Leserbriefe

Willi Halfter, Grenzach-Wyhlen

Von Willi Halfter & Grenzach-Wyhlen

Mi, 03. Juni 2015

Grenzach-Wyhlen

RHEINVORLAND WEST
Sprengstofffabrik und Gülleannahme zugleich
Zur Diskussion um den Bebauungsplan Rheinvorland West auf dem BASF-Areal und der beabsichtigten Ansiedlung der Entsorgungsfirma Zimmermann:
In der Diskussion um den Bebauungsplan sind immer wieder Beispiele zitiert worden um die juristische Situation der Ansiedelung von Zimmermann zu erläutern. So kamen Bäckereien oder gut oder schlecht kochende Küchen zur Sprache.

Hier ein adäquateres Beispiel: Nehmen wir an ich besitze ein Haus mit Grundstück, und mein Nachbar plant ein Geschäft aufzumachen: Eine Nudel- oder eine Zahnbürstenfabrik wäre kein Problem. Die Situation wird allerdings alarmierend anders, sollte der Nachbar eine Sprengstofffabrik oder eine Gülleannahme aufmachen wollen.

Nehmen wir an, mein Nachbar bekommt die offizielle Genehmigung für seine Firma. In voller Panik beschließe ich nun, mein Haus zu verkaufen, um diesem Albtraum zu entgehen. Leider ist jetzt mein Haus und Grundstück keinen Pfifferling mehr wert, denn wer will schon neben einer Sprengstofffabrik oder einer Gülleverarbeitung wohnen? Das heißt, das Geschäft und der finanzielle Gewinn meines Nachbarn ist jetzt mein Schaden, und kein kleiner. Wie kann das juristisch richtig sein, da es doch tausend Vorschriften und Gesetze gibt, die noch-so-mickrige Beeinträchtigungen unter Nachbarn regeln, wie Würstchengrillen, Bäume pflanzen oder Rasenmähen?

Zimmermann ist Sprengstofffabrik und Gülleanahme zugleich, und keine Bäckerei oder Garküche. Jeder Dilldapp weiß, dass es in der Chemie stinkt, raucht und kracht. Ich bin in Grenzach in der Köchlinstraße aufgewachsen, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Geigy. Mein Vater hat in der Geigy als Chemiker gearbeitet. Betriebsunfälle gab es in der Firma zuhauf, auch mit Todesfolgen. Auch wenn BASF und Zimmermann auf und nieder hüpfen und tausend große ungarische Schwüre leisten, Zwischenfälle und Havarien wird es in Zukunft immer wieder geben.

Ich kann mir beim besten Wissen nicht erklären, wie es rechtens sein kann, dass eine Firma wie Zimmermann in einen Bebauungsplan passt, der Wohnhäuser vorsieht und gar nicht allzu weit von zwei Kindergärten liegen würde. Wer, um Himmelswillen, würde überhaupt noch nach Grenzach ziehen wollen? Wir alle, ganz Grenzach, wären die Verlierer. Ein Gedanke, der mich ebenfalls nicht loslässt ist die Frage, warum BASF das Ciba/Geigy Gelände überhaupt gekauft hat, wohl wissend, dass Grund und Boden mit 200 Jahre Chemie vollgesogen sind. Angeblich wegen Patenten, aber kein Patent sind die Abermillionen Euro wert, die es kostet, das Ciba-Geigy-Gelände in Grenzach zu entsorgen. Eine mir einleuchtendere Erklärung ist, dass der Grund für den Kauf des Geländes von Anfang die Ansiedlung von Zimmermann war. Davon ausgehend würde ich prophezeien, dass BASF nie und nimmer freiwillig auf die Ansiedlung von Zimmermann verzichten wird. Willi Halfter, Grenzach-Wyhlen