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11. Juni 2010

Lärm ist längst nicht mehr alles

IG Hafenlärm ärgert sich über "Schrottplatz durch die Hintertür" / Sorge vor Lärm, Feinstaub und Explosionsgefahr.

  1. Der Berg links besteht aus Schrott, der in der Mitte aus Kohle, rechts davon liegen Treibstofftanks. Foto: Ralf H. Dorweiler

  2. Als Schlag ins Gesicht empfinden Rolf Rode, Matthias Strittmatter, Peter Osypka, Christine Osypka, Georg Bongartz und Angelika Gersbacher (von links) den Schrottplatz im Hafen Birsfelden. Foto: Ralf H. Dorweiler

GRENZACH-WYHLEN. Ende des vergangenen Jahres fühlte sich IG Hafenlärm als Sieger. Das Baugesuch für die umstrittene Schrottverwertungsanlage im Hafen Birsfelden war zurückgezogen worden. Dass mittlerweile an gleicher Stelle ein Schrottplatz samt Verladung entstanden ist, der ausgeweitet werden soll, besorgt die Bürger Grenzachs immer mehr. Neben Lärmbelästigung wächst nun auch die Sorge vor Luftverschmutzung. Mehrfach wurden Roststaubwolken über den Rhein geweht. Bei einer Pressekonferenz gestern am späten Nachmittag gab die IG ihrem Unmut Ausdruck.

Die Schrottverarbeitung im Birsfelder Hafen hatte eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) benötigt. Auflagen für deren Bau wären unter anderem Lärmschutzwände gewesen. Nachdem das Gesuch dafür zurückgezogen war, machte der Hafen von seinem Umschlagsrecht Gebrauch, und die Firma Ultra-Brag baute eine Schrottumschlagplatz auf. Lkw liefern Schrott an, der wird mit dem Kran auf einen mittlerweile 15 Meter hohen Schrottberg geworfen. Kommen Waggons oder Schiffe, packt der Kran den Schrott wieder an und verlädt ihn. Vor Ort kann man sich wunderbar ein akustisches Bild davon machen. Gestern Abend maß Peter Osypka, bei dem die Pressekonferenz stattfand, 60 Dezibel. In einem reinen Wohngebiet in Deutschland sind tagsüber 50, nachts maximal 35 erlaubt.

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"Jetzt haben wir einen Schrottplatz durch die Hintertür. Ohne UVP und ohne Lärmschutzwände", klagt IG-Sprecher Georg Bongartz. Hätten die Gutachten zum umstrittenen Bauantrag die Lärmgrenzen sogar mit Lärmschutzwand verletzt gesehen, sei es klar, dass es nun noch lauter werde.

"Vor allem: Es ist ein beständiger Lärm, der morgens beginnt und manchmal nicht einmal abends aufhört. Dieser Schrottplatz ist ein Schlag in unser Gesicht", kommentierte er. Zu dem Lärm durch den Schrott kommt auch der weiterer Lärmquellen dazu.

Da weder die IG noch die Gemeinde Daten über die offiziellen Lärmmessungen erhalten, möchte man beim Runden Tisch am kommenden Montag diese einfordern. Auch fordert man eine unabhängige Lärmmessung deutscher Behörden.

Als zweiten kritischen Punkt sieht Rolf Rode, ebenfalls IGH, die Explosionsgefahr. Im Sommer könne es bei Schrottplätzen zu Selbstentzündung kommen. Ein Funke könne genügen, um die großen, im Schrott befindlichen Staubmengen zu entzünden. Zudem bestehe der Schrott entgegen der Zusagen der Hafenverwaltung nicht aus sauberem Stahl, sondern sei mit zahlreichen Kunststoffen, Ölen und Schmiermitteln verunreinigt. Direkt neben dem Schrottberg liege ein Kohlehaufen, daneben seien zahlreiche Treibstofftanks. Die IG will wissen, ob es eine Gefahrenabschätzung gibt und ob die Feuerwehren auf ein solches Szenario vorbereitet seien.

Der Staub und die Feinstaubbelastung seien weitere strittige Punkte, so IG-Mitglied Matthias Strittmatter. Viel Roststaub falle in den Rhein, gesundheitlich schwer bedenklicher Feinstaub treibe nach Basel oder nach Grenzach. Die vom Hafen versprochene Beregnung könne nicht aus einem Mann mit Schlauch bestehen. Eine professionell Anlage in der Größe würde mehrere Millionen Euro kosten. Die Forderung der IG ist es nun, auch die Luftbelastung zu erheben.

Autor: Ralf H. Dorweiler