"Wir setzen weiterhin auf Grenzach-Wyhlen"

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Mo, 21. Januar 2013

Grenzach-Wyhlen

BZ-INTERVIEW mit Gerhard Zimmermann und Jörg Wellenbüscher von der Zimmermann-Gruppe über ihre Wahrnehmung des laufenden Diskussionsprozesses.

GRENZACH-WYHLEN. Zur Zeit werden von Gegnern der Ansiedlung des Chemie-Recyclers Zimmermann viele Gründe benannt, warum das Unternehmen nicht nach Grenzach-Wyhlen gehört. Ralf H. Dorweiler fragte bei Geschäfts

führer Gerhard Zimmermann und beim Technischen Leiter Jörg Wellenbüscher nach, wie sie die Diskussion wahrnehmen.

BZ: Herr Zimmermann, Herr Wellenbüscher, bereuen Sie schon die Entscheidung, eine Recyclinganlage für Chemieabfälle in Grenzach-Wyhlen eröffnen zu wollen?

Gerhard Zimmermann: Nein. In Baden-Württemberg entsorgen wir seit vielen Jahren. Der Standort auf dem BASF-Areal in Grenzach ist für uns gut geeignet, mitten im Industriepark. Wenn einzelne Personen ihr Veto einlegen wollen, schreckt uns das nicht ab. Es ist immer so, dass es Menschen gibt, die Befürchtungen haben. Darüber muss man reden. Wichtig ist nur, dass keine Ängste entstehen, die jeglicher Grundlage entbehren. Explodierende Lkw wären dafür ein Beispiel. Nein, wir setzen weiterhin auf Grenzach-Wyhlen.

BZ: Wie verfolgen Sie aus Gütersloh die Diskussion?

Zimmermann: Wir haben einen Mitarbeiter vor Ort, der uns alle Informationen zuschickt. Und neben den Gütersloher Zeitungen habe ich auch die Badische Zeitung abonniert und studiere dies regelmäßig. Wir verfolgen zudem das Forum im Internet, in dem auch über unsere Ansiedlung diskutiert wird. Bisher haben wir uns nicht daran beteiligt, werden uns aber wohl doch einklinken, um auch mit den Bürgern, die Bedenken haben, in direkten Dialog zu treten und Ängste wie etwa vor explodierenden Lkw zu nehmen.

Jörg Wellenbüscher: Wir haben eine Anfrage weitergeleitet bekommen, was passiere, wenn ein Lkw explodieren würde. Wir haben geschluckt, weil das eine Frage ist, die eigentlich gar nicht gestellt werden sollte. Wie ich schon bei den Informationsveranstaltungen gesagt habe, sind die Stoffe, die wir in Grenzach-Wyhlen annehmen werden, nicht explosiv.

BZ: Aber die Gefahr von austretenden Stoffen bei einem möglichen Unfall im Ortsgebiet besteht einfach bei einigen Bewohnern...

Zimmermann: Sehr viele Bürger haben wahrscheinlich einen Öltank zu Hause. Ein Heizöltankwagen hat eine drei Millimeter dicke Alu-Ummantelung. Unsere Fahrzeuge bestehen aus sechs Millimeter starkem Edelstahl mit zusätzlichen Stahlverstrebungen, Vakuumringen zur Kesselstabilisierung. Da passiert lange nichts. Außerdem bestehen Abfälle in unserem Transport zu 80 bis 90 Prozent aus Wasser, obenauf sitzt dann eine Ölschicht. Letztlich sind unsere Transporte wesentlich sicherer als etwa ein Heizöltankwagen. Man muss auch bedenken, was man macht, wenn mal in Grenzach-Wyhlen ein solcher Tankwagen auslaufen sollte. Wenn unsere Anlage da wäre, hätte man innerhalb weniger Minuten einen Spezialisten vor Ort.

Wellenbüscher: Ich möchte auch sagen, dass wir ausschließlich Fahrzeuge in unserem Fuhrpark haben, die für Gefahrstoffe zugelassen sind. Damit werden auch die nichtgefährlichen Stoffe transportiert. In Grenzach-Wyhlen wird das Verhältnis von nichtgefährlichen und gefährlichen Stoffen bei etwa 50 zu 50 liegen. Wir sind also weit davon entfernt, dass alles, was durch den Ort transportiert wird, Gefahrgut ist. Dabei möchte ich noch einmal erinnern, dass die Bezeichnung "gefährliche Stoffe" jede Emulsion oder einen Ölabscheider von einer Tankstelle umfasst. Wer Emulsionen kennt oder wer weiß, wie ein Ölabscheider aussieht, wird davor keine Angst haben.

BZ: Wissen Sie, wie viele Einwendungen bislang zu Ihrem Genehmigungsantrag eingegangen sind?

Wellenbüscher: Knapp 50 Fragen sind nach unserem letzten Kenntnisstand wohl bislang eingegangen und etwa 20 Unterschriftenlisten. Bei den Unterschriften sind Vorbehalte gegen die Anlage notiert, keine Fragen. Wir gehen davon aus, dass bis zur Eingabefrist noch weitere Einwendungen formuliert werden.

BZ: Ist das ein für Sie erstaunlicher Widerstand?

Wellenbüscher: Wir finden es grundsätzlich positiv, dass es öffentliche Diskussionen gibt. Egal, wo wir in Deutschland eine Anlage planen würden, gingen wir davon aus, nicht mit offenen Armen empfangen zu werden. Mit Anliegern gibt es immer Diskussionen. Die einzige Möglichkeit, Akzeptanz in der Bevölkerung zu erlangen, besteht darin, durch Information Ängste zu nehmen. Das kann man nur mit offenen Antworten auf alle Fragen hinbekommen. Dass es zum Schluss immer noch Bürger geben wird, die uns nicht mögen, damit können wir leben. Wir hoffen aber, dass dieser Anteil der Bevölkerung möglichst klein sein wird.

BZ: Es gibt ihr Unternehmen nun seit 50 Jahren. Kam es denn bislang jemals zu einem Störfall?

Zimmermann: Natürlich ist es schon einmal vorgekommen, dass sich ein Mitarbeiter verletzt hat, aber einen Unfall in der Störfall-Anlage hat es nie gegeben.

Wellenbüscher: Ich kann mich auch nicht erinnern, dass jemals ein Lkw leck geschlagen wäre.

Zimmermann: Bei Gefahrguttransporten ist es laut Statistiken überdurchschnittlich selten, dass Stoffe austreten. Sie verunfallen auch wesentlich seltener als normale Lkw. Die Unfallhäufigkeit ist vier- bis fünfmal geringer. Unsere Fahrer sind zudem alle speziell geschult. Ich habe selbst einen Gefahrgutschein.

Wellenbüscher: Übrigens werden auch bisher chemische Abfälle von der Industrie durch Grenzach-Wyhlen wegtransportiert. Seit vielen Jahren behandeln wir in Gütersloh die sogenannte Ciba-Säure, eine Schwefelsäure, die auch bei der jetzigen BASF-Produktion anfällt. Die Ciba-Säure, die seit vielen Jahren durch den Ort gefahren wird, ist auch ein Gefahrstoff. Der würde künftig nicht mehr durch den Ort transportiert, wenn wir direkt vor Ort sind.

BZ: Haben Sie schon einen Plan B für den Fall, dass die Gemeinde eine Veränderungssperre über das Areal aussprechen würde und Sie sich damit nicht dort ansiedeln könnten?

Zimmermann: Nein, wir haben keinen Plan B. Wir werden natürlich für die Genehmigung kämpfen. Ich sehe in Baden-Württemberg kaum Standorte, die das gleiche bieten können, wie etwa die Kläranlage, die Kapazitäten frei hat. Nach dem Teilrückzug der BASF-Produktion ist die mittlerweile viel zu groß. Ich habe mal durchgerechnet, dass wir 300 000 bis 400 000 Euro für die Kläranlagennutzung an die BASF zu zahlen haben werden. Wenn wir nicht kämen, würde diese Summe auf die Bürger von Grenzach-Wyhlen aufgeteilt, die dann höhere Abwassergebühren zu zahlen hätten.

Wellenbüscher: Im Augenblick gibt es auch keinen Grund zur Annahme, dass es zu einer rechtlich begründeten Ablehnung unseres Antrags kommen könnte. Jeden Einwand, der bisher eingegangen ist, können wir zufriedenstellend beantworten. Noch etwas zum Plan B: Tatsächlich arbeiten wir gerade schon daran, wie wir nach der Genehmigung vorgehen. Wir überlegen jetzt schon, an welche Handwerker wir uns vor Ort wenden werden. Nach dem Erörterungstermin am 28. Februar werden wir versuchen, möglichst viele Aufträge lokal zu vergeben. Wir wollen Arbeit schaffen. Das sind nicht nur die 15 Arbeitsplätze, die wir direkt schaffen und die auf bis zu 50 wachsen können, wir brauchen einen Schlosserbetrieb vor Ort, einen Elektriker, eine Kfz-Werkstatt und vieles mehr.

BZ: Vielen Dank für das Gespräch.

Zimmermann: Ich möchte noch anmerken, dass irgendjemand gesagt hat, die Jugend solle entscheiden, ob sie uns in Grenzach-Wyhlen haben will, weil die Jugend am längsten mit uns leben müsste. Wenn Jugendliche Interesse daran haben, möchte ich sie einladen, uns in Gütersloh zu besuchen. Ich würde alles organisieren, so dass 15 bis 30 Jugendliche sich bei uns vor Ort anschauen könnten, wie Sonderabfallbeseitigung funktioniert.

Wellenbüscher: Wir sind ja auch Ausbildungsbetrieb und auch deshalb für Jugendliche interessant.