"Müssten Strategie neu überdenken"

Ralf Staub

Von Ralf Staub

Sa, 02. Februar 2013

Grenzach-Wyhlen

BZ-INTERVIEW mit BASF-Geschäftsführer Bernd Brian zur Diskussion um die Zimmermann-Ansiedlung und die Zukunft des Areals.

GRENZACH-WYHLEN. Die Ansiedlung der Firma Zimmermann und die Zukunft des BASF-Areals ist das beherrschende Thema ind er Gemeinde. Ralf Staub hat beim BASF-Geschäftsführer Bernd Brian nachgefragt, wie die öffentliche Diskussion in der Chemiefirma ankommt.

BZ: Angesichts des unerwartet großen Protests aus der Bevölkerung drängt sich die Frage auf, ob BASF zwischenzeitlich über eine andere Nutzung des Standorts Grenzach nachdenkt, ganz oder zumindest teilweise?
Bernd Brian: Nein, wir denken nicht über eine andere Nutzung nach. Die weitere Entwicklung des Areals ist für uns von entscheidender Bedeutung. Drei Faktoren machen unsere Zukunftsstrategie aus: Zum einen unsere eigene Produktion, die wir hier fortführen, zum anderen die Anpassung der Infrastruktur mit Neuansiedlungen und als dritter Punkt die Optimierung von Verbundstrukturen, beispielsweise die Kläranlage, die ja auch kommunal benutzt wird oder auch Kooperationen mit Nachbarbetrieben wie der DSM. Diese drei Faktoren stehen im Fokus unserer Tätigkeit am Standort Grenzach und sind bei allen Entscheidungen in Betracht zu ziehen.

BZ: Gibt es aus Ihrer Sicht überhaupt Alternativen zur industriellen Nutzung und was würde diese bedingen, das heißt: Für wie realistisch halten Sie diese?
Brian: Im Flächennutzungsplan und allen Regionalplänen ist das Areal als gewerbliche Bebauung ausgewiesen und wird als Industriegebiet genutzt. Mit der geplanten Ansiedlung bewegen wir uns also im Rahmen dieser übergeordneten Festlegungen. Das BASF-Areal liegt auch innerhalb der Störfallradien der anderen Betriebe in Grenzach-Wyhlen und was vielfach vergessen wird – auch von Unternehmen der Schweizer Rheinseite her. Das begrenzt andere Nutzungsvarianten. Auch die Kläranlage, die Teil der Infrastruktur des Chemiestandorts, aber auch Teil der regionalen Verbundstruktur ist, hemmt sicher andere Nutzungsmöglichkeiten des Areals.

BZ: Welche Rolle spielt dabei die Altlastenproblematik?
Brian: Das ist zunächst völlig unabhängig von Altlasten zu betrachten. Was dies anbelangt, so werden BASF und Roche ihre Verantwortung für die frühere Deponie Kessler wahrnehmen und sich für eine nachhaltige Sanierung der Kesslergrube einsetzen. Die endgültige Entscheidung nach welchen Methoden wird in diesem Jahr fallen, da sind die Behörden gefragt. Nach dem derzeitigen Stand könnten in der Kesslergrube zwei verschiedene Sanierungsmethoden zum Zuge kommen. Ein Hotspot (eine besonders stark belastete Stelle, d. Red.) im westlichen Bereich könnte total ausgeräumt werden. Diese Sanierungsmethode ist aufgrund der teilweisen Bebauung des östlichen Hotspots nicht möglich. Derzeit wird geprüft, ob es möglich ist, hier den belasteten Boden mit Dichtwänden vollständig einzukapseln und so einzuschließen, dass keine Schadstoffe ins Grundwasser gelangen können.

BZ: Auf dem Areal gibt es aber nicht nur die Kesslergrube, sondern auch weitere belastete Stellen.
Brian: Wir haben ja schon einige Gebäude auf unserem Areal zurückgebaut und prüfen hier auch regelmäßig den Untergrund. Sanierungsmaßnahmen erfolgten dabei immer in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden. Bisher sind es eher kleinere Mengen, die im Zusammenhang mit den Rückbaummaßnahmen erfasst wurden.

BZ: Sind Sie von den bisherigen Argumenten in der Diskussion um Zimmermann überrascht worden?
Brian: In der Diskussion kristallisieren sich drei Schwerpunkte heraus: Der Verkehr, die Gefährdungen und die Chancen. Zum Verkehr: Unser Werksareal ist über Straße, eigenen Gleisanschluss und eigene Schiffsanlegestelle sehr gut angebunden; das zählt bei Neuansiedlungen auch zu den wichtigen Argumenten. Dass das Land die Prioritäten bei der Umgehungsstraße verschoben hat, hat auch uns enttäuscht. Wir verstehen den großen Unmut, der deshalb in der Bevölkerung entstanden ist. Auch aus unserer Sicht ist der rasche Ausbau der B34 notwendig, um eine vernünftige und ökonomisch unbedingt erforderliche Ansiedlungspolitik umsetzen zu können. Das betrifft im Übrigen nicht nur uns. Was die Gefährdungen anbelangt, so ist für eine solche Ansiedlung die Zustimmung der zuständigen Genehmigungsbehörden erforderlich. Im Genehmigungsverfahren wird durch diese geprüft und sichergestellt, dass alle geltenden Vorschriften und Gesetze beim geplanten Betrieb der Anlage eingehalten werden. Daneben umfasst die Ansiedlungsprüfung, ob mögliche Risiken für die Umgebung resultieren. Diese Genehmigungsunterlagen liegen den Behörden aktuell zur Prüfung vor. Was die Chancen der Zimmermann-Ansiedlung anbelangt, so muss man sehen, dass die Infrastruktur eines Chemiestandorts, wie die Kläranlage durch mehrere Partner genutzt werden kann. Das ermöglicht einen kostengünstigeren Betrieb für alle Beteiligten. Zudem werden durch die Ansiedlung Arbeitsplätze entstehen. Darüber hinaus gibt es große Synergien mit Nachbarbetrieben wie DSM bei den Services, bei Kühlwasser, Dampf oder Druckluft. Wir würden uns deshalb wünschen, dass die Ansiedlung in einem konstruktiven Dialog behandelt wird und die Chancen Anerkennung finden.
BZ: In der jüngsten Gemeinderatssitzung gab es auch direkte Kritik am Standortmarketing der BASF, das zu passiv sei. Gibt es denn Kontakt zu weiteren Firmen, die Interesse an einer Ansiedlung haben?
Brian: Aktuell gibt es keine weiteren Interessenten, mit denen wir intensiv verhandeln. Kontakte bestehen zu Unternehmen der chemischen Produktion, zu Laborbetrieben sowie zu einem weiteren Betrieb aus der Entsorgungsbranche. Auch zeigen Fachwerkstätten Interesse, die im Bereich Flurförderfahrzeuge und im Rohrleitungsbau tätig sind. Es gibt aber noch keine Verhandlungen. Wir gehen davon aus, dass die Entscheidung pro oder contra Zimmermann abgewartet wird.

BZ: Wie sehen Sie die BASF in Grenzach in 20 Jahren? Und wovon hängt das ab?
Brian: Der Kern unserer Produktion in Grenzach sind UV-Filter, Pigmente und Biozide und das soll auch so bleiben. Aber man muss klar sagen, dass alle BASF-Standorte regelmäßig hinsichtlich ihres Optimierungsbedarfs und auf ihre nachhaltige Profitabilität überprüft werden. Und wenn eines der vorhin erwähnten drei Elemente für die Zukunft des Standortes nicht umgesetzt werden sollte, fehlt ein entscheidender Baustein unserer Zukunftsstrategie. In der Konsequenz wären wir gezwungen, die Strategie für Grenzach neu zu überdenken – und das ist ergebnisoffen.