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05. März 2011
Grenzgänger
Plagiatbarone und Pseudoautoren: In Frankreich wär’ das nie passiert
Karl-Theodor besuchte uns mit Frau Stéphanie in Soultzeren après sa démission comme ministre de la défense. "Ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht!", jammerte der Junge. "Geh in den Stall und hilf Opa Ernest!", befahl Caroline dem Plagiat-Baron. "Ich bin keine Heilanstalt für Ex-Minister", murmelte Oma. Am vergangenen Montag hatte sich schon Michèle Alliot-Marie, abgesägte französische Außenministerin, weinend ins Haus gestürzt.
Wäre Karl-Theodor zu Guttenberg Franzose, wäre es nie zum Rücktritt als Verteidigungsminister gekommen.
Warum nicht? Ganz einfach parce que le titre de docteur in Frankreich nicht denselben Stellenwert in der Gesellschaft hat comme en Allemagne. Nur die Ärzte melden den Doktortitel sur la carte de visite. Es ist überraschend, weil die Franzosen eine beträchtliche Zahl von Eliteschulen aufweisen können et l’arrogance fait partie de la mentalité des élites françaises.
Dennoch kleben die Deutschen an ihrem Doktortitel wie die Zecken am Fell de mon chat Muesli.
Als der ehemalige Rektor der Freiburger Universität seinen 70. Geburtstag feierte, las ich auf der Einladung "Prof. Dr. Dr. hc mult Wolfgang Jäger". Chaque titre wird peinlich aufgezählt. Sandra, eine Studentin, beichtete mir, que das Plakat a du être imprimé une deuxième fois, weil "hc mult" fehlte.
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Viele Persönlichkeiten lassen heute ihre Bücher durch Ghostwriter schreiben, mais nous ne le savons pas. Die Pseudo-Autoren treten ohne Hemmungen comme écrivain vor den Kameras auf. Ihre Bücher besetzen die Buchhandlungen, prennent la place de vrais auteurs, die ihre Bücher selbst schreiben. Il s’agit d’un scandale plus grave, als das Plagiat von zu Guttenberg.
Die Beliebtheit des Politikers Guttenberg beim Publikum, trotz Plagiat, dokumentiert nur, wie sehr der Doktortitel überschätzt wird. Wo ist die persönliche Reflexion, si un auteur additionne sur 400 Seiten les citations, sogar mit Autorenangaben? Die Mehrheit der Doktorarbeiten besteht en règle générale aus abgeschriebenen Zitaten qu’on mélange comme une sauce au vin. Wo bleibt die Kreativität? Vom Stil der Arbeiten ganz abgesehen. Pour une fois il vaudrait peut-être mieux imiter les Français qui n’accordent aucune importance à toutes ces Doktorarbeiten, die nur Makulatur sind und wie eine Monstranz dem einfachen Volk vor die Nase gehalten werden.
Eigentlich passt die Haltung von Karl Theodor in die heutige Zeit, die das Schreiben als Garnitur der Bio-graphie ansieht. Den Ghostwriter hat monsieur le baron eigentlich nur am falschen Ort eingesetzt und die Uni mit dem Fernsehstudio verwechselt. À plus.
Autor: mg


