Leserbriefe

Markus John, Grenzach-Wyhlen

Von Markus John & Grenzach-Wyhlen

Mo, 23. Juni 2014

Grenzach-Wyhlen

KESSLERGRUBE
"Nimmt ein Unkulturerbe in Kauf"
Zur Stellungnahme des Umweltministers Franz Untersteller
Jetzt haben wir es also höchst ministerlich, zwar wird die ordnungsrechtliche Durchsetzung eines Totalaushubs nicht kategorisch ausgeschlossen, aber darauf hinwirken möchte man eher nicht. Zu groß ist wohl die Gefahr für die Politik hier einen Präzedenzfall zu schaffen. Dabei sehen wir die Kesslergrube nicht als Präzedenz- sondern als Sonderfall. Während die Intention der Nachhaltigkeit, geerbte Giftdeponien nicht auf zukünftige Generationen zu verlagern, anerkannt wird, so wird doch eingeschränkt, dass das Ziel aus finanziellen und technischen Gründen innerhalb einer Generation nicht vollständig realisierbar sei. Wurde der Minister hier richtig informiert? Die Frage ist nicht, ob ein bis zwei Generationen damit beschäftigt sein werden das Problem zu lösen, sondern 500 Generationen es zu verwalten. Man nimmt es anscheinend lieber in Kauf, hier gewissermaßen ein Unesco-"Weltunkulturerbe" zu errichten. Offensichtlich werden die "erheblichen Nachteile" einer Sicherung vs. richtigen Sanierung, das heißt Abwertung der Gemeinde, Ausfall der Wertschöpfungsflächen oder die erheblichen Belästigungen für den Einzelnen oder die Allgemeinheit, stur ignoriert. Wo ist eigentlich ein Gutachten oder eine Umfrage, dass diese bleibenden Nachteile und Belästigungen für die Grenzach-Wyhlener dokumentiert? Wie will das Landratsamt ohne deren Kenntnis eine rechtliche Abwägung eigentlich vornehmen? Klar ist, die konsequente Sanierung der Kesslergrube ist für die Beteiligten lediglich eine Frage des Willens, nicht des Könnens. Und wenn wir hier aber nicht aufpassen, dann wird diese spezielle Giftgrube irgendwann zu einem fast genauso großen Risiko für den baden-württembergischen Haushalt wie das EnBW-Debakel der Ära Mappus. Nur, dass dann andere Namen mit unserem Debakel assoziiert sein werden. Die Grenzach-Wyhlener jedenfalls leben schon seit 40 Jahren neben dieser ökologischen Schande – genug ist genug.

Markus John, Grenzach-Wyhlen