Nachhaltigkeit auf dem Prüfstand

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Do, 27. Februar 2014

Grenzach-Wyhlen

Helmut Dörr aus Wiesloch arbeitet am Nachhaltigkeitsgutachten für die Kesslergrube / Vorstellung der Arbeit im Gemeinderat.

GRENZACH-WYHLEN. Immer, wenn das Thema Kesslergube im Gemeinderat behandelt wird, finden sich erstaunlich viele Bürger ein. So auch in der Sitzung vom Dienstag, bei der in der Aula der Lindenschule kaum noch Platz im Zuhörerraum war. Interessiert verfolgte man die Präsentation von Helmut Dörr, der im Auftrag von Gemeinde, BASF und Landratsamt Lörrach das Nachhaltigkeitsgutachten erstellt.

An der Erstellung der Kriterien für das Nachhaltigkeitsgutachten, so Helmut Dörr, war auch die Bürgerinitiative beteilgt. Bürger mischen sich auch im Vorfeld der Sitzung schon ein (siehe Text unten). Wer aber gedacht hatte, dass am Dienstag bereits ein Ergebnis des Gutachtens bekannt gegeben oder wenigstens eine Tendenz erkennbar würde, sollte enttäuscht werden. Dörr beschrieb in seinem Vortrag sein Vorgehen.

Die Aufgabenstellung
Helmut Dörr ist Gutachter und spezialisiert auf Altlastensanierungen. Sein Beratungsunternehmen sitzt in der Nähe von Heidelberg und ist Mitglied im Altlastenforum Baden-Württemberg. Nachdem es große Widerstände von Seiten der Bevölkerung gab, weil die Kesslergrube auf unterschiedliche Weise saniert werden soll (Der Perimeter der Roche soll totalsaniert werden, der der BASF mit Betonwänden im Boden umspundet), hatten das Landratsamt Lörrach als Entscheider, die Gemeinde und die BASF ein gemeinsames Nachhaltigkeitsgutachten in Auftrag gegeben. Dieses soll ermitteln, welche Sanierungsvariante nachhaltiger ist.

Ablauf des Gutachtens
"Es geht darum, den diffusen Begriff der Nachhaltigkeit fachlich zu stützen", erklärte Dörr im Rat. Dafür hatte es im Vorfeld Gespräche zwischen den drei Auftraggebern und Vertretern der BI mit Dörr gegeben, um eine Einigung betreffend der Kriterien zu finden. Dörr betonte, dass er vollkommen unbeeinflusst und neutral an das Gutachten gehe. Er freue sich, dass alle drei Parteien das Gutachten gemeinsam in Auftrag gegeben haben, da so auch kein Verdacht der Parteilichkeit aufkommen könne. Die ermittelten Kriterien fasste Dörr zu "drei Säulen" zusammen, den Bereichen Umwelt, Wirtschaftlichkeit und Gesellschaft (siehe Infobox).

Bewertung
Die Kriterien für Nachhaltigkeit aus den Bereichen Umwelt und Gesellschaft werden mit einem plus markiert, wenn eine der Varianten in diesem Bereich einen eindeutigen Nachhaltigkeitsvorsprung hat. Geben sich beide Varianten nichts, bekommen beide eine Null, erklärte er. Im Bereich Wirtschaft könne man direkt mit Kennzahlen arbeiten, also mit den Kosten oder der Belastung auf der Umwelt etwa im Bereich des CO2-Ausstoßes.

Wann liegen Ergebnisse vor?
Das Nachhaltigkeitsgutachten soll im April vorliegen, meinte Dörr. Darin werde auch die Zeitschiene betrachtet, was eine Forderung von BI und Gemeinde gewesen war. Es wird also auch geschaut, wie sich die Nachhaltigkeit entwickelt, wenn man davon ausgeht, dass die Umspundung 50, 100 oder 1000 Jahre besteht.

Was gilt das Gutachten?
Sein Gutachten sei ein Instrument für die Entscheidung, die letztlich das Landratsamt zu treffen hat. Georg Lutz, Verantwortlicher im Landratsamt, habe gesagt: Wenn das Gutachten den Totalaushub als nachhaltiger ausweist, würde er diesen Impuls an die BASF und an die Altlastenbewertungskommission des Landes weitergeben und eine Neubewertung anregen. Bei deutlichen Unterschieden würde das Gutachten auch an das Umweltministerium weitergegeben, ergänzte der Bürgermeister.

Wie geht es weiter?
"Wenn das Ergebnis vorliegt, werden sich alle Beteiligten noch einmal zusammensetzen", so Jörg Lutz. Eines sei heute schon klar: Auf einer Seite werde es enttäuschte Gesichter geben. Er forderte schon am Dienstag auf, dass alle Seiten das Gutachten akzeptieren müssten. "Und wenn der Aushub nachhaltiger ist, würden wir erwarten, dass BASF noch einmal in sich geht."