Leserbriefe

Markus John, Grenzach-Wyhlen

Von Markus John & Grenzach-Wyhlen

Sa, 28. Juli 2012

Grenzach-Wyhlen

ZIMMERMANN-ANSIEDLUNG
"In Grenzach stinkt es schon jetzt oft genug"
Zum Artikel "Mehr als 38 Lkw sollen es nicht sein" über die Ansiedlung des Unternehmens Zimmermann-Gruppe auf dem BASF-Areal erreichte uns dieser Leserbrief:
"Blassgrünes Licht" kommt auf Grenzach zu, und mit ihm ein neues Wahrzeichen unserer Skyline. Was den Londonern die neue Hochhaus-Scherbe von Renzo Piano, ist den Grenzach-Wyhlenern bald ein 40-Meter-Schornstein des Gefahrstoffentsorgers Zimmermann Gruppe: "schick, schön, farbig gut gestaltet". Fast wären wir damit überrascht worden, wäre da nicht deren transparente Informationspolitik. Na dann, utopische alternative Ansiedlungsphantasien wurden als solche erkannt und abgetan, stattdessen sind nun bald Fakten da: circa 38 Lkw pro Tag, einige Dutzend Arbeitsplätze, ein vielleicht Stadtbild-prägender Schornstein, bis zu 60 000 Tonnen Flüssig- und 80 000 Tonnen Feststoffe zur Weiterverarbeitung.

Erinnern wir uns an dieser Stelle an den Massenerhaltungssatz im Bereich der Chemie, der besagt, dass sich bei chemischen Reaktionen die Masse nicht spürbar ändert, oder anders: Die Masse der Edukte ist immer gleich wie die der Produkte. Genau hier kommt unser mögliches neues Wahrzeichen ins Spiel mit thermischer Verarbeitung der Gefahrstoffe. Denn auch hier gilt der Massenerhaltungssatz, weil das Zeug nicht einfach verschwindet, es kommt in die Atemluft. Schadstoffe werden dann in "mg pro Kubikmeter Atemluft" gemessen. Dafür gibt es Grenzwerte. Seltsam nur dass Allergien und Atemwegserkrankungen zunehmen, obwohl es Menschen, Tiere und Pflanzen zusammen schon länger als alle Grenzwerte gibt. Was mich persönlich ebenso interessiert, ist wie viel Gramm oder Kilo Schwermetalle oder sonstige Giftstoffe sich übers Jahr nun zusätzlich über Grenzach-Wyhlen verteilen werden. Zwar macht die Dosis das Gift, aber wohl kann uns aus genannten Gründen trotzdem nicht sein, wir verstehen die langfristigen Folgen nur unzureichend. In Grenzach stinkt es jedenfalls schon jetzt oft genug trotz mutmaßlicher Einhaltung aller Grenzwerte durch die bereits ansässige Industrie. Informativ – und nicht beruhigend – ist in diesem Zusammenhang auch die Information über den Betrieb des Klärschlammverbrennungsofens der BASF in Grenzach genannt. Von einzelnen Überschreitungen bei hoch-neurotoxischem Quecksilber ist hier unter anderem die Rede, aufgrund unerwarteter Schlammzusammensetzung. Bleibt zu hoffen dass die Firma Zimmermann nicht auch immer mal von der Zusammensetzung ihrer Abfälle überrascht wird. Nun, vielleicht könnten sie ja wenigstens statt eines neuen Schornsteins den Ofen der BASF gemeinsam nutzen und so weitere Ressourcen und Erfahrungen teilen.
Im Moment bleibt also wohl nur eins, nochmal tief durchatmen, nochmal die alte Aussicht aufnehmen, und sich dann – irgendwie verordnet – freuen auf die Firma Zimmermann Dienstleistungen – Gefahrstoffentsorger. Angemerkt sei jedoch, dass manchmal aus Bürgersicht das Leben mit Utopien besser ist als mit ungewünschten Fakten. Was bleibt ist der Eindruck, dass auch in diesem Fall für das angebliche Gemeinwohl nur nach der uralten Devise priorisiert wurde: pecunia non olet – Geld stinkt nicht.

Markus John, Grenzach-Wyhlen