Infoveranstaltung der BASF zur Kesslergrube

Wenige Bürger stellen viele Fragen

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Fr, 16. Mai 2014 um 18:20 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Rein nach der Bestuhlung hatte die BASF bei ihrer Infoveranstaltung am Mittwoch zum Antragsstart der Kesslergrubensanierung mit deutlich mehr Besuch gerechnet. Nur 50 Personen waren gekommen, davon rund 20 aus Reihen der BASF.

GRENZACH-WYHLEN. Rein nach der Bestuhlung im Haus der Begegnung hatte die BASF bei ihrer Informationsveranstaltung am Mittwoch zum Antragsstart der Kesslergrubensanierung mit deutlich mehr Besuch gerechnet. Nur insgesamt 50 Personen waren gekommen, davon rund 20 Personen aus Reihen der BASF. Die BI Zukunftsforum und einigen Parteien hatten im Vorfeld ihren Boykott angemeldet.

Auf dem Podium
Bürgermeister Jörg Lutz gab als Moderator nach ein paar einleitenden Worten das Mikrofon an Elke Habel, die für die BI den Grund des Boykotts verlas und dann ging. Relativ unbeeindruckt informierten anschließend Vertreter der BASF und der Planungsfirma ERM über die Details ihres am 13. Mai beim Landratsamt eingereichten Sanierungsantrags. Livio Ulmann (Projektleiter Kesslergrube, BASF) und Hans-Jürg Reinhart (Altlastenspezialist BASF) gaben allgemeinere Informationen, Matthias Weede und Thomas Wellmann (beide ERM) gingen auf ingenieurtechnische Fragestellungen ein. Der Vortrag entsprach dem einer Pressekonferenz, über die die BZ am 14. Mai berichtete.

Der Entscheider
Georg Lutz, Fachbereichsleiter Umwelt im Landratsamt, informierte im Anschluss über den weiteren zeitlichen Verlauf. Nach dem Eingang der Unterlagen am 13. Mai soll am 21. Mai die Altlastenbewertungskommission tagen, um zu prüfen, ob und inwieweit die Ergebnisse der Nachhaltigkeitsbewertung die Entscheidung des Landratsamts beeinflussen können. Am 15. Juni beginnt die einmonatige Offenlegungsphase. Die Behörde geht von sehr vielen Anregungen und Einwänden aus, deren Prüfung etwa zwei Monate dauern soll. Ein Erlass des Sanierungsbescheids könne somit frühestens Anfang Oktober erfolgen.

Die Bürger
Auch wenn nur wenige Bürger gekommen waren, die Kommentare und Fragen nach den Vorträgen wollten nicht abebben. Schwerpunkte der Meldungen behandelten die laut Nachhaltigkeitsgutachten höhere Nachhaltigkeit eines Totalaushubs. Wenig Verständnis konnte das Team auf dem Podium bei den Bürgern erreichen, wenn es um die Dauerhaftigkeit und langfristige Sicherheit der Einkapselung ging. Aber auch Zweifel wurden offen geäußert, ob BASF überhaupt vorhabe, auf unbestimmte Zeit die Verantwortung für eine sicher eingekapselte und abgedeckte Grube zu übernehmen. Auch die Aussage, man könne direkt nach der Sanierung das Gelände für die Ansiedlung von Industrie oder Gewerbe zu nutzen, sorgte bei einigen für Unverständnis.

Die Nachnutzung
"Wer soll auf dem stinkenden Gelände neben den Kläranlagen ein Unternehmen hinsetzen?", fragte Holger Lauble. Herwig Eggers, Vorsitzender der BUND Ortsgruppe, fürchtete nach der Präsentation, dort einen Parkplatz entstehen zu sehen, worauf der ERM-Fachmann Wellmann mitteilte, dass Parkplätze auf einer abgedichteten Sanierung gängig seien, ebenso Logistikzentren, die Möglichkeiten aber vielfältig.

Die Dauer
Carola Lambelet sprach die teilweise bis zu 1000 Jahre langen Halbwertszeiten der in der Grube lagernden Stoffe an und fragte, ob es die BASF in 300 Jahren noch gebe. Dass BASF-Projektleiter Livio Ulmann mit einem knappen "Ja" antwortete, sorgte für ungläubiges Raunen. Ulmann meinte dann, es gebe die BASF "schon dreistellig". Nachdem auch Manfred Müller das Thema mehrmals ansprach, erläuterte Wellmann, dass die Dichtwand ein Bauwerk sei, dass "kein Fälligkeitsdatum" habe. "Die ist für immer gebaut", sie müsse nur überwacht und gewartet werden und eventuell repariert.

Nachhaltigkeit und Kosten
Fragen in Richtung Nachhaltigkeit wurden fast gebetsmühlenartig beantwortet. Die Variante Einkapselung sei Ergebnis aufwändiger Evaluation, sie sei nachhaltig, zielführend, rechtmäßig und genehmigungsfähig. Livio Ulmann erklärte zudem, dass der Totalaushub große Umweltrisiken bedeute. Aufgrund der langen Flanke zum Rhein könne es bei den Bauarbeiten einen Durchbruch geben und der Fluss das belastete Material fortschwemmen. Das wolle BASF nicht. Auf die Kritik, BASF wolle nur sparen, meinte Ulmann, für ihn seien 28 Millionen Euro viel Geld. Es gebe auch günstigere Sanierungsvarianten.

Stehempfang
BASF lud im Anschluss zu einem kleinen Umtrunk, bei dem die Diskussionen fortgeführt wurden. Die Stimmung blieb meist angenehm sachlich.