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29. Juni 2010

Schrottplatz erhitzt die Gemüter

IG Hafenlärm bekräftigt ihre Forderung nach Lärmmessungen von deutscher Seite aus / Neues Lärmkataster durchgesetzt.

  1. Wie laut ist der Schrottplatz? Das wird auf Schweizer Seite im Lärmkataster festgehalten. Foto: Ralf H. Dorweiler

GRENZACH-WYHLEN. Die IG Hafenlärm sorgt sich wegen des Schrottberges, der sich auf dem Gelände der Ultra-Brag gebildet hat. Neben der Lärmbelastung spielen nun auch die Feinstaubbelastung und sogar Explosionsgefahr eine Rolle. Die Schweizer Behörden und der Hafen machen dagegen klar, dass die Punkte der IG Hafenlärm leicht zu widerlegen seien. Die IG wehrt sich.

Lärm: Dass es auf Grenzacher Seite sehr laut wird, wenn Schrott umgeladen wird, kann jeder selbst erleben. 50 Dezibel sind die Lärmgrenze für reine Wohngebiete – in Deutschland. In der Schweiz wird der Wert über das Jahr gerechnet. Eine Stunde heftiger Lärm wird durch eine Ruhephase relativiert. Beim Runden Tisch Hafenlärm Mitte Juni im Landratsamt ging es auch darum, ob deutsches oder Schweizer Recht Anwendung finden muss. Regierungsrat Jörg Krähenbühl blieb bei dem Grundsatz, dass auf deutscher Seite deutsches, auf Schweizer Seite Schweizer Recht gelte. "Aber wir können unser Recht nicht auf Schweizer Seite durchsetzen", klagt Rolf Rode von der IG Hafenlärm.

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Allerdings wurde zugesagt, dass der Schrottplatz als neue Lärmquelle in das Lärmkataster mit einbezogen werde. Damit wird nicht eine einzelnes Unternehmen als Lärmverursacher betrachtet, sondern der Hafen als Ganzer. Die IG möchte diesen Punkt um eigene Messungen erweitern. In Grenzach sollen mehrere Messungen erfolgen und mit den Werten abgeglichen werden, die demnächst von der Schweizer Seite im Internet veröffentlicht werden sollen.

Explosionsgefahr: Der Schrotthaufen sei voller Kunststoff, Ölen und Schmiermittel, kritisierte die IG Hafenlärm. Leicht könne sich im Sommer ein solcher Schrottberg selbst entzünden, zum Beweis zeigt man auf der Internetseite zahlreiche Fälle, in denen genau das passiert ist. Direkt neben dem Schrottplatz in Birsfelden liegt ein Kohlehaufen, daneben stehen Treibstoffsilos.

Kein Grund zur Sorge, meint man im Hafen Birsfelden. Der Schrott sei zur Gewinnung hochwertigen Stahls im Stahlwerk Gerlafingen vorgesehen. Um keine Verunreinigungen im Stahl zu haben, benötige das Werk absolut "sauberen Rohstoff". Ein Qualitätsmitarbeiter der Ultra-Brag beobachte den eingehenden Schrott genau und finde keine Spuren von Ölen oder Fetten.

Dem stellt die IG gegenüber, dass deutlich zahlreiche Farben im Schrott zu erkennen seien. Dabei müsse es sich eindeutig um Lacke und Farben handeln, es sei also kein reiner Metallschrott.

Christoph Zeltner, der Leiter Qualität und Umwelt, bestätigt der Badischen Zeitung, dass der vom Hafen Birsfelden angelieferte Schrott rein sein muss. "Es darf nur geringe Anteile an minimal brennbarem Material im Schrott geben." Lackierte Fahrzeugteile seien nicht brennbar. Da Ultra-Brag nur den Schrott umschlage, sei dieser schon vor Anlieferung gereinigt und sortiert. Eine Gefahr der Selbstentzündung sieht er nicht.

Die IG ist am 22. Juli zu einem Besichtigungstermin im Hafen eingeladen. "Bisher wurde nur über unsere Köpfe hinweg ein Schrottplatz eingerichtet, uns aber nie etwas gezeigt", kritisiert Rolf Rode. Jetzt werde man sich alles anschauen. "Wenn Fachleute sagen, es ist in Ordnung, dann wird es auch für uns okay sein", so Rode.

Feinstaub: Ein Blick auf die Arbeiten am anderen Rheinufer zeigt: Wird der Schrott aufgehoben und wieder fallen gelassen, steigen Rostwölkchen auf. Die IG Hafenlärm forderte deshalb Feinstaubmessungen von deutscher Seite aus. Der Hafen allerdings hat reagiert: Ein Mitarbeiter steht mit einem Schlauch da und befeuchtet das Material schon vor dem Umschlag. Dies soll in Zukunft durch eine automatische Berieselungsanlage erledigt werden. Beim Runden Tisch wurde dieses Thema nicht als separater Punkt besprochen, da die beiden anderen Themen zu viel Zeit benötigt hatten. Eine Forderung der IG Hafenlärm nach Feinstaubmessungen von deutscher Seite habe es nicht gegeben, so Jürgen Hirnschal, Dezernent Umwelt im Landratsamt Lörrach, der einer solchen auch keinen großen Erfolg zugemessen hätte. Hirnschal nannte die Befeuchtung des Schrotts die "richtige Minimierung des Risikos." Aus seiner Sicht hätten der Hafen und die Schweizer Behörden "befriedigende Antworten" auf die Vorwürfe gegeben.

Das sieht Rode anders. "Die Berieselung wollen wir erst einmal sehen", sagt er. Und fügt hinzu: "Nach unseren Erfahrungen ist es legitim, nachzubohren." Die IG kündigt an: "Wir werden weiter die Finger in die Sicherheits-Wunde legen", und man erneuert die Forderung nach deutschen Lärm- und Luftmessungen.

Autor: Ralf H. Dorweiler