Wasserskandal von 1966 war hausgemacht

Ralf Staub

Von Ralf Staub

Di, 10. September 2013

Grenzach-Wyhlen

Landratsamt gräbt Akten aus.

GRENZACH-WYHLEN (rs). Nachdem im Zuge der Vorstellung des Zeitzeugen-Porjekts in diesen Tagen auch ein Foto von 1966 veröffentlicht wurde, das die Feuerwehr bei der Versorgung der Bevölkerung von Grenzach mit Trinkwasser zeigte, wurden in einem Atemzug Kessler- und Hirschackergrube sowie die Altlastenproblematik thematisiert.

Das hat jetzt das Landratsamt auf den Plan gerufen, um die wahren Hintergründe jener Grundwasserverschmutzung in Erinnerung zu rufen, die mit der heimischen oder der Basler Industrie nichts zu tun hatten. "Gerade unter Anbetracht der derzeitigen Diskussionen um die Kesslergrube sind solche Suggestionen sehr unglücklich", heißt es aus der Umweltabteilung des Landratsamtes.

Verursacher jenes Skandals war nämlich die Gemeinde selbst, wie aus Dokumenten hervorgeht, die die Umweltabteilung des Landratsamtes aus den amtlichen Archiven ausgegraben hat. Aus ihnen geht hervor, dass das Grundwasser in jenen Julitagen aus zwei Quellen verschmutzt worden war: Zum einen war das aus dem Boden geförderte Wasser mit Phenol verunreinigt, zum zweiten stark mit Colibakterien belastet.

Spritzmittel und Klärschlamm als Auslöser

Nach den amtlichen Unterlagen und Protokollen gibt es keinerlei Zweifel, dass das Phenol über ein Pflanzenschutzmittel in den Boden und dann ins Grundwassergelangte, das die Gemeinde selbst im Bereich des Sportplatzes großzügig versprüht hatte. Auch für die Belastung mit Colibakterien trägt die Gemeinde die Schuld: Trotz dringender Warnungen seitens des damaligen Wasserwirtschaftsamtes wurde einer Gärtnerei im unmittelbaren Einzugsbereich der Brunnen Klärschlamm aus der gemeindeeigenen Kläranlage als Dünger zur Verfügung gestellt. Der Gärtner habe den Schlamm nicht nur in der weiteren, sondern auch in der engeren Schutzzone ausgebracht. Durch Niederschläge sei es zu Auswaschungen gekommen, so dass sowohl das Pflanzenschutzmittel als auch die Bakterien ins Grundwasser gelangten.

Das Phenol im Wasser sei zwar lästig, berge aber keine Krankheitsgefahr, hielt das Landratsamt im Protokoll einer Besprechung fest. Die beträchtliche fäkale Verunreinigung wurde hingegen als gravierend eingestuft, zumal ihre Beseitigung "sehr viel länger" dauere.