Zimmermann-Gruppe stellt sich vor

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Do, 30. Juni 2011

Grenzach-Wyhlen

Unternehmen möchte sich auf dem Areal der BASF ansiedeln / Gemeinde wünscht sich noch etwas Zeit.

GRENZACH-WYHLEN. Wenn eine Gemeinderatssitzung bereits um 18 Uhr beginnt, wie die am Dienstag, und nur ein paar sichtlich unstrittige Punkte auf der Tagesordnung stehen, ist zu erwarten, dass im Anschluss noch ein wichtiges Thema in nichtöffentlicher Sitzung zu besprechen ist. Am Dienstag waren dafür zwei Gäste aus Gütersloh gekommen. Die Zimmermann-Gruppe stellte sich dem Gemeinderat hinter verschlossenen Türen vor. Das Recycling- und Logistikunternehmen möchte eine Firma auf dem BASF-Areal gründen.

Bürgermeister Jörg Lutz betonte auf Anfrage der Badischen Zeitung über den Verlauf des Gesprächs, dass es keinerlei Vorentscheidung gegeben habe. Mit Gerhard Zimmermann, dem Geschäftsführer, und dem Technischen Leiter, Jörg Wellenbüscher, habe sich ein Familienunternehmen vorgestellt, das Sonderabfälle entsorgt. Die Unternehmensvertreter stellten ihre Firma vor und auch, was sie auf dem BASF-Areal zu tun gedenken. Die Gespräche mit der Eigentümerin BASF sind schon recht weit gediehen. Wie bereits von der Badischen Zeitung berichtet, ist eine Behandlungsanlage für Industrieabwasser geplant. Auch Recycling von festen Stoffe soll dort wohl stattfinden.

Bürgermeister Lutz teilte mit, dass auf der Sitzung über die Zahl der Lkw gesprochen worden sei, die die teilweise Gefahrgüter zur Anlage und wieder weg transportieren würden. Die Zimmermann-Gruppe sagte, mehr als die Hälfte der Transporte über die Bahn laufen lassen zu wollen. Über die Mengen an Verkehr sei man sich allerdings noch nicht ganz einig geworden, sagte Lutz. Der Lkw-Verkehr, der durch den Ort gehen würde, habe das Gremium am Dienstag "bewegt", wie es Lutz ausdrückte.

Zimmermann und Wellenbüscher gingen zumindest für das erste Jahr von etwa 15 Lkw pro Tag aus. Die Gemeinde rechnet da etwas anders. Wenn die Anlage unter Volllast laufe und im schlimmsten Fall alle Transporte über die Straße abgewickelt werden müssten, geht die Verwaltung von dem sogenannten Worst-Case-Szenario (Annahme des schlimmsten Falles) von 100 Lkw pro Tag aus. Die tatsächliche Zahl dürfte also irgendwo zwischen diesen Extremwerten liegen.

Der Gemeinderat wünscht nach der Vorstellung Zeit, um sich zunächst darüber klar zu werden, welche Form der Nutzung man sich für das BASF-Areal vorstellen könne. "Es gab am Dienstag nur die Vorstellung des Unternehmens", sagte Lutz. "Aber die erste Frage ist: Wie geht es mit dem BASF-Areal mit ungefähr 40 Hektar Größe weiter?"

Als Alternativen beschrieb Lutz, einen industriellen Park anzusiedeln, ein Mischgebiet aus Industrie und Gewerbe anzustreben oder im Osten ein Gewerbegebiet auszuweisen und im Westen eine Mischung aus Arbeiten und Wohnen. Diese Möglichkeiten müssen erst einmal auf ihre Realisierbarkeit geprüft werden.

Wenn die Zimmermann Gruppe nun komme und das Gebiet ein reines Industriegebiet bleibe, habe die Gemeinde keine rechtliche Handhabe, sich gegen andere Industrieunternehmen zu entscheiden, die sich dort ansiedeln wollen. Darum bedürfe es vor einer Entscheidung noch etwas Zeit. Immerhin sei der Rat erst vor wenigen Wochen offiziell in die Pläne durch die BASF eingeweiht worden. Lutz geht davon aus, dass BASF und die Zimmermann-Gruppe diesen Zeitwunsch verstehen. Sollte das Vorhaben mit Gewalt durchgedrückt werden, würde die Gemeinde dem mit Hilfe einer Veränderungssperre einen Riegel vorschieben.

Eine nächste Diskussion zu dem Thema soll in der Sitzung des Technischen Ausschusses am kommenden Dienstag stattfinden – dieses Mal in einer öffentlichen Sitzung.