Leserbriefe

Michael Faulhaber, Grenzach-Wyhlen

Von Michael Faulhaber & Grenzach-Wyhlen

Sa, 13. Dezember 2014

Grenzach-Wyhlen

KESSLERGRUBE
"Ein Weltkonzern, der hat was"
Ein Leserbrief erreichte uns zum Artikel "Schüler: BASF beeindruckt", der in der Ausgabe vom 9. Dezember erschienen ist:
Hiesige Gymnasiasten machten einen BASF-Werksbesuch in Ludwigshafen und die BZ schreibt, wie beeindruckt sie waren, und erstaunt, dass die dort die Energie zu 85 Prozent selber machen.

Konzerne im Energiesektor schreiben gern Power Generation auf ihre Fahnen. Doch jedem Schüler, selbst mit durchschnittlichem Physiklehrer, ist klar, Energie kann man nicht erzeugen, nur wandeln. Kann man Energie selber machen? Auch nicht.

Was heißt dann "85 Prozent des Energiebedarfs decken wir selber?" Das liest sich toll, riecht nach Umweltschutz, ist ganz Grün. Ist es nicht, es besagt nur, die drei werkseigenen Kraftwerke sind 15 Prozent zu klein. Aber "zu klein" passt nicht zu BASF. Passt schon: Die kleine Lösung passt der BASF dann, wenn der Image-Schaden begrenzt ist. So bleibt uns der Dreck in der Kesslergrube, umspundet und verdeckelt, für Generationen. Das sei so nachhaltig wie das Gesetz es will. Obwohl ein Gutachter die Komplettsanierung gesamt für nachhaltiger hält. Dem hat BASF verboten, darüber öffentlich zu sprechen, man will die Deutungshoheit behalten.

Warum wusste der vormalige Bürgermeister schon früh, eine Sanierung wie mit dem ehemaligen Lonza-Gelände in Waldshut, das ginge hier nicht, weil Grenzach sei "kein Unterzentrum", zu randständig. Und der Gemeinderat kann nichts machen, die ganzen Themen sind schon von der BI besetzt. Ein Narr, der Lösungen erwartet hätte.

Seit der Katastrophe bei Sandoz in Schweizerhalle kennt man auch hier den Begriff "Risikogesellschaft". Das könnten engagierte Lehrer auch zum Thema machen, nicht nur für Gymnasiasten im Chemiekurs. Damit ihre Schüler eigenständiges Denken lernen, damit sie in einer globalisierten Welt klar sehen: Ein Weltkonzern, der hat was – der hat da was vergessen!
Michael Faulhaber, Grenzach-Wyhlen"Schwarzer Tag"
Zu allgemeinen Berichterstattung über das Thema Kesslergrubensanierung erreichte uns dieser Leserbrief:
Der Stellungnahme der Basler Regierung zur Einkapselung der Kesslergrube kann man entnehmen, dass eine derartige Einkapselung in der Schweiz nicht zulässig sei, weil sie nicht nachhaltig ist. Toll für die Schweizer !

Aber was nicht nur bei unseren Nachbarn, sondern in einem solchen Sanierungsfall generell einfach richtig ist, muss bei uns noch lange nicht wahr sein. Die Scheidelinie zwischen Richtigkeit und Vernunft auf der einen und der frustrierenden Realität und Verantwortungslosigkeit auf der anderen Seite verläuft mitten auf der Grenze und das in einer gemeinsamen trinationalen Region.

Dreifaches Pech für die Bürgerinnen und Bürger von Grenzach-Wyhlen, dass wir mit unseren Chemiemüllgruben offensichtlich auf der falschen Seite der Grenze leben, Roche leider keinen größeren Anteil am Gelände der Kesslergrube hat und das Landratsamt Lörrach für uns zuständig ist. Der Tag der Genehmigung der Einkapselung durch das Landratsamt ist ein Freudentag für die Verantwortlichen der BASF, er wird aber als rabenschwarzer Tag in die Annalen von Grenzach-Wyhlen eingehen.

Wenn man die unglaubwürdige, nicht zielführende "Sanierungspolitik" des BASF-Managements und die Zumutungen und Provokationen (Sofortvollzug und anderes) der Umweltabteilung einer staatlichen Behörde bedenkt, dann muss man sich zwei Fragen stellen: Weshalb gewichtet das Landratsamt die Interessen eines milliardenschweren Konzerns stärker als das Wohl der Bürger und zukünftiger Generationen? Und welches Datum wird als nächstes ein schwarzer Tag für die Kommune werden?