Leserbriefe

Prof. Manfred Mutter, Grenzach-Wyhlen

Von Prof. Manfred Mutter & Grenzach-Wyhlen

Do, 07. Februar 2013

Grenzach-Wyhlen

ZIMMERMANN-ANSIEDLUNG
"Nehmen Sie uns ernst!"
Ein Leserbrief erreichte die BZ zur Stellungnahme des FDP-Ortsverbands vom 6. Februar:
Die Stellungnahme ignoriert die langfristigen Probleme einer "Ansiedlung Zimmermann" und geht damit vollkommen an unserem Anliegen "Industrie Ja - Sondermüllentsorger Nein" vorbei. Wir sind gegen die Ansiedlung der Firma Zimmermann (FZ), weil wir die Sorge um den Industriestandort teilen! Die FZ schafft bei geringer Wertschöpfung praktisch keine neuen Arbeitsplätze, belastet dagegen den Standort mit allen Nachteilen und Risiken einer produzierenden Firma. Die mögliche Nachbarschaft zu einer Sondermüll-Entsorgungsanlage erschwert zudem die Ansiedlung von Firmen, die dem Strukturwandel und dem hochqualifizierten Umfeld gerechten werden, etwa aus den Bereichen Life Sciences, Chemische Forschung, Feinchemie, Mikro- und Nanotechnologie, Medizinaltechnik und so weiter. Einmal vor Ort, wird auf Generationen hinaus das Logo "Müllhalde am Dreiländereck" unserer Gemeinde anhaften und schadet somit nachhaltig dem Image der gesamten Region!

Die Ansiedlung der FZ ist nur für die ansässigen Großfirmen kurzfristig ein "Glücksfall": Durch bestehende Synergien (Kläranlage, Energieversorgung, Entsorgungsbereich) kann der angedrohte Rückzug der Firmen im Zuge eines "Optimierungsbedarfs" oder dem Verlust einer "nachhaltigen Profitabilität" (Zitat Bernd Brian, BASF) ohne sozialpolitische Bedenken beschleunigt vorangetrieben werden. Die schon heute gefährdeten Arbeitsplätze werden dabei nicht von der FZ aufgefangen und eine nachhaltige Sanierung des Areals müsste auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Noch schlimmer: Durch bestehende Synergien im Bereich der Entsorgung (siehe Parkone) kann die FZ mittelfristig die Palette der zu entsorgenden Giftstoffe bis hin zu organischen Verbindungen (Benzol, halogenierte Aromaten, Pestizide) sogar noch erweitern. Dazu ist unter Ausnützung der gesetzlichen Emissionsschwellenwerte sowie durch den beantragten Bau eines überdimensionierten Kamins bereits der Grundstein gelegt. Das "Zentrum für Sondermüllentsorgung" bleibt uns damit bis ins Jahr 2050 erhalten (Ende Pachtvertrag) und bedeutet einen unumkehrbaren Schritt in die falsche Richtung. Schon heute besteht ein Überangebot an Sondermüll-Entsorgungsanlagen; der tobende Kampf um neue Giftmüllkunden soll nicht auf Kosten der Zukunft unserer Kinder am Standort Grenzach-Wyhlen ausgetragen werden! Die Ansiedlung von Sondermüllzentren führt weltweit zu Protesten und Ablehnung, warum sollten gerade wir unsere hochentwickelte Region auf die Müllhalde werfen?

Wer sind "wir"? Wir sind Menschen, die sich nicht von kurzfristigen Überlegungen und unrealistischen Drohszenarien leiten lassen. Machen wir den Weg frei zur Ansiedlung einer Industrie, die für die Gemeinde von Nutzen ist und unsere Zukunft nicht verbaut; die Zimmermann-Ansiedlung darf nicht die einzige Option zur Rettung des Industriestandorts sein! Wir appellieren an alle Entscheidungsträger: "Halten Sie Ihr Versprechen und nehmen Sie uns ernst, bevor es für alle ernst wird".

Prof. Manfred Mutter, Grenzach-Wyhlen

"Rettet unsere Seelen!"
Leserbrief zu "Wir wollen kein Abfallcenter werden" von Ralf Staub vom 3. Februar
Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Die BASF hat "Kontakte zu einem weiteren Betrieb aus der Entsorgungsbranche", so Bernd Brian, Geschäftsführer der BASF in Grenzach-Wyhlen, in einem Interview mit der Badischen Zeitung am 1. Februar. Und das Rathaus, das vertraglich mit der BASF regeln wollte, dass sich kein weiterer Entsorger auf deren Areal neben der Firma Zimmermann niederlässt, reagiert mit Überraschung. Wie blauäugig ist man denn? In der Wirtschaft wird mit anderen Waffen gekämpft! In diesem Fall hätte man der BASF den kleinen Finger gereicht – und diese hätte sich gleich die ganze Hand geschnappt. Außerdem hätte die BASF einen hohen Millionenbetrag für die Sanierung ihres Areals gespart. Ich habe den Eindruck, dass Bürgermeister Lutz dabei ist, einen zukunftsweisenden Weg einzuschlagen – die Mehrheit der Bevölkerung hätte er hinter sich. Gabriele Tuchscherer spricht in ihrem wunderbar satirischen Leserbrief von "SOS – Stadt Ohne Sondermüll". Man könnte dieses SOS auch als "Save Our Souls" verstehen: "Rettet unsere Seelen!"
Christine Rasenberger, Grenzach-Wyhlen