Leserbriefe

Dr. med. Markus John, Grenzach-Wyhlen

Von Dr. med. Markus John & Grenzach-Wyhlen

Do, 12. Dezember 2013

Grenzach-Wyhlen

KESSLERGRUBE
Therapie für die Grube: Der Eiter muss raus!
Es bewegt sich etwas bei der BASF. Die Ankündigung, neue Produktionslinien nach Grenzach zu holen, ist ein positives Zeichen. Sicher, die Investitionssumme über 4-5 Jahre ist relativ gering, und den bereits Entlassenen nützt es nichts. Aber für die derzeit noch Beschäftigten ist es eine gute Nachricht. "BASF bekennt sich zu Südbaden" war zu lesen. So richtig glauben wird man die Trendwende aber wohl erst, wenn auf Taten nochmal Taten folgen und wenn die Beschäftigten-Kurve wieder nach oben zeigt. Schwer zu sagen, ob die Ankündigung etwas mit dem öffentlichen Druck zu tun hat, der im Zusammenhang mit den massiven Entlassungen, der Zimmermann-Diskussion und der geforderten generationen-gerechten Sanierung der Kesslergrube aufgebaut wurde. Hoffentlich ist es also keine temporäre, taktische Maßnahme, um die eigene Außenwirkung wieder etwas aufzupolieren. Vielleicht hat ja ein Umdenken im Konzern eingesetzt. Das Know-how der Belegschaft wird womöglich wieder geschätzt, die unterstellte Industriefeindlichkeit der Bevölkerung scheint es gar nicht zu geben. Die BASF, "geadelt" durch Preise für nachhaltige Entwicklung, nachzulesen auf ihrer Homepage, beteiligt sich an einem Nachhaltigkeitsgutachten zur Kesslergrubensanierung – Adel verpflichtet. Die Kommunikation wird auf einmal transparenter, man hielt sogar letzte Woche mit Vertretern der Bürgerinitiative einen spontanen Schwatz. Noch beharrt man allerdings darauf, dass eine Einkapselung der Altlast eine genehmigungsfähige und damit legitime und sinnvolle Variante sei. Dieses eitrige Geschwür am Bein der BASF namens Kesslergrube möchte man am liebsten zupflastern. Doch das zentrale Nervensystem der BASF in Ludwigshafen scheint so langsam dieses juckende Übel ernst zunehmen. Seit der Antike weiß man, Eiter muss eigentlich raus, sonst gibt es einen abgekapselten Abszess mit unberechenbaren Spätfolgen. Leider hat das autonome oder reflexhafte Nervensystem der BASF bei der Entscheidung zwischen den zwei mutmaßlich genehmigungsfähigen Sanierungsmethoden der Kesslergrube in seiner sturen Vorfestlegung auf die günstige Einkapselung weiterhin die Oberhand. Die beeindruckende Geschlossenheit der Gemeinde in dieser Sache – quer durch Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft – hin zu einer endgültigen Lösung, sollte ihr aber ein wichtiges Entscheidungssignal sein, sollte dazu führen über den eigenen Schatten zu springen und umzudenken. Gebraucht wird hier der Teil des Konzern-Gehirns, der mit allen Sinnen Funktionen steuert, die der aktiven Beziehung zur Außenwelt dienen. Die Entscheidung zwischen Totalaushub oder Einkapselung wäre somit eigentlich einfach, denn sie ist nicht nur eine Wahl zwischen Preis-wert und billig, zwischen wirklicher Lösung und Flickschusterei, sondern auch eine Wahl zwischen Fairness gegenüber der Gemeinde und Selbstgerechtigkeit, zwischen Richtig und Falsch.
Dr. med. Markus John, Grenzach-Wyhlen

DIEBSTAHL
Alternative Adventsgedanken
Opfer eines Diebes wurde eine Frau – auf dem eigenen Grundstück.
Man sollte eigentlich meinen, dass die Menschen in der Vorweihnachtszeit ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln- einer in meinem Wohnort Grenzach-Wyhlen hat das aber jedenfalls am zweiten Advent bestimmt nicht getan. Am Nachmittag kam ich mit dem Auto heim und habe allerlei Dinge zu schleppen gehabt und dabei auf dem Weg zwischen Garage und Haus wohl meine Jutetasche unbemerkt fallen lassen. Darin war ein weiterer kleiner Jutebeutel mit Handy und Geldbeutel und der war aus Weihnachtsgründen und wegen Geschenkeplänen entsprechend gut gefüllt. Als ich das Fehlen der Tasche bemerkte, habe ich erst im Haus vergeblich danach gesucht und mich dann in Richtung Garage aufgemacht, um zu schauen, ob ich die Tasche im Auto vergessen hatte.. So eine große rote Jutetasche löst sich ja schließlich nicht in Luft auf oder wird unsichtbar. Irgendwo musste sie ja stecken. Aber auch im Auto war sie nicht. Sie lag stattdessen gut beiseitegelegt in einer dunklen Ecke neben dem Gartenzaun an einer Stelle, an der ich gar nicht direkt vorbeigekommen war. Merkwürdig. Dennoch erst einmal innerer Jubel- gefunden! Beutel auf: Handy drin, Geldbeutel nicht. Der lag aber wundersamer Weise unter den beiden Jutebeuteln. Aufatmen und nachschauen: Alle Scheine weg, sonst alles noch drin. Wenigstens das, aber eine Menge Geld weg. Und das unmittelbar vor dem eigenen Haus. Es hätte also jedem klar sein müssen, wohin die Tasche und ihr Inhalt gehören. Außerdem stand es ja auf den diversen Ausweisen und Karten sogar noch drauf. Man kann sich also nicht herausreden- nein, ich meine, das Geld rauszunehmen ist nichts anderes als schlicht und ergreifend ein Diebstahl- egal wie man das in so einer Faktenkonstellation juristisch benennen mag. Das auch noch am zweiten Advent zu tun, ist eine ganz besonders verwerfliche Geschmacklosigkeit. Und man kann sich vorstellen, dass jemand anders, dessen Weihnachtsgeschenk jetzt nicht gekauft werden kann, Leidtragender sein wird, denn ich habe weder einen Goldesel noch eine Gelddruckerei daheim. Was fehlt, ist eben nun ersatzlos weg. Vielleicht fällt auch dem Dieb selbst auf, dass er hier ein absolutes No go begangen hat und sein Gewissen meldet sich noch. Immerhin haben wir ja Adventszeit. Da gebe ich mich schon mal hoffnungsvollen Gedanken hin. Vielleicht überfällt den Dieb ja Reue. Vielleicht finde ich mein Geld demnächst sogar in meinem Briefkasten wieder. Und falls nicht: Ich wünsche allen eine schöne und friedliche Adventszeit. Allen, außer dem Dieb. Dem wünsche ich, dass er wenig Freude an seinem Diebstahl haben wird. Irgendwie kommt im Leben alles einmal wieder zurück. Advent bedeutet, dass etwas oder jemand kommt. In diesem Fall bin ich sicher, es kommt auch die ausgleichende Gerechtigkeit. Adventus justitiae.

Marion Stüber, Grenzach-Wyhlen