Narrensuppe aus dem Wok

Ralf Staub

Von Ralf Staub

Mo, 17. Februar 2014

Grenzach-Wyhlen

Grenzacher Zunftspieler verstehen es, aus kleinen Themen große Nummern zu machen.

GRENZACH-WYHLEN. Das größte lokale Thema des vergangenen Jahres (und vermutlich auch der kommenden Jahre), die Keßlergrube, spielte nur eine untergeordnete Rolle –

dennoch (oder gerade deshalb) bietet der Zunftabend Grenzach auch in diesem Jahr wieder dreieinhalb Stunden beste Unterhaltung, weil das Ensemble um Regisseur Peter Jehle es trefflich versteht, aus vergleichsweise kleinen Themen große Auftritte zu machen.

Dass Zunftabend nicht nur Heiterkeit und flotte Sprüche bedeutet, sondern auch den Rahmen für Nachdenkliches bieten kann, zeigten Heinz Weiß, Hanspeter Baier, Oliver, Becker und Fabian Baier beim Motto, das mit den etwas sperrigen Worten "Wotsch’s? Do hesch’s!" nicht gerade eine Steilvorlage für Reime bietet. Die NSA-Abhöraffäre, ein luxussüchtiger Bischof, über den Häme und Spott ausgeschüttet werden und das Zukunftsprojekt "Grenzachs neue Mitte" wurden dennoch entsprechend gewürdigt. Und hier war auch der Platz für ein paar Worte zur Altlast am Rhein, die tiefe Wunden schlägt in der Gemeinde und bei der die narren der BASF raten, noch einmal in sich zu gehen – das gab spontanen Beifall au den voll besetzten Zuschauerreihen.

Eine nette Idee zum Thema Recycling: der Dialog zweier moderner Flaschenrückgabeautomaten, die auch untereinander kommunizieren können und passend zu den jeweiligen Kunden die Themen EU-Beitritt der Türkei, Schweiz und einen neuen Spendenskandal bei der CDU erörterten.

Die Kommunalpolitik liefert die Rohdiamanten

Die Kommunalpolitik hatte dennoch ein paar Rohdiamanten geliefert, den die Zunftspieler zurecht geschliffen haben: Der neue Steg des Wassersportclubs wurde bei einem Vororttermin schwimmend besichtigt, wobei der endgültige Standort noch nicht gefunden ist, auch wenn der Bürgermeister eine besonders raffinierte Art der Abstimmung durchsetzte: unter Wasser.

Auf die Suche nach Müllsündern, die die hiesigen Flaschencontainer vollstellen, machen sich die Gemeindearbeiter. Sie erwischen nicht nur einen Schweizer, sondern geben ganz nebenbei auch dem Bundestagskandidaten Tilo Levante auf die Mütze, der die FDP auch nicht wirklich vorangebracht hatte.

Der Knüller vor der Pause waren die Johannes-Singers, in diesem Jahr begleitet von Christian Deinhardt am Flügel, da Christiane Intveen passiert. Lieder zum "Brückli am Horn", zur leerstehenden Hebelschule, zur blockierten Hauptstraße und zu Annette Grethers Antrag auf Kürzung der Spätburgunderreben, weil diese die Aussicht auf den Rhein nehmen, riefen stürmischen Beifall hervor und am Ende kamen die Singer nicht ohne Zugabe (NSA, Obama, Galama, oh was für e Drama) von der Bühne.

Erst spät flogen närrischen Pfeile in Richtung Wyhlen, als Professor Uebersax (Heinz Weiß) beim Ahnenforschungsseminar der VHS eine völlig überraschende Familienzusammenführung gelang, waren bereits acht von elf Nummern vorbei. Für den Übergang zu zwei starken Schlussnummern sorgte eine bestellfreudige Familie, die anschließend Mühe hatte alle Päckchen zu sortieren.

Idee, Dialoge und Requisiten stechen bei "Chrach am Bach" heraus, wie beim Zunftabend die Freiluftkonzertreihe "Klassik anderswo" heißt. Die Musiker Pius Jehle, Klaus Müller und Thomas Schwab haben Kies in de Schuhen und werden von Stechmücken geplagt und suchen deshalb einen anderen Spielort.

Grandios die Schlussnummer, für die die Eröffnung des chinesischen Gasthauses im "Waldhorn" den Rahmen und alle Zutaten liefert: Honorige und sangesfreudige Gäste, faule Handwerker, eine eifrige Politesse, Schweizer Aldikunden, ein prächtiges Bühnenbild mit einem goldenen Buddha und lustige Dialoge – eine überaus bekömmliche Narrensuppe aus dem Wok.

Weitere Fotos vom Zunftabend unter mehr.bz/zunftabendgrenzach