Zukunftslabor bringt gute Impulse

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Mo, 29. Oktober 2012

Grenzach-Wyhlen

Veranstaltung mit sachlicher Diskussion, angenehm kurzen Vorträgen und wertvollen Vorschlägen für den künftigen Kurs.

GRENZACH-WYHLEN. Mit rund 90 Teilnehmern war die Zukunftswerkstatt der Gemeinde im Festsaal des Hauses der Begegnung am Freitag zwar nicht überfüllt, aber durchaus gut besucht. Drei Stunden lang überlegten sich die Bürger, ob Grenzach-Wyhlen eine Industriestadt bleiben soll, und entwickelten Visionen, wo Wohnen am Rhein sinnvoll sein könnte. Bürgermeister Jörg Lutz war sehr zufrieden und bezeichnete sich gar als "stolz auf diese engagierte Bürgerschaft".

DER ABLAUF
Von 17.30 bis 21.30 Uhr diskutierten die Bürger unter der sympathischen Moderation von Christine Grüger, Joachim Fahrwald und Corina Bastian über die beiden Themen. Zuvor gab es Impulsreferate und eine Fragestellung, zu der sich an den Tischinseln Materialien fanden. "Tischzeitung" hießen die großen Bögen, auf die die Ergebnisse der Diskussion aufgeschrieben wurden, die dann Sprecher des jeweiligen Tisches vorstellten. Damit es auch zu einer Durchmischung kommen konnte, wechselten die Gäste nach 20 Minuten die Gruppen. Die Moderatoren fassten zum Ende jeder der beiden Runden die Ergebnisse knapp zusammen. Eine ausführlichere Ergebnisanalyse wird noch folgen und soll auf der Internetseite der Gemeinde veröffentlicht werden.

THEMA INDUSTRIE
Bleibt Grenzach-Wyhlen Industriestandort? Was kann man sich sonst noch auf den Industriearealen vorstellen? Das waren Fragen, die im ersten Themenblock behandelt wurden, nachdem Anja Obermann, Geschäftsführerin der Wirtschaftsregion Südwest, in einem knappen Vortrag die Zukunft der chemisch-pharmazeutischen Industrie in der Region beleuchtet hatte. Deutschland bleibe ein wichtiger Industriestandort, meinte sie. Das Pfund, mit dem man wuchern könne, sei die Innovationskraft, während sie die Produktion einfacher Produkte eher ins Ausland abwandern sah. Industrieparks könnten Verbundeffekte nutzen, mehrere Firmen sich etwa die Infrastruktur teilen, was nicht nur auf örtlicher Ebene passieren müsse, sondern auf regionaler. Sie regte zudem an, die Vorteile der Grenzlage herauszuarbeiten.

Viele Mitarbeiter und ehemalige Beschäftigte der heimischen Industriewerke waren da, aber nicht nur sie wünschten sich eine Zukunft der Industrie in Grenzach-Wyhlen. Aus der Bürgerschaft kam mehrfach der Wunsch nach einer sauberen Industrie. Auch wurde angeregt, dass professionelle Wirtschaftsförderung, die auch über Kreisgrenzen hinweg und gar international Kontakte habe, dienlich sein könne, um neue Unternehmen auf freien Flächen anzusiedeln.

Monika Neuhöfer-Avdic hatte kurz eine Rahmenplanung für die Industriegelände in Grenzach vorgestellt, bei der vielen Bürgern insbesondere eine Durchlässigkeit für Bewohner zum Rhein hin gefiel.

THEMA WOHNEN
Manuel Herz vom ETH Studio Basel stellte eine von der Gemeinde beauftragte Studie vor, die sich mit realistischen bis sehr visionären Möglichkeiten befasste, Wohnen am Rhein anbieten zu können. Dazu gehörten etwa das Rheinufer am Hörnle, die Lagune, eine neue Siedlung am Wasserkraftwerk oder – ganz visionär – ein großer Kanal, der südlich von Wyhlen angelegt werden könnte, um nicht das Wohnen an den Rhein, sondern den Rhein zum Wohnen zu holen.

Eigentlich an allen Tischen war der Wunsch feststellbar, bessere Zugänge zum Rhein zu erhalten. Favorisiert wurden das Rheinufer am Hörne als Eingang Grenzach-Wyhlens, die Lagune, da sie die bestehende Situation im Gebiet am Schacht nur verbessern könne und von den meisten das Wohnen am Wasserkraftwerk.

DAS FAZIT
Nach drei Stunden fasste Bürgermeister Jörg Lutz zusammen, an diesem Abend keinen grundlegenden Widerstand gegen die Zimmermann-Ansiedelung auf dem BASF Gelände gehört zu haben. Mit der Industrie zusammen soll der Rahmenplan weitererstellt werden. Zum Wohnen am Rhein meinte er, dass die Siedlung am Wasserkraftwerk nun doch näher ins Blickfeld gerückt sei, die bisher politisch nicht gewünscht war.