Roche saniert für 240 Millionen Euro

Landratsamt genehmigt Totalaushub

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Fr, 14. November 2014 um 16:49 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Das Landratsamt Lörrach hat am Freitag die Sanierungsplanung der Firma Roche Pharma für ihren Anteil an der Kesslergrube, den sogenannten Perimeter 1 genehmigt. Die vom Unternehmen vorgelegte Planung eines Totalaushubs der Altlasten ist damit genehmigt.

GRENZACH-WYHLEN. Das Landratsamt Lörrach hat am Freitag die Sanierungsplanung der Firma Roche Pharma für ihren Anteil an der Kesslergrube, den sogenannten Perimeter 1 genehmigt. Die vom Unternehmen vorgelegte Planung eines Totalaushubs der Altlasten ist damit grundsätzlich genehmigt. Noch offen ist die Entscheidung, ob auch das Vorhaben der BASF genehmigt wird, seinen Perimeter 2 einzukapseln und abzudecken. Eine Entscheidung darüber wird Ende November bis Anfang Dezember erwartet.

Die Sanierungsplanung mit dem Antrag auf Verbindlichkeitserklärung hatte die Roche Pharma am 9. September für den Perimeter 1 offiziell eingereicht. Die Planung umfasst daneben einen kleinen Teil des nördlich angrenzenden Perimeters 3, auf den die geplante Trasse der "B 34 neu" zu liegen kommen soll.

Start der Sanierung möglich
Nachdem vorbereitende Arbeiten bereits angelaufen sind, kann die Firma Roche nach der Entscheidung des Landratsamts nun die detaillierten Ausführungsplanungen in Angriff nehmen und die Ausschreibung für die Gewerke veranlassen. Mit der Baustelleneinrichtung soll laut Planung des Unternehmens im Frühsommer 2015 begonnen werden. Die eigentlichen Sanierungsarbeiten werden sich anschließen und sollen voraussichtlich 2021 abgeschlossen sein. Da das Landratsamt den Sofortvollzug angeordnet hat, besitzen Widersprüche oder ein eventueller Klageweg keine aufschiebende Wirkung.

Planung im Vorfeld
"Für den Landkreis Lörrach ist die Sanierung der Kesslergrube ein bisher einmaliges, aufwendiges und im Blick der Öffentlichkeit stehendes Projekt", heißt es in der Pressemitteilung der Behörde. Dieses Projekt habe nicht nur auf Seiten der Firma Roche und des beauftragten Untersuchungs- und Planungsbüros einen enormen Arbeitsaufwand verursacht, sondern auch für das Landratsamt. Um die Planung zu diesem komplexen Projekt in Sachen Arbeitssicherheit, Luftreinhaltung, Grundwassermanagement, Abwasserreinigung und Entsorgung des Aushubmaterials zu prüfen und zu beurteilen, waren die technischen Sachgebiete im Fachbereich Umwelt des Landratsamts in den letzten Monaten intensiv gefordert.

Ablauf
Bereits in der Bürgerinformationsveranstaltung im April hat die Roche Pharma die Öffentlichkeit in Grenzach-Wyhlen über ihre Sanierungsplanung umfangreich informiert. Der Perimeter 1 und ein kleiner Teil des nördlich angrenzenden Perimeters 3 sollen über einen Aushub saniert werden. Mit dieser – laut Angabe des Unternehmens 240 Millionen Euro teuren Variante – sollen etwa 157 000 Kubikmeter belastetes Erdreich unter kompletter Einhausung der Baustelle ausgegraben, in Spezialcontainer verladen und zu thermischen Behandlungsanlagen verbracht werden.

Beteiligung
Am 30. Mai dieses Jahres begann die sogenannte Offenlage im Verfahren. Die gesamten Sanierungsplanunterlagen lagen bis zum 30. Juni im Fachbereich Umwelt des Landratsamts zur Einsicht aus. Gleichzeitig waren die Sanierungsunterlagen im Internet zugänglich . Bis zum 14. Juni konnten Stellungnahmen zum Projekt schriftlich oder per Mail abgegeben werden. Zeitgleich startete parallel dazu auch die förmliche Beteiligung der sogenannten Träger öffentlicher Belange (TÖB), also aller mit dem Verfahren berührten Behörden, der Gemeinde Grenzach-Wyhlen, der jenseits des Rheins liegenden Kantone Baselland und Basel-Stadt sowie der anerkannten Verbände. Allen Genannten wurde ein Antragsexemplar übersandt, die Frist für entsprechende Stellungnahmen war ebenfalls der 14. Juni. Die von Roche Pharma gewählte Sanierungsvariante hatte bereits im Vorfeld nahezu einhellig Zuspruch erfahren. In der Folge gingen entsprechend auch kaum kritische Stellungnahmen bzw. Einwendungen gegen das Projekt ein.

Reaktion der Gemeinde
Die Gemeindeverwaltung und Bürgermeisterstellvertreterin Ulrike Ebi-Kuhn waren am Freitagmittag noch nicht vom Landratsamt informiert worden. Ebi-Kuhn begrüßte auf Anfrage der Badischen Zeitung, dass Roche nun den geplanten Totalaushub vornehmen kann. "Der Totalaushub ist wichtig für unsere Gemeinde", sagte sie. Die Gemeinde würde auch begrüßen, wenn das Landratsamt sich bei seiner nächsten Entscheidung dem Wunsch Grenzach-Wyhlens auch nach einem Totalaushub von Perimeter 2 (BASF) anschließen würde. Kritisch sieht Ebi-Kuhn, dass das Landratsamt auch für Perimeter 2 den Sofortvollzug angekündigt hat. Man müsse prüfen, ob das rechtlich überhaupt möglich sei.