Grenzach-Wyhlen

Zwei Schülerinnen steppen Schritt für Schritt zum WM-Erfolg

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Fr, 16. Dezember 2016 um 17:23 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Die Grenzacher Schülerinnen Kaja Thoss und Svenja Reinwald haben bei der Stepptanz-WM mit der Schweizer Nationalmannschaft den Vizeweltmeistertitel ertanzt. Der BZ haben sie eine Kostprobe gegeben – im Video.

Als am Morgen plötzlich die Stimme des Schulleiters über das Durchsagesystem ihre Namen aufruft, schauen ihre Klassenkameraden die 15-jährige Kaja Thoss und die 14-jährige Svenja Reinwald groß an. Manfred Stratz gratulierte auf diesem Weg den beiden Grenzacherinnen, die am 3. Dezember bei der Weltmeisterschaft im Step- und Showtanz in der Sachsenarena in Riesa mit der Schweizer Nationalmannschaft Vizeweltmeister geworden sind. "Die Klassenkameraden haben sogar applaudiert", erzählt Sevenja im BZ-Gespräch.

Erst vor zwei Jahren haben die beiden gemeinsam mit Steppen angefangen. Sie gehen zwar nicht in die gleiche Klasse, Kaja ist in der 9a des Lise-Meitner-Gymnasiums, Svenja in der 9b, aber sie wohnen fast nebeneinander und kennen sich seit der Grundschule. Kaja wurde aufs Stepptanzen in der Basler Tanzschule Tanzwerk aufmerksam und hat Svenja gefragt, ob sie mitmachen wolle.



Beide erwiesen sich als talentiert und wechselten schnell in eine Gruppe im Tanzwerk, die in der Jugendklasse auf die Schweizer Meisterschaft trainierte. "Die haben wir gewonnen", sagt Kaja lapidar. Svenja fügt hinzu, dass ihnen dieser Titel die Nominierung für die Weltmeisterschaft eingebracht hat.

Es begann eine Zeit der Proben. "Es ist cool, wenn man auf so ein Ziel hinarbeitet", sagt die 14-Jährige. Von Juni bis Anfang Dezember kamen sie zunächst einmal wöchentlich und mit fortschreitender Zeit immer häufiger zusammen. Gegen Ende waren es drei bis vier Termine pro Woche und am Wochenende tanzten sie auch mal bis zu acht Stunden in verschiedenen Städten der Schweiz. Dabei wurde allein an zwei Wochenenden eine völlig neue Choreografie einstudiert: Das Stück "Sister Act" erzählt tänzerisch die Geschichte des gleichnamigen Films mit Whoopi Goldberg und ist ein Showtanz mit den 80 Beteiligten des "Swiss national Tap-Teams", der Schweizer Stepp-Nationalmannschaft. Svenja und Kaja sind so weit sie wissen die beiden einzigen Deutschen im eidgenössischen Kader.

"Auf Parkettboden klingt es am besten." Kaja Thoss
Klar hätte es den beiden besser gefallen, wenn die Weltmeisterschaft vielleicht in Amerika stattgefunden hätte und nicht gerade im sächsischen Riesa, aber das Teilnehmerfeld hätte nicht internationaler sein können: Teams kamen aus ganz Europa, den USA und Kanada, Südafrika, Russland, Japan und Australien. Die Konkurrenz war gewaltig. Mit dem Stück "Alpe-Fescht", das ihnen die Schweizer Meisterschaft eingebracht hat, landeten sie mit Platz 15 auf den hinteren Plätzen, aber das in nur zwei Wochenenden einstudierte "Sister Act" kam riesig an. Dabei, so erzählt Kaja, waren die bestellten Nonnenkostüme erst kurz vor der Aufführung nach Riesa geliefert worden. "Wir haben die Kostüme beim Wettbewerb zum ersten Mal getragen", ergänzt Svenja. Geschlagen geben mussten sie sich nur der Mannschaft aus Großbritannien. Richtig leben die beiden auf, als sie die ledernen Steppschuhe anziehen, die sich durch die in die Sohlenspitze und die Ferse eingearbeiteten Metallplatten auszeichnen. "Auf Parkettboden klingt es am besten", sagt Kaja. Also geht es einen Stock nach oben, wo die beiden Tänzerinnen die ersten Schritte präsentieren.



Ganz einfach ist der "Walk", Auftreten auf der Ferse, Klack, dann auf die Spitze, Klack. Nur mit der Ferse aufzutreten, heißt "Heel", nur die Spitze ist ein "Toe". Ein englischer Begriff nach dem anderen wird vorgestellt, begleitet vom Klackern der Steppschuhe auf dem Boden. Das Ganze geht schnell in einen Tanz über, bei dem sich Svenja und Kaja vollkommen synchron bewegen. Das Klackern ist erst langsam, steigert sich und verstummt plötzlich ganz, nur um dann in unglaublicher Geschwindigkeit und Lautstärke zu explodieren. Die Probephase für die WM hat der ganzen Familie einiges abverlangt, sagt Kajas Mutter, Silke Thoss, lachend. Aber es hat sich gelohnt, sind sich alle einig.