Leserbriefe

Christine Rasenberger, Grenzach-Wyhlen

Von Christine Rasenberger & Grenzach-Wyhlen

Fr, 16. August 2013

Grenzach-Wyhlen

KESSLERGRUBE
"Aus dem Areal ein Vorzeigeobjekt machen"
Zu dem Text "Die Einkapselung bleibt erste Wahl" vom 10. August erreichte uns dieser Leserbrief:
Es ist wichtig, das Sozialverhalten der einst hoch geschätzten Firma BASF zu bewerten. Man kauft einen Konkurrenten, die CIBA, verlagert attraktive Produktklassen bevorzugt nach China und vernichtet Hunderte von Arbeitsplätzen. Wie lange gibt es die BASF in Grenzach-Wyhlen noch? Der heutige Zustand dürfte wirtschaftlich kaum auf lange Zeit tragbar sein. Eine Standortfrage aus Pflichtgefühl heraus passt in der heutigen Zeit nicht in das Portfolio eines Großkonzerns. Es wird mit sehr spitzer Feder gerechnet – ist diese Feder zu spitz für Grenzach-Wyhlen?

So gesehen dient die geplante Einspundung bevorzugt der Verlustminimierung. Der soziale Druck auf die verbliebenen Mitarbeiter wächst täglich, Ludwigshafen ist weit genug weg vom Geschehen. Bekanntermaßen verdienen die Manager vergleichbarer Großkonzerne mit jeder Million, die sie einsparen, ordentlich mit.

Doch nun zur Zukunft, die leider mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne Chemieproduktion stattfindet. Es ist schlichtweg nicht vorstellbar, dass Investoren attraktiver Geschäftsfelder bereit sind, ihre Zukunftsprojekte auf eingespundeten Chemieabfällen zu planen, wenn 100 Meter nebenan ein total saniertes Gelände zu haben ist. Das bedeutet im Klartext, das BASF-Gelände hat beste Chancen eine Industriebrache zu werden. Wollen wir dies wirklich?

Das Know-how der Menschen in der Region ist vorhanden. Sollten wir dieses Wissen nicht nutzen, um innovative Projekte zu fördern? Verhindern wir diese Industriebrache und schaffen neue Arbeitsplätze! BASF, stehen Sie zu Ihrer gesellschaftlichen Verantwortung und tragen Sie zum Schutz der Umwelt bei, genau so, wie Sie es in Ihren Hochglanzbroschüren schreiben – lassen Sie uns gemeinsam aus Ihrem Areal ein Vorzeigeprojekt machen.
Christine Rasenberger, Grenzach-Wyhlen

"Die BASF ist dann längst weg"
Zum gleichen Text kam auch dieser Leserbrief:
Das Gefühl des BASF-Schweiz-Sanierungschefs Günter Fritz, "als jemand hingestellt zu werden, der nur aufs Geld schaut und nicht die nachhaltige Lösung sucht", teile ich voll und ganz. Genau da liegt der Hund begraben: BASF will billig sanieren, Roche schaut nicht aufs Geld. Dieser Firma sind Menschen und Umwelt wichtig, deshalb ist sie zu einer völlig anderen Sanierungslösung für ein und dieselbe Grube gekommen. Dabei hat der Gemeinderat der BASF den Weg frei gemacht für eine Totalsanierung à la Roche: Er hat durch die Veränderungssperre die Firma Zimmermann abgewendet und beschlossen, für die von der Gemeinde und Firmen benutzte Kläranlage eine andere Lösung zu suchen. Bei einer Billigsanierung des Anteils der BASF an der Kesslergrube wäre jeder Cent hinausgeworfenes Geld: Die Gesteinsschicht am Rheinufer, in die eine Betonmauer getrieben werden soll, besteht aus Muschelkalk. Dieser ist reich an Grundwasser und zerklüftet. Es ist zweifelhaft, ob diese Spundwand dicht sein würde und eine 100-prozentige Grundwasserkontrolle über Pumpen 100 Jahre lang (!) gewährleistet werden kann. Zu diesem Übel kommt noch ein weiteres: Beton korrodiert. Dieses Problem zeigt sich bei Autobahnbrücken, die nicht vor 100, sondern vor nur 30 bis 40 Jahren gebaut wurden und ständig reparaturbedürftig sind. Wie sollen denn die zu erwartenden Betonschäden in 20 bis 30 Metern Tiefe im Boden erkannt werden? Wenn die Umspundung ihre Lebenserwartung überschritten hat und die für die Sanierung Verantwortlichen längst unter dem Boden liegen, liegt der Chemiemüll immer noch in der Kesslergrube. Wird dann eine neue Dichtwand gebaut und nach 100 Jahren nochmals eine? Die BASF ist dann längst weg. Wie lange dauert es denn noch, bis sich die BASF ihrer Verantwortung stellt?
Elke Habel, Grenzach-Wyhlen