Jörg Lutz will die Weichen stellen

Ralf H. Dorweiler und Peter Gerigk

Von Ralf H. Dorweiler & Peter Gerigk

Do, 13. September 2012

Grenzach-Wyhlen

Bürger sollen über Zukunft des Industriestandorts mitentscheiden / Zimmermann-Gruppe feilt am Genehmigungsantrag.

GRENZACH-WYHLEN. Die Industrie baut ab, nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Gebäude, wie bei der BASF. Seit Jahrzehnten prägen die Chemieunternehmen die Gemeinde, die von deren Gewerbesteuer profitiert. Wie wird das in Zukunft aussehen? Bürgermeister Jörg Lutz regt an, dies mit den Bürgern zu erörtern und ein Konzept zu erstellen, das als Leitlinie dient.

Zur Ansiedelung der Gütersloher Zimmermann-Gruppe auf dem Areal der BASF sagte Bürgermeister Jörg Lutz im BZ-Gespräch, dass die Gemeinde nicht nur auf Zimmermann schauen könne, sondern ein Konzept benötige, wie es weitergehen solle in Grenzach-Wyhlen. Darum findet er es auch richtig, ein Zukunftslabor zusammen mit Bürgern zu starten, bei dem es um die Identität der Gemeinde gehen soll. "Entweder wir sind ein Industriestandort oder nicht", sagte er.

Der Chemierecycler hat das Areal für sein Werk für 35 Jahre von der BASF gepachtet. "In Gemeindezeit ist das eine relativ kurze Zeitspanne", sagte Lutz. Wie es dann weitergehe – und bis dahin auch mit der sonstigen Industrie in der Gemeinde aussehe – wisse man nicht. Umso wichtiger sei es, einen generellen Kurs zu überdenken.

Aktuell bringe die Ansiedlung des Unternehmens sicherlich Beeinträchtigungen für die Bürger. "Das will ich nicht schönreden", meinte der Bürgermeister. Wer aber dagegen sei, müsse nur über die Grenze schauen, wo überall Industrie zu finden ist. "Wir sind eine Region", betonte Lutz. Zudem gehe es bei der Ansiedlung und Schaffung von Arbeitsplätzen nicht einfach um die 25 Stellen, die Zimmermann schaffen wolle. Von Seiten der DSM habe er Signale vernommen, dass die Ansiedlung auch dort die Arbeitsplätze stabilisiere.

Die Zimmermann-Gruppe feilt laut ihrem Technischen Leiter Jörg Wellenbüscher noch an ihrem Genehmigungsantrag und befindet sich dafür mit dem diesen prüfenden Regierungspräsidium Freiburg im Austausch. Zusätzliche Aspekte werden in den Antrag eingearbeitet, einzelne Formulierungen geändert. Somit soll möglichst ausgeschlossen werden, dass der Antrag nach der Anhörung nachgebessert werden muss. Das würde bis zum Baubeginn eine deutliche Zeitverzögerung bedeuten. Zudem dient er als Vorlage für den Gemeinderat.

Erst wenn diese aktuellen Korrekturen am Antrag vorgenommen sein werden, gilt dieser als offiziell eingereicht. Danach beginnt die Phase der Offenlegung, die möglicherweise schon im Frühherbst erreicht werden sein könnte, wie auf BZ-Nachfrage vom Regierungspräsidium mitgeteilt wurde. Im nächsten Jahr soll es nach dem heutigen Stand der Planung mit dem Bau losgehen. Die Kommunikation mit dem Unternehmen sei gut.

Für den Genehmigungsantrag müssen eine Reihe von Vorleistungen gebracht werden. Dazu gehören eine Sicherheitsuntersuchung und Emissionsprognosen für Luft, Schall sowie Verkehr.