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02. Mai 2014

Roche setzt Qualität vor Kosten

Informationsabend als Auftakt des Antragsverfahrens für die Sanierung der Kesslergrube / Roche rechnet mit 239 Millionen Euro.

  1. Thomas Osberghaus (von links), Flavio Piussi, Georg Lutz, Jörg Lutz und Richard Hürzeler auf dem Podium. Es fehlt Joachim Simon. Foto: Ralf H. Dorweiler

  2. Manfred Mutter (stehend), Sprecher der IG Zukunftsforum, begrüßt die Sanierungsentscheidung der Roche. Foto: Ralf H. Dorweiler

GRENZACH-WYHLEN. Eine Bürgerinformationsveranstaltung der Roche als Startpunkt des Antragsverfahrens für die Sanierung von Perimeter 1 und 3 der Kesslergrube lockte am Mittwochabend knapp 50 Bürger ins Haus der Begegnung. Die waren zum Ende der Veranstaltung voll des Lobes über die Informationspolitik des Unternehmens und vor allem deren Bereitschaft, ihren Teil der Grube komplett auszuheben. Statt der zunächst bezifferten Kosten von 125 Millionen Euro gab Roche eine Steigerung der Kosten auf 239 Millionen Euro bekannt.

Teilnehmer
Bürgermeister Jörg Lutz hatte auf Bitten des Unternehmens die Moderation im Haus der Begegnung übernommen. Mit ihm auf dem Podium saßen Vertreter von Roche, des Generalplaners HPC und des Landratsamts. Von Roche informierten Gesamtprojektleiter Richard Hürzeler und der technische Projektleiter Flavio Piussi über Rahmenbedingungen und Ziele der Sanierung. Thomas Osberghaus, Gesamtprojektleiter beim Ingenieurbüro HPC und Joachim Simon, der als Projektleiter der HPC ständig vor Ort sein wird, gingen auf technische Details der Arbeiten ein. Georg Lutz vom Referat Umwelt beim Landratsamt erklärte das nun beginnende Genehmigungsverfahren.

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Der Antrag
Mehrere tausend Stunden, so Hürzeler, hätten Roche- und HPC-Mitarbeiter an der Antragserstellung gearbeitet. Insgesamt 17 Ordner sind beim Landratsamt eingegangen, das den Antragsprozess mit der Auftaktveranstaltung als begonnen ansieht. Besonderen Wert legt Roche auf Nachhaltigkeit, vollständigen Aushub und thermische Behandlung des belasteten Materials, Arbeitssicherheit und Verträglichkeit der bis 2021 geplanten Arbeiten mit Umwelt und Bevölkerung. Das Motto sei "Qualität vor Kosten". Auch dadurch hätten sich die Kostenberechnungen fast verdoppelt von 125 auf 239 Millionen Euro. Beim ersten Wert waren noch nicht alle Kosten eingepreist.

Verfahrensablauf
Am 30. Mai beginnt die Phase der Offenlage des Antrags beim Landratsamt. Wie Georg Lutz informiert, soll der Antrag auch auf der Internetseite der Behörde zu finden sein. Die Phase der Offenlage dauert einen Monat bis zum 30. Juni. Unter Berücksichtigung der eingegangenen Anregungen möchte das Landratsamt bis etwa Mitte August den Genehmigungsbescheid erarbeiten, der dann Ende August ergehen soll. Lutz sagte in einem Schlusswort, dies ginge so schnell, weil das Projekt "tipptopp geplant" sei. "Ich habe keine Zweifel, dass wir das gesteckte Ziel erreichen."

Start der Arbeiten
Roche Pharma plant, für die Sanierung der Kesslergrube eine temporäre Schiffsanlegestelle. Um den Baugrund dafür zu erkunden, müssen drei Buhnenvorschüttungen im Rhein errichtet werden. Im Anschluss finden Sondierbohrungen statt. Diese ersten Arbeiten werden am 5. Mai beginnen und ungefähr drei bis vier Wochen in Anspruch nehmen. Während dieser Zeit ist vereinzelt mit Lärm zu rechnen. Weiter geht es vermutlich im Juni. Dann soll der Salzländeweg, der für die Sanierung benötigt wird, durch eine Alternativtrasse ersetzt werden. Die Slipstelle wird ebenfalls weiter flussabwärts verlegt. Dazu wird mit Arbeiten für ein Besucherzentrum und die Baubüros begonnen, die mit einer Containerlösung erstellt werden. Und auch auf dem BASF-Areal finden Arbeiten statt, da Roche das in luftdicht verschlossenen Zelten ausgehobene und in Spezialcontainer geräumte Material darüber zum Bahnanschluss bringt.

Weiterer Zeitplan
Die Redner stellten auch den weiteren Zeitplan vor, der ab Oktober den Bau der temporären Schiffsanlegestelle vorsieht. Anfang 2015 soll das Grundwasser im Bereich von Perimeter 1 abgesenkt werden, was über Pumpen funktionieren wird. Eine komplexe Abwasserreinigungsanlage soll dabei eingesetzt werden. Nach aufwändigen Vorarbeiten wird ein erstes Zelt, eine sogenannte Einhausung, ab Mitte 2016 errichtet. Im Sommer 2016 soll der eigentliche Aushub beginnen, was bis 2021 dauern wird.

Gespräche
Manfred Mutter lobte als Sprecher der IG Zukunftsforum das Vorgehen der Roche. Er drückte seine Hoffnung aus, dass das Nachhaltigkeitsgutachten, das am kommenden Dienstag im Technischen Ausschuss vorgestellt wird, die deutlich größere Nachhaltigkeit des Totalaushubs im Vergleich zur von der BASF geplanten Umspundung des Perimeters 2 beweist und dies Folgen haben wird. Es gab ansonsten einige Fragen zu technischen Details, bevor man sich beim Apero im Foyer traf, um das Thema in lockerer Runde weiter zu besprechen.

Autor: Ralf H. Dorweiler