Leserbriefe

Thomas Dix, Grenzach-Wyhlen

Von Thomas Dix & Grenzach-Wyhlen

Di, 05. November 2013

Grenzach-Wyhlen

KESSLERGRUBE
Wo bleiben die Menschen?
Zur laufenden BZ-Berichterstattung
Ich erinnere mich gut, was zu meinen Ferienjobzeiten bei Ciba-Geigy auf dem Firmenschild gegenüber der Pforte gestanden hat: "Ciba-Geigy – im Mittelpunkt der Mensch", daneben prangten drei farbige Schmetterlinge. Betrachtet man die derzeitigen Geschehnisse rund um das heutige, nun BASF gehörende Areal, kommen einem Zweifel an dieser Aussage: Nach massivem Stellenabbau in den vergangenen Jahren ist nun der Rückbau in vollem Gange – was wird als nächstes kommen?

Und als ob diese, passenderweise als "BASF light" zu bezeichnende Situation nicht schon dramatisch genug wäre, will uns BASF nun auch noch mit einer "Sanierung light" beglücken – in Form einer geplanten Umspundung ihres Teiles der Kesslergrube. Mag sein, dass diese im Bundesbodenschutzgesetz als Sicherungsmaßnahme eingestufte Einkapselung gesetzeskonform und daher auch genehmigungsfähig ist. Aber wo bleiben die Menschen, die auf Generationen weiterhin direkt neben einem, nur durch das Bahngleis getrennten und im Vorfeld nicht ausreichend gründlich untersuchten Schad- und Giftstoffcocktail leben müssen und wo bleibt die Nachhaltigkeit, speziell im Hinblick auf die Generationengerechtigkeit und Enkeltauglichkeit dieser eher als Scheinsanierung zu bezeichnenden Sicherungsmaßnahme?

Zur Bedeutung von Nachhaltigkeit sagt die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung folgendes: Jede Generation muss ihre Aufgaben lösen und darf sie nicht den nachkommenden Generationen aufbürden.

In meinen Augen besteht die Nachhaltigkeit lediglich darin, dass die Schad- und Giftstoffe nachhaltig (das heißt für immer) eingekapselt im Boden bleiben werden und von BASF permanent überwacht und kontrolliert werden müssen. Ob BASF dieser Verpflichtung jedoch auf die gesamte Dauer (und nicht nur die nächsten 50 oder vielleicht auch 100 Jahre) nachkommen wird – dafür gibt es von Seiten BASF weder Garantien noch konkrete Aussagen, genauso wie zur Frage der Zukunft ihres Standorts Grenzach.

Fast noch bedenklicher erscheint es allerdings, dass BASF durch die geplante Umspundung einen offenen und nachhaltigen Entwicklungsprozess auch verhindert, wie er in der 2012 vom ETH Studio Basel herausgegebenen Studie "Grenzach-Wyhlen – Wohnen am Wasser" ebenfalls gefordert wird.

Thomas Dix, Grenzach-Wyhlen