Leserbriefe

Markus John, Grenzach-Wyhlen

Von Markus John & Grenzach-Wyhlen

Do, 11. Juli 2013

Grenzach-Wyhlen

KESSLERGRUBE
Wir können nicht 500 Generationen beteiligen
Zur laufenden Berichterstattung zur Sanierung der Kesslergrube erreichte uns dieser Leserbrief:
Die Kesslergrube in Grenzach muss saniert werden. Ein toxischer Sud verschiedenster Gefahrstoffe industriellen Ursprungs verseucht das Grundwasser. Würde man nichts machen, würde das noch mehr als 13 000 Jahre so weiter gehen – dauerhaft. Das Gesetz sieht als Sanierungsmaßnahmen Dekontaminationsmaßnahmen vor, sowie Sicherungsmaßnahmen, wenn sie gewährleisten, dass durch die im Boden oder in Altlasten verbleibenden Schadstoffe dauerhaft keine Gefahren oder erheblichen Nachteile für die Allgemeinheit entstehen. Bei der Festlegung von Sanierungszielen sei eine Abwägung aller Umstände notwendig. Die Wirksamkeit von Sicherungsmaßnahmen ist dauerhaft zu überwachen.

Erinnern wir uns, dauerhaft sind in unserem Fall mindestens 13 000 Jahre. Die Firma Roche ergreift folgerichtig für ihren Teil der Kesslergrube die Dekontaminationsmaßnahme. Das ist teuer, aber dauerhaft, wie vom Gesetz gefordert. Gut so. Die BASF hingegen, nicht Schuld an der Misere, aber verantwortlich dafür, will sichern durch eine Einkapslung. Das ist vergleichsweise billig zu haben. Kein Mensch kann aber garantieren, dass eine menschengemachte Maßnahme 13 000 Jahre lang dauerhaft betrieben werden kann. Wir können doch nicht die kommenden 500 Generationen an diesem Problem beteiligen, oder spekuliert man darauf, dass unsere Enkel bessere Ideen zur Lösung dieses Problems entwickeln werden?

Die Totalsanierung ist gemessen an der unvorstellbaren Finanzkraft dieses Konzerns wirtschaftlich tragbar und verhältnismäßig, noch dazu wurden der BASF entsprechende Summen bei der Abwicklung der CIBA aus Rückstellungen mutmaßlich zweckgerichtet übergeben. Die Kläranlage auf ihrem Teil ist jedenfalls kein taktisches Hindernis mehr, Zimmermann kommt nicht, die Anlage wird in dieser Form nicht mehr gebraucht und sollte ersetzt werden. Klar ist: Bei der Berücksichtigung aller Umstände im Vergleich der Sanierungsvarianten war die relative Dauerhaftigkeit und die vergleichende Belastung kommender Generationen wohl kein Kriterium – warum? Wurden vergleichende Zukunftschancen für Areal, Gemeinde und Region nicht berücksichtigt – warum? Kein Mensch versteht, warum hier mit zweierlei Maß gemessen wird, warum nicht wie gefordert alle Umstände abgewogen worden sind. Die Genehmigung einer im direkten Vergleich nicht-dauerhaften Maßnahme, garantiert für weniger als 0,5 Prozent der benötigten Dauer, im Vergleich zur wirklich 100-prozentigen dauerhaften Totalsanierung durch die Roche auf derselben Altlast, erscheint nicht rechtmäßig und darf nicht passieren. Es wurde über 20 Jahre viel teure Analytik gemacht, in ganzheitliche und nachhaltige Betrachtungen wurde offensichtlich nichts investiert, obwohl in einem der Gutachten steht: "Das Schadstoffpotenzial der Kesslergrube ist so erheblich, dass es sich nicht in wenigen Generationen erschöpft."

Die spontane partizipatorische Demokratie im Ort, bewaffnet mit gesundem Menschenverstand, beginnt also, sich bei dieser Thematik einzumischen. Mit der Vision, Klassikanderswo im Jahr 2020 auf einem total-sanierten Kesslerareal durchzuführen und dort danach den Grundstein für einen künftigen Innovationsstandort zu legen.

Markus John, Grenzach-Wyhlen