Leserbriefe

Markus John, Grenzach-Wyhlen

Von Markus John & Grenzach-Wyhlen

Fr, 08. Juli 2011

Grenzach-Wyhlen

BASF-AREAL
Grenzach-Wyhlen – quo vadis?
Zur Absicht der Ansiedlung eines Chemierecycling-Unternehmens auf dem BASF Areal erreichte uns dieser Leserbrief:
Die BASF konsolidiert ihr Geschäft und zieht sich stückweise aus Grenzach zurück. Ihr 40 Hektar Industrie-Areal in bester Orts-Lage, gut angebunden, erschlossen und mit passender Infrastruktur ließe sich prima versilbern. Die Firma Zimmermann, ein seriös auftretendes Unternehmen in der Schadstoff-Branche, ein sogenannter Dienstleister, hätte Interesse. 140 000 Tonnen (entspricht 3500 40-Tonner-LKW pro Jahr) Flüssig-Schadstoffe und eine ungenannte Menge Festschadstoffe sollen weiterverarbeitet werden.

Nach der Verarbeitung ist die Menge kleiner, der Rhein soll Abwasser aufnehmen, dessen Inhaltsstoffe unter den Grenzwerten liegt, der Rest wird wieder abtransportiert, vielleicht ein Drittel bis die Hälfte des ursprünglichen Volumens. Mittelfristig soll die Bahn einen Teil des Transports übernehmen. Sicher muss dieser Wohlstandsmüll irgendwo entsorgt werden, warum also nicht in Grenzach, wo es so bequem wäre? Aber wo entsteht der Abfall, macht es Sinn ihn womöglich durch die halbe Republik zu fahren?

Der Vorteil und die Interessen des Unternehmens und der BASF sind klar – sind es die Risiken und Nachteile für die Gemeinde auch? 99 Prozent der Anwohner haben jedenfalls keinen Vorteil, aber handfeste Nachteile. Die 20 bis 30 Lkw pro Tag oder die quietschenden Bremsen der Güterwagons wären vielleicht noch zu verkraften. Wie sieht es aber mit den Schadstoffen aus, was wird in die Luft geblasen – natürlich alles innerhalb der Grenzwerte, welche Gefahrstoffe werden konkret verarbeitet? Was wäre der größte anzunehmende Unfall eines solchen Unternehmens? Was, wenn die Logistikkette versagt und plötzlich temporäre Zwischenlager entstehen? Wie steht es um die Erdbebensicherheit der Anlagen? Zieht das andere Dienstleister aus der Recyclingbranche nach? Hatten wir uns nicht gerade über einen Schrottplatz anderswo aufgeregt? Kann Grenzach-Wyhlen kontrollieren was sich ansiedelt? Entsteht ein Image-Schaden?

Die Gemeinde hat hier eine Riesenchance über die Planungshoheit gestalterisch tätig zu werden. Der angebliche Bedarf nach Wohnungen einer visionären Lagune ließe sich im westlichen Teil des BASF-Geländes vielleicht alternativ befriedigen, im Ort räumlich und gesellschaftlich integriert und nicht als zusätzliche Patchwork-Siedlung. Betriebe mit besserer gesellschaftlicher Akzeptanz könnten sich ansiedeln, etwa aus dem Life-Science- oder Erneuerbare-Energien-Bereich. In der Sitzung des Technischen Ausschusses am Dienstag hatte man den Eindruck, dass sich der Gemeinderat seiner Verantwortung bewusst ist. Und die Firma Zimmermann? Sicher lässt sich auf einer grünen Wiese eine Alternative finden. Die 15 bis 40 Arbeitsplätze entstünden anderswo. Und die BASF? Die handelt in Grenzach erfolgreich im Sinne ihrer Investoren. Bleibt zu hoffen, dass sie die Grenzacher Gastfreundschaft und Toleranz nicht vergisst und den Bewohnern ein saniertes Gelände sukzessive hinter- und vielleicht überlässt. Beispiele sozialer Verantwortung und moralischen Umgangs machen sich prima im Jahresbericht. Markus John, Grenzach-Wyhlen