Leserbriefe

Prof. Manfred Mutter, Grenzach-Wyhlen

Von Prof. Manfred Mutter & Grenzach-Wyhlen

Sa, 26. Oktober 2013

Grenzach-Wyhlen

KESSLERGRUBE
Bekenntnis zum Standort fehlt
Im Nachgang der Bürgerinformation zur Kesslergrube erreichte uns dieser Leserbrief:
Die Bürgerversammlung hat gezeigt, dass die BASF keine nachhaltige Sanierung will, sondern die gesetzlich zwar erlaubte, von Fachleuten jedoch umstrittene Variante einer Einkapselung des Areals bevorzugt. Da bei dieser Sicherungsmaßnahme die giftigen Stoffe über Hunderte von Jahren auf dem Gelände verbleiben, wird eine nachhaltige Sanierung (Totalaushub) auf kommende Generationen verschoben. Dies widerspricht der Definition des Begriffs "nachhaltig". Dass auf einem Areal mit vergleichbarer Giftstoffbelastung und geologischen Gegebenheiten zwei verschiedene Sanierungskonzepte zur Anwendung kommen sollen, stößt nicht auf Akzeptanz und bringt auch Fachexperten in Argumentationsnöte.

Wie neulich von Wirtschaftsminister Nils Schmid am "Runden Tisch" ausgeführt, besitzt Grenzach-Wyhlen durch die Lage am Dreiländer-Eck großes Zukunftspotenzial, das nur durch eine dem "Struktur- und Kulturwandel" gerecht werdende Neuorientierung ausgeschöpft werden kann. Eine Abwertung des Areals durch eine "Scheinsanierung" ist ein falsches Signal für die Entwicklung der Region. Wenn die lokalen Verantwortungsträger der BASF die Billigvariante "Einkapselung der Giftstoffe" durchsetzen wollen, kann es dafür nur eine Rechtfertigung geben: Das sichtbare Bekenntnis der BASF, am Standort Grenzach-Wyhlen nachhaltig festzuhalten. Das Hinhalten der lokalen Arbeitnehmerschaft über die Zukunft des Standorts kann im Licht der beobachtbaren Abbaumaßnahmen nur als erster Schritt zum Rückzug interpretiert werden. Wie aus der nahen Vergangenheit bekannt, werden Abbau und der damit verbundene Verlust von Arbeitsplätzen bis zum Tag der Verkündung unter Verschluss gehalten, Investitionen dagegen medienwirksam verkündet. Deshalb der Appel an die Konzernleitung der BASF:

Investieren sie den bei der geplanten Sanierung gesparten Betrag von weit über 200 Millionen Euro in innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Wenn diese auf einem eingekapselten Areal realisierbar sind, dann gehen sie voran, nur sie können den Beweis dazu liefern! Es ist aber eher zu vermuten, dass diese Vorhaben nur auf einem nachhaltig sanierten Areal verwirklicht werden können, sodass die BASF sich letztlich der Sanierungsvariante von Roche anschließen müsste. Damit wären dann alle zufrieden, der Nachbar von Perimeter 1 (Roche), die zuständigen Behörden, die besorgte Arbeitnehmerschaft und nicht zuletzt die Industriefreundliche Bevölkerung.

Prof. Manfred Mutter, Grenzach-Wyhlen