Leserbriefe

Dr. Gabriele Tuchscherer, Grenzach-Wyhlen

Von Dr. Gabriele Tuchscherer & Grenzach-Wyhlen

Di, 05. Februar 2013

Grenzach-Wyhlen

ZIMMERMANN/BASF
Neues Logo der Gemeinde
Ein Blick in die Zukunft, auf die Agenda 2020, wirft eine Leserin
Wir schreiben das Jahr 2020...die anno 2013 beschlossenen Ziele der Gemeinde Grenzach-Wyhlen ("Agenda 2020") sind in vollem Umfang erreicht worden: Nach der Verlagerung der Produktionsstätte ins Ausland hat nun auch die letzte produzierende chemische Industrie vor Ort 680 Mitarbeiter entlassen, so dass seit Beschluss der "Agenda 2020" insgesamt 800 Arbeitsplätze verlorengegangen sind – wie zum Neujahr 2013 mit Weitblick prognostiziert.

Im Gegensatz dazu hat die damals neu angesiedelte Firma Zimmermann ihre beantragten Kapazitäten voll ausgeschöpft: Derzeit werden jährlich 140 000 Tonnen (etwa 700 Tonnen/Tag) belasteter Stoffe durch den firmeneigenen, laufend modernisierten Lkw-Park aus allen Regionen Deutschlands nach Grenzach-Wyhlen gebracht. Die Mitarbeiterzahl konnte somit auf die projektierte Zahl von 50 Arbeitsplätzen – überwiegend "rund um die Uhr" einsatzbereiter Lkw-Fahrer – erhöht werden. Wie die Firmenleitung mitteilte, befindet sich im Zuge der Übernahme freiwerdender Gebäude sowie zusätzlicher Sondermüllimporte aus dem nahen Ausland bereits ein Änderungsantrag zur Erweiterung der Giftstoffpalette beim Regierungspräsidium. Bei der zu erwartenden Genehmigung werden perspektivisch noch einmal bis zu fünf Arbeitsplätze und eine Ausbildungsstelle geschaffen.

Die seit Jahren von einer Bürgerinitiative geforderte Sanierung des Areals als Voraussetzung für eine zukunftsorientierte, dem Strukturwandel gerecht werdende Neugestaltung der Region wird somit erst in "Agenda 2050" (Ablauf des Pachtvertrages der Firma Zimmermann) den Bürgern neu zur Diskussion gestellt.

Ein Fraktionssprecher ließ verlauten, eine solche Entwicklung sei von niemandem vorhersehbar gewesen. Sie sei vom Sozialverhalten der Firmen her betrachtet zwar bedauerlich, erfreulich sei aber, dass der Industriestandort erhalten werden konnte und das neue Logo der Gemeinde als "Müllhalde am Dreiländereck" weit über die Landesgrenzen hinaus zum Begriff geworden ist.
...zurück zum Jahr 2013: "SOS – Stadt Ohne Sondermüll!" – Das sind wir unseren Kindern schuldig.
Dr. Gabriele Tuchscherer, Grenzach-Wyhlen

Es ist höchste Zeit, Strategie zu überdenken
Zum Interview mit BASF-Geschäftsführer Bernd Brian "Müssten Strategie neu überdenken", BZ vom 2. Februar

Die Botschaft hör ich wohl, und ich habe sie verstanden: Bernd Brian, Geschäftsführer der BASF, hat der Bevölkerung übermittelt, dass es diese Firma in einigen Jahren nicht mehr am Standort Grenzach geben wird. Wie sonst ist seine Aussage " die Strategie für Grenzach neu zu überdenken", zu verstehen? Es ist höchste Zeit, dass die Gemeinderäte – außer den Grünen und den Freien Wählern – auch ihre Strategie neu überdenken. Um mehr Zeit für die zukünftige Gestaltung zu gewinnen, brauchen wir eine Veränderungssperre auf das Areal. Diese Sperre kann weder das Landratsamt noch das Regierungspräsidium aussprechen, sondern nur der Gemeinderat. Danach müssen die Altlasten beseitigt werden, sie dürfen nicht in einen Dornröschen-Schlaf fallen. Die künftigen Generationen werden uns nicht daran messen, ob wir ein neues Rathaus gebaut haben, sondern daran, wie wir mit unseren Altlasten umgegangen sind. Vielleicht werden dann unsere Nachkommen in 150 Jahren ehrfürchtig sagen: "Die haben sich damals Mühe gegeben." Elke Habel, Grenzach-Wyhlen