Leserbriefe

Marianne Müller, Grenzach-Wyhlen

Von Marianne Müller & Grenzach-Wyhlen

Di, 19. März 2013

Grenzach-Wyhlen

VERÄNDERUNGSSPERRE
Das völlig falsche Signal
Ein Leserbrief erreichte uns zum Artikel "Die Veränderungssperre rückt näher" vom 14. März:
Nun muss ich mal meine Enttäuschung über die Aussagen von Bürgermeister Lutz und dem Verhalten einiger Aktivisten der BI äußern: Die Aussage des Bürgermeisters, dass er eine Veränderungssperre für das DSM-Gelände aus Angst um 600 Arbeitsplätze nicht befürwortet, finde ich sehr gut, aber ich bin auch enttäuscht, weil die 200 Arbeitsplätze bei der BASF allem Anschein nach kein Gesicht mehr haben. Hier geht es auch um Familien und Existenzen. Aus meiner Sicht sind diese 200 Arbeitsplätze mit einer Veränderungssperre eher bedroht, als wenn die BASF sich kostensenkend für die Zukunft ohne Veränderungssperre positionieren könnte.

Eine Veränderungssperre halte ich für das völlig falsche Signal. Die Gemeinde kann planen, so viel sie will, eine Bebauung ist immer nur mit Zustimmung des Eigentümers möglich. Was nützt es, wenn man den Eigentümer, von dem man Grundstücke mieten will, vergrault? Es wäre doch besser und zukunftsweisender, wenn man eine Firma Zimmermann mit Auflagen und vielen Kontrollen auf dem BASF Gelände zulässt.

Ich kann dem Gemeinderat nur empfehlen, eine geheime Abstimmung durchzuführen. Normalerweise bin ich dafür, sich zu dem, was man sagt, auch öffentlich zu stellen. Leider ist dies durch die Vorkommnisse der letzten Tage (Verkratzen von Autos, Drohbriefe, Aufwiegeln von Kindern, Beschimpfungen etc.) nicht mehr möglich. Die Bedrohungen machen ja leider auch vor den Mitgliedern des Gemeinderates nicht halt. Hier wird mit Boykott der Geschäfte, nicht wieder wählen der Räte etc. gedroht. Demokratisches Verhalten sieht für mich anders aus. Vor allem der "unfassbare" Flyer hat dazu geführt, dass die Diskussionen die sachliche Ebene verlassen haben. Dieser war für mich Verdrehen von Tatsachen und Panikmache.
Marianne Müller, Grenzach-Wyhlen

Wir sind im Jahr 2020
Eine Leserin überlegt, wie man in sieben Jahren über die heutige Entscheidung des Gemeinderats denken wird:
Wir sind im Jahr 2020... "Nach Erscheinen des eintausendsten Beitrages zum Thema "Zukunft des Industrie-Standorts Grenzach-Wyhlen" in unserem Internetforum (http://www.forum-grenzach-wyhlen.de sei ein kurzer Blick zurück auf das Gründungsjahr 2013 erlaubt. Zur Erinnerung: Der Einstieg in diese neue Plattform des öffentlichen Meinungsaustausches wurde durch die damals heftig umstrittene Ansiedlung eines Sondermüll-Entsorgers auf dem BASF-Gelände lanciert. Die Befürworter befürchteten mehrheitlich den Verlust von Arbeitsplätzen, während die Gegner in einer Ansiedlung den ersten Schritt hin zu einem "Sondermüll-Zentrum am Dreiländereck" sahen. Beide Lager erschreckten dabei die friedlich dahin lebende Bürgerschaft mit "Angst-Szenarien": Während das Pro-Lager bei Infragestellung des Industrie-Standorts eine "Endzeit-Stimmung" für das Leben in unserer Gemeinde ausmalte, stellte das Contra-Lager die langfristigen Konsequenzen einer herannahenden "Giftmüll-Karawane" in den Vordergrund.

Obwohl aus heutiger Sicht kaum nachvollziehbar, war diese emotionale Auseinandersetzung die Geburtsstunde einer positiven "Streit-Kultur", bei der der mündige und interessierte Bürger die Entscheidungsprozesse der Gemeindepolitik kritisch begleitet. Die für alle Bürger und Entscheidungsträger nützlichen "Lehrjahre" des respektvollen gegenseitigen Umgangs haben dazu geführt, dass wir heute, im Jahre 2020, Probleme durch sachlichen Austausch von Argumenten angehen und den eigenen Standpunkt immer wieder neu hinterfragen. Der sich in den vergangenen Jahren immer deutlicher abzeichnende Strukturwandel erfordert jetzt den Entwurf innovativer Konzepte für die Zukunftsgestaltung unserer Region.

Der richtungsweisende Schritt unserer Entscheidungsträger im Jahre 2013 hat der Gemeinde alle Optionen offen gelassen, auf diese Herausforderungen flexibel und zum Wohle aller Beteiligten zu reagieren".
Dr. Gabriele Tuchscherer, Grenzach-Wyhlen