Leserbriefe

Grunhild Merkle, Grenzach-Wyhlen

Von Grunhild Merkle & Grenzach-Wyhlen

Sa, 20. Juli 2013

Grenzach-Wyhlen

ZUKUNFT DER INDUSTRIE
Auch die Bürger haben Wünsche
Zum Text "Auch der Wirtschaftsminister diskutiert mit" aus der Ausgabe vom Mittwoch, 17. Juni, erreichte uns der folgende Leserbrief:
Es wurde so viel schon zum Standort der chemischen und pharmazeutischen Industrie in Grenzach geschrieben und gesprochen, und wir Bürger haben auch schon so viel dazu gesagt und sind nach wie vor dankbar, dass so viele ihrer Bürger in diesen Industrien Arbeit hatten und haben, dass die Gemeinde hohe Gewerbesteuereinnahmen hat. Aber uns immer noch von hohen Steuereinnahmen im Zusammenhang mit der Ansiedlung dieser Firma Zimmermann zu erzählen, das wollen wir nicht mehr hören. Es stimmt ja einfach nicht. Bei zirka zwölf neuen Arbeitsplätzen und täglich zusätzlich 80 Lastwagen durch Wyhlen mit giftigen Abfällen hin und zurück, haben wir keine Gewinne.

Es gäbe mit Sicherheit noch andere Betriebe die hier auf dem jetzigen BASF-Gelände sich niederlassen würden. Die BASF, und das wollen wir Bürger, soll die Kessler-Grube ausräumen und das Gebiet sanieren, die Ciba-Geigy hatte Gelder zur Verfügung gestellt.

Nicht nur die Vertreter der Wirtschaft haben Wünsche, sondern auch wir, die demokratischen Bürger dieses Staates. Wir wollen keine 30 Zentimeter Erde gut ummantelt über diesen giftigen Abfällen, sondern wir wollen sie ordentlich entsorgt haben.

Wir fragen uns, warum der Herr Wirtschaftsminister und die Chemischen und Pharmazeutischen Industrien so an der Ansiedlung dieser Firma Zimmermann in Grenzach interessiert sind. Ist der Grund, weil keine anderen Städte und Gemeinden diese Firma haben wollen, oder was ist es denn sonst?

Wir machen gerne mit beim runden Tisch, vertreten durch unsere Fraktionsvorsitzenden, verhandeln über die korrekte Entsorgung des Giftmülls der Kesslergrube und erwarten von unseren politischen Vertretern, dass diese uns und unsere Anliegen, als von uns gewählte Vertreter für uns, die Bürgerinnen und Bürger, vertreten.

Grunhild Merkle, Grenzach-Wyhlen

KESSLERGRUBE
13 Vermutungen zur "Sanierung Kesslergrube"
Zur laufenden Berichterstattung erreichte uns dieser Leserbrief, in dem der Schreiber 13 Vermutungen zum Thema Kesslergrube zusammenfasst:
1. Die BASF will nicht wirklich nachhaltig sanieren, sondern möglichst billig davonkommen auf Kosten der kommenden Generationen.
2. Die beiden Gutachten über die Sanierungsvarianten: Roche = Totalaushub und BASF = Einkapselung erfüllen die Vorgaben der Auftraggeber und sind rein politisch motiviert.
3. Die BASF versteckt sich hinter einem dehnbaren Gesetz (BBodSchG §4/3) über die Gleichstellung von Dekontamination (Totalaushub) und Sicherungsmaßnahmen (Einkapselung).
4. Die Behörden stellen fest, dass durch die spezielle Lage von Grenzach-Wyhlen (Rheinufer, Agglomeration, Erdbebengefahr, Zukunftsplanung) eine "Einkapselung" keiner nachhaltigen Sanierung entspricht.
5. Die Tatsache, dass auf benachbarten Arealen zwei vollkommen unterschiedliche Sanierungsmethoden geplant sind, wird mit Blick auf die Zukunftsplanungen der Gemeinde kaum die Zustimmung der zuständigen Behörden finden.
6. Die Begründung und Rechtfertigung von BASF einer "Einkapselung der Giftstoffe" entspricht seit Erstellung der Gutachten nicht mehr den Tatsachen.
7. Die BASF befürchtet einen Präzedenzfall und versucht, mit dem Argument der "Verhältnismäßigkeit" von der Tatsache einer "Scheinsanierung" abzulenken, was angesichts der Finanzkraft der Firma unverständlich ist.
8. Die BASF wird angesichts der neuen Sachlage und der ablehnenden Haltung der Bevölkerung ihre "Einkapselungsvariante" neu überdenken müssen.
9. Nur die Entfernung aller Giftstoffe ebnet den Weg für eine zukunftsgerechte Gestaltung des Areals, denn die Errichtung von Mauern (Variante Einkapselung) hat noch nie zur dauerhaften Lösung eines Problems geführt.
10. Die produzierende chemische Industrie scheut sich wegen der beunruhigten Arbeitnehmer, die langfristigen Strategien vor Ort zu kommunizieren. Dies erschwert eine zukunftsgerechte Planung und Gestaltung des Gesamtareals.
11. Die vielfach propagierte, den Tatsachen völlig wider sprechende "Industrie-feindliche Stimmung" in der Bevölkerung kommt der Taktik der Konzernleitungen sehr entgegen.
12. Die durch die BASF eingesparten Kosten gegenüber einer Totalsanierung (ungefähr 250 Millionen Euro) könnten bei Verwendung für Neuinvestitionen auf dem Areal neue Arbeitsplätze schaffen und zur langfristigen Sicherung des Industriestandortes Grenzach-Wyhlen beisteuern.
13. Der von den Gewerkschaften im September einberufene "Runde Tisch" aller Beteiligten wird diese Vermutungen vermutlich kontrovers diskutieren – fern der Global Players (Konzernleitungen) – dafür aber gemütlich bei einem Latte Macchiato!