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13. Juni 2015

"Wir haben viele Kunden im Süden"

BZ-INTERVIEW mit Sonderabfallentsorger Gerhard Zimmermann.

  1. Im Februar 2013 haben Vertreter des Gemeinderats, der Verwaltung und der Bürgerinitiative den Stammsitz der Firma Zimmermann in Gütersloh besucht. Ganz rechts ist der technische Leiter, Jörg Wellenbüscher. Foto: zvg

  2. Gerhard Zimmermann Foto: Dor

GRENZACH-WYHLEN. Während die Gemeinde unter Hochdruck an der Erstellung des Bebauungsplanes "Rheinvorland West" arbeitet, laufen auch bei der Firma Zimmermann in Gütersloh die Planungen weiter. Dort geht man davon aus, dass ein Bebauungsplan für das BASF-Areal den Bau einer Anlage zum Recycling von Sonderabfällen nicht wird verhindern können. Ralf H. Dorweiler sprach mit dem Geschäftsführer des Familienbetriebs, Gerhard Zimmermann.

BZ: Herr Zimmermann, in einer kürzlich stattgefundenen Bürgerinformationsveranstaltung zum Bebauungsplan Rheinvorland West und zuvor im Gemeinderat hat der Jurist der Gemeinde, Hansjörg Birk, die Bürger gewarnt, zu viel in die Veränderungssperre und den Bebauungsplan zu interpretieren. Ob die Bauleitplanung ein bestimmtes Gewerbe ausschließen könne, sei nicht sicher. Haben Sie diese Entwicklung verfolgt?
Zimmermann: Ja, ich habe die entsprechenden Presseartikel gelesen. Natürlich verfolgen wir die weiteren Entwicklungen rund um das Rheinvorland in Grenzach-Whylen sehr genau.

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BZ: Haben Sie weiterhin vor, die von Ihnen geplante Anlage zum Recycling von Sonderabfällen auf dem BASF-Areal zu erbauen?
Zimmermann: Ja, wir gehen davon aus, nach dem Ablauf der Veränderungssperre die Anlage errichten zu können. Die Planungen dazu stehen ja schon seit längerer Zeit.

BZ: Haben Sie Verständnis dafür, dass es Ressentiments und Ängste gegen Ihre Branche gibt? Sind diese berechtigt?
Zimmermann: Ich weiß auch, dass es immer Menschen geben wird, die gegen unsere Branche Ressentiments haben werden. Aber wer sich etwas näher mit den zahlreichen Auflagen und Vorschriften an eine solche Anlage zum Recycling und zur geordneten Entsorgung von gefährlichen Abfällen beschäftigt, der sollte eigentlich keine Ängste mehr haben. Grundsätzlich gehört es doch auch zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Land, die anfallenden produktionsspezifischen gefährlichen Abfälle gesichert und geordnet zu entsorgen.

BZ: Sie haben bis jetzt ein Vertriebsbüro in Grenzach-Wyhlen. Können Sie dadurch auch einen Bedarf an einer Recyclinganlage in Grenzach-Wyhlen festmachen?
Zimmermann: Wir haben natürlich schon vor der damaligen Antragstellung den Bedarf in Süddeutschland geprüft. Unser Vertriebsstandort in Grenzach-Wyhlen hat dem Recht gegeben. Zudem haben wir längst viele Kunden im Süden, deren Stoffe wir bisher in andere Anlagen der Zimmermann-Gruppe transportieren und dort aufbereiten. Eine Anlage zum Recycling und zur geordneten Entsorgung von gefährlichen Abfällen in Grenzach-Wyhlen würde solche Transporte deutlich verkürzen. Dazu kommt, dass wir auf dem Gelände der BASF einen geeigneten Standort vorfinden. Alle Voraussetzungen für einen reibungslosen Betrieb sind dort gegeben.

BZ: Drei Jahre Veränderungssperre, davor größere Investitionen für den Bauantrag. Gehen Sie davon aus, dass Ihre Ansiedlung auf dem BASF-Areal kommen wird?
Zimmermann: Wir gehen heute davon aus und haben weiterhin großes Interesse an einem Standort in Baden-Württemberg.

BZ: Sie waren schon zusammen mit der BASF an einem Normenkontrollverfahren gegen die Veränderungssperre beteiligt. Würden Sie auch rechtlich gegen einen Bebauungsplan vorgehen, der eine Ansiedlung einer Recyclinganlage verhindern würde?
Zimmermann: Wenn der aufgestellte Bebauungsplan rechtskonform ist nicht. Andernfalls würden wir nicht auf die bisherigen Planungen und die Umsetzung am Standort verzichten wollen.

BZ: Sollte der Bebauungsplan eine Ansiedlung an der von Ihnen präferierten Stelle nicht ermöglichen, würden Sie sich dann anderswo auf dem Areal ansiedeln wollen?
Zimmermann: Das ist dann zu prüfen, wenn der Bebauungsplan aufgestellt ist. Grundsätzlich hätten wir derzeit nichts dagegen, vorausgesetzt, es wäre auch dem Eigentümer, der BASF recht, und es würde keine weiteren Verzögerungen bei der Umsetzung geben.

BZ: Was schätzen Sie, wann Sie die ersten Stoffe in Grenzach-Wyhlen verarbeiten werden? Und was wird das sein?
Zimmermann: Wir gehen davon aus, dass in den Jahren 2017 bis 2018 der Betrieb unserer Anlage in Grenzach-Wyhlen starten wird. Die ersten Stoffe werden Abfälle aus Baden-Württemberg sein.

ZUR PERSON: GERHARD ZIMMERMANN

ist 53 Jahre alt, verheiratet und hat vier Kinder. Der gelernte Kaufmann begann seine Laufbahn bereits im Alter von 16 Jahren in der Zimmermann-Gruppe und ist seit dem Jahr 1997 Geschäftsführer des Familienbetriebs mit Sitz in Gütersloh.  

Autor: dor

Autor: dor