Rolle rückwärts beim Sportkonzept

Verena Pichler

Von Verena Pichler

Do, 22. März 2018

Grenzach-Wyhlen

Gemeinderat verschiebt Beauftragung für den Kunstrasen in Grenzach / van Dick: zu viele offene Fragen / Intveen: Kein Vertrauen.

GRENZACH-WYHLEN. Mit vier Gegenstimmen hat der Gemeinderat am Dienstag einen Grundsatzbeschluss zum Sportstättenkonzept gefasst. Dass dieser ganz anders ausfiel, als von der Verwaltung und einem großen Teil des Gremiums gedacht, lag an Jutta van Dick (Freie Wähler). Diese meldete erhebliche Zweifel an und sprach von vielen offenen Fragen seitens der SG. Andere Räte sprachen nach der Sitzung von mangelndem Vertrauen.

Worum geht es?
Seit Jahren arbeiten Gemeinde und SG (vormals FC Grenzach und SV Wyhlen) auf die Zentralisierung der Sportanlagen an einem Standort hin. Im Grienboden in Grenzach soll ein Kunstrasenplatz gebaut werden, der mit der entsprechenden Außenanlage mit einer Million Euro zu Buche schlägt. Einen Zuschuss des Regierungspräsidiums in Höhe von 84 000 Euro steht bereit, verfällt aber, wenn nicht bis Ende April mit dem Bau des Platzes begonnen wird.

Die hohe Investition rechnet sich für die Gemeinde, weil sie zum einen hohe Pflegekosten für die derzeit bestehenden Rasenplätze zahlt (rund 45 000 Euro pro Jahr), zum anderen, weil der gemeindeeigene Platz in Wyhlen, der dann frei wird, auf einer Fläche von rund 21 000 Quadratmetern städtebauliche Entwicklung bietet. Die Pflege der zentralen Sportflächen soll künftig von der SG übernommen werden, für einen Platzwart will die Gemeinde einen Zuschuss gewähren und auch die Geräte zur Verfügung stellen.

Weil eine topmoderne Anlage ohne modernes Vereinsheim "ein Schildbürgerstreich wäre", wie Bürgermeister Tobias Benz erklärte, soll auch das marode Gebäude in Grenzach modernisiert werden – und zwar vom Verein selbst. Die Gemeinde würde das Gebäude mit einem Gegenwert von 60 000 Euro dem Verein überschreiben. "Das stellt ja auch einen Wert dar", so Benz. Zuschüsse könnte der Verein vom Badischen Sportbund bekommen, zudem soll das Sportheim in Wyhlen zur Finanzierung eingesetzt werden, sei es durch Verkauf oder Verpachtung.

Was ist das Problem?
Es war Jutta van Dick von den Freien Wählern, die der Diskussion einen ganz neuen Dreh gab. Sie erklärte, dass die Mitglieder der SG nicht über das Konzept und die daraus resultierenden Aufgaben informiert seien. "Es gibt viel zu viele offene Fragen." Eine davon betreffe einen Zuschuss in Höhe von 60 000 Euro, der 2013 für die Sanierung des Sanitärbereichs in Grenzach zugesagt worden sei. "Wo ist dieses Geld?", so van Dick. Sie forderte, den Beschluss zu vertagen, bis die Mitglieder informiert und schriftliche Vereinbarungen – sprich ein Vertrag – aufgesetzt seien. Fraktionskollege Herbert Flum erklärte, dass die Freien Wähler nicht gegen den Kunstrasenplatz seien. "Aber da wir den Zuschuss auch nächstes Jahr bekommen können, haben wir den zeitlichen Druck nicht." Diese Zusage hat das RP der Gemeinde gegeben.

Was sagt der Bürgermeister?
Benz war sichtlich sauer über den Verlauf, den die Sitzung genommen hat. "Über die 60 000 Euro brauchen wir nicht reden, wenn die nicht übertragen worden sind, sind die weg", so Benz. Den nun geforderten Vertrag habe der Gemeinderat der Verwaltung nicht als Hausaufgabe mitgegeben. Er habe kein Problem, eine Mitgliederversammlung der SG abzuwarten.

Was sagen die Räte?
Dass die Sportanlage derzeit einen "Schandfleck" darstellt, darin sind sich die Räte nach wie vor einig. Annette Grether (Grüne) erklärte aber, dass sie angesichts der Haushaltslage sehr gespalten seien. "Diese gestattet uns eigentlich kein Konzept." Der Kunstrasenplatz sei zudem nur der Anfang, andere Investitionen würden folgen.

Tilo Levante (FDP) erklärte, dass er eine Vertagung mittragen könne. "Den zweiten Schritt muss nun die SG machen." Dieser Meinung war auch Walter Schwarz: "Legt uns die Verträge vor, dann reden wir drüber." Sein Fraktionskollege Alexander Drechsle hielt es für sinnlos, das Konzept zu schieben. Durch den Gegenwert, den die Gemeinde durch die Entwicklung des Sportplatzes Wyhlen bekomme, sei es "gesamthaft betrachtet kostenneutral". Heinz Intveen (SPD) zeigte sich überrascht, welche Entwicklung die Sitzung nahm. Er könne sich auch nicht mehr hinter den Beschluss stellen, dazu sei vieles nun zu offen. Aber: "Dass die SG angesichts der bestehenden Sportanlagen einen Frust schiebt, ist normal."

Wie geht es nun weiter?
Die Mehrheit hat Benz, 15 Räte stimmten letztlich mit Ja. Der Beschlussvorschlag, der auch die zügige Vorbereitung der Ausschreibung zum Bau des Kunstrasenplatzes beinhaltet hatte, ist jedoch passé. Stattdessen wird die Verwaltung nun mit dem Verein einen Vertrag ausarbeiten, den der Gemeinderat absegnen wird, und das Konzept in einer Mitgliederversammlung präsentieren. Die finale Entscheidung für den Kunstrasenplatz wird erst danach getroffen – und damit ist der Zuschuss weg. Auch zeitlich wird der Bau in diesem Jahr schwierig, da dieser zwischen Oktober und März wetterbedingt nicht möglich ist, wie Planer Kurt Sänger erläuterte.

Und auch zu dem geforderten Vertrag äußerte Sänger seine Meinung. "Ich habe in zwölf Jahren drei Kunstrasenplätze geplant, die teurer waren als dieser. Der Vertrag mit den Sportvereinen stand immer am Ende. Sie können jetzt ja noch gar keinen aufsetzen, weil Ihnen die Fakten fehlen."