert oder die Rahmenbedingungen lassen es nicht zu, dass man alle Hygienevorschriften einhalten kann. Ich denke da etwa an diverse Gerätschaften zur Hygieneeinhaltung oder an lebensmittelechte Wasserschläuche. Die Gefahr, dass gegebenenfalls unter dieser Auflagenflut Feste dann nicht mehr stattfinden ist jedenfalls gegeben.

Ingrid Sauerland, Vorsitzende des Turnerbunds Wyhlen: Ich fand die Ausführungen von Manuela Neubert beim ARGE-Treffen sinnvoll und gut, allerdings werden die Hygienevorschriften oft auch zu eng ausgelegt. Ich empfand die Veranstaltung als informativ und keineswegs direktiv, schließlich ging es auch darum, dass die Vereine erfahren, wie sie sich in Sachen Hygiene bei Festen zu verhalten haben. Das Landratsamt stellt diesbezüglich auch Infomaterial zur Verfügung. In unserem Verein können wir die meisten Vorschriften so auch einhalten und so können wird zum Beispiel auch separate Toiletten für das Personal und die Gäste zur Verfügung stellen. Für etwas überzogen halte ich jedoch Tipps wie die Desinfektion von Gerätschaften mit denen man Crêpes herstellen kann. Das Landratsamt riet auch, keine frischen Eier mehr zu verwenden, sondern pasteurisierte Volleier, so der Fachbegriff. Und was den Kuchenverkauf angeht, so wissen wir in unserem Verein, wer diese gebacken hat und wo die Kuchen herkommen, insoweit ist eine Nachprüfbarkeit jederzeit gewährleistet.

Thomas Lütjens, Cliquenchef der Dunnerloch-Zotteli Wyhlen: Die teilweise überbordenden Hygienevorschriften können schon dazu führen, dass man sich als Vereinsverantwortlicher zunehmend fragt: "Was binde ich mir bei der Veranstaltung von Festen eigentlich ans Bein." Die Einhaltung aller Hygienevorschriften ist nicht zuletzt auch eine finanzielle Frage, die für einige Vereine entscheidend sein kann. Hinzu kommt, dass oft die Rahmenbedingungen nicht gegeben sind, um allen Hygienevorschriften gerecht werden zu können. Für das Spargel- und Erdbeerfest, das meine Clique alljährlich veranstaltet, versuchen wir, alle Hygienevorschriften einzuhalten. Dafür sorgen auch unsere ausgebildeten Köche, die von ihrer hauptberuflichen Tätigkeit her die Hygienevorschriften kennen und die auch akribisch einhalten.

Horst Happle, Vorsitzender der ARGE und des Gesangvereins Frohsinn Wyhlen: Der Gesangverein Frohsinn Wyhlen hält sich seit langem weitestgehend an die Hygienevorschriften. Es sind höchstens Kleinigkeiten, die, wenn auch unbewusst, noch nicht beachtet worden sind. Es ist jedoch unser Bestreben, auch diesen noch offenen Dingen Rechnung zu tragen. So werden wir ab sofort Speisen in abgedeckten Behältnissen bei Festen aufbewahren, auch die Herkunft von Kuchenspenden werden wir dokumentieren. Hinzu kommt, dass wir uns überlegen zwei Vereinskollegen von der entsprechenden Stelle im Landratsamt in Sachen Hygiene schulen zu lassen. Auch bei der Zusammenarbeit mit dem Männerchor Grenzach und dem Frauenchor Grenzach-Wyhlen werden wir uns künftig den Hygienevorschriften bei Festen noch intensiver widmen.

Dominic Rago, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes: Natürlich sind die Hygienevorschriften sehr umfangreich. Bei gemeindeeigenen Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Neujahrsempfang versuchen wir jedoch, allen Vorschriften gerecht zu werden. Außerdem geben wir auch den Vereinen bei deren Festen immer wieder Hinweise, wie die Hygienevorschriften eingehalten werden können und was optimiert werden muss.

Autor: mar