Umspundung stößt auf breite Kritik

Ralf Staub

Von Ralf Staub

Sa, 30. März 2013

Grenzach-Wyhlen

Nach der Weichenstellung für die Zukunft des BASF-Areals rückt jetzt die Altlastensanierung in den Blickpunkt.

GRENZACH-WYHLEN. Mit der Entscheidung des Gemeinderates für eine neue Zukunft des BASF-Areals auf längere Sicht ohne Chemiebetriebe rücken die Sanierung des Areals und vor allem die Altlast Kesslergrube in den Fokus: Während die geplante völlige Beseitigung des Müllmischmaschs durch die Firma Hoffmann-La Roche in deren Bereich als vorbildlich gilt, stößt die angedachte Umspundung durch BASF im Bereich der Kläranlage auf zum Teil heftige Kritik von verschiedenen Seiten – zuletzt beim BUND.

Parallel zur Diskussion um die Ansiedlung der Firma Zimmermann lief bei den Umweltbehörden die Projektierung der Altlastensanierung. Die Behörden gingen davon aus, dass die Kläranlage, die aus einem industriellen und aus einem kommunalen Teil besteht, auch weiterhin in vollem Umfang benötigt wird. Sowohl der komplette Aushub der Grube als auch die Umspundung seien gesetzlich mögliche Sanierungen, hatte das Landratsamt im Vorfeld der Zimmermann-Entscheidung informiert.

Jetzt hat sich die Situation verändert: Gesetzt den Fall, BASF zieht sich völlig vom Standort zurück und die Firma Zimmermann schafft es nicht ihre Niederlassung einzuklagen, dann wäre der industrielle Part der ARA überflüssig, für die kommunalen Abwässer könnte eine Kooperation mit Nachbarkommunen oder der Bau einer neuen Kläranlage ins Auge gefasst werden.

Ein grundsätzlicher Gegner von Umspundungen ist Martin Forter. Der Schweizer Geograph und Altlastenexperte hält dies auch im Falle der Kesslergrube für eine "bescheuerte Idee". Eine Umspundung diene nur dazu, Zeit zu gewinnen, das Problem werde aber nicht gelöst. Und in einigen Jahrzehnten wisse dann niemand mehr so richtig, was denn überhaupt in der Grube liegt und zuständig fühle sich auch niemand. Aus genau diesen Gründen habe vor Jahren etwa die Schweizer Gemeinde Kölliken eine solche Umspundung abgelehnt, so Forter gegenüber der BZ.

Einen ersten politischen Vorstoß hat vor zwei Wochen die CDU-Fraktion lanciert und den Antrag gestellt, dass die Gemeinde die kosten für eine neue Kläranlage ermitteln soll, um dann die gesamte Altlast nach dem Vorbild der Roche sanieren zu können.

"Eine Umspundung ist eine bescheuerte Idee"

Altlastenexperte Martin Forter

Die Sanierung des BASF-Areals stand auch bei der jüngsten Versammlung des BUND im Mittelpunkt. Auch wenn der Abend in erster Linie dem Informationsaustausch und er Strategieentwicklung diente, kristallisierte sich doch heraus: Eine Umspundung, bei der für 50 Millionen Euro eine 800 Meter lange, bis zu 30 Meter tiefe und einen Meter starke Betonwand um die Altlast gezogen wird, wird nicht nur für Grenzach-Wyhlen als Problem für die Grundwassersauberhaltung betrachtet: Denn nach unten bleibt die Grube offen. Um eine weitere Auswaschung von problematischen Stoffen zu verhindern, wird der Oberboden abgedichtet, dazu kommt ein laufender Pumpenbetrieb um ein Abströmen zu verhindern. BUND-Vorsitzender Herwig Eggers will dabei das Kostenargument nicht gelten lassen (Roche wird etwa 200 Millionen Euro ausgeben müssen, BASF 50 Millionen plus die ständige Überwachung): Die Produkte, deren Überbleibsel im Boden liegen, seien "längst verkauft", die Firmen hätten deshalb auch die Kosten für die Entsorgung zu tragen – und das zügig. "Wir haben die Sanierung schon lange genug in die Zukunft verschoben". Die Runde will den BASF-Konzern auch an seine Selbstverpflichtung zu einem nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen erinnern.