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17. November 2009 11:03 Uhr

Bildungsstreik

Großdemonstration in der Freiburger Innenstadt

Sie fordern bessere Bildung, kleinere Klassen und die Abschaffung der Studiengebühr: Tausende Studenten, Eltern, Lehrern und Schülern ziehen durch die Freiburger Innenstadt.

  1. Großdemonstration an der Uni Freiburg. Foto: Dominic Rock

12.50 UHR: ABSCHLUSSKUNDGEBUNG KGII
Mit lauter Musik endet die Freiburger Großdemonstration. Einige verlassen den Pulk, manche tanzen zu den Klängen aus den Lautsprechern, andere ziehen zurück ins Audimax. Nach dem Protest ist vor dem Protest.

Gegen 14 Uhr soll es eine Versammlung der Studenten geben, die über den weiteren Verlauf der Besetzung beraten soll.

12.28 UHR: ZUG DURCHS MARTINSTOR
Ein wenig hat es den Anschein, als würden mehr Schüler als Studenten den Protestzug begleiten. Vom Martinstor geht es wieder zum KG II, wo eine Abschlusskundgebung stattfinden soll.

12.18 UHR: KURZKUNDGEBUNG AM BERTOLDSBRUNNEN
"Es kann doch nicht sein, dass sich Studentenvertreter politisch nicht äußern dürfen", schallt es durch den Lautsprecher. Damit wird eine zentrale Forderung im Bildungsstreik angesprochen. Die Demonstranten haben am Bertoldsbrunnen ein Zeitfenster von maximal fünf Minuten. Ein wenig überziehen sie zwar ihre Zeit, doch die Polizei lässt gewähren. Ihr zufolge verläuft die Großkundgebung durchweg friedlich.

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Für ein klein wenig Aufregung sorgt ein Krankenwagen, der mit Sirenengeheul über die Bertoldstraße gen Platz prescht. Offenbar ist eine ältere Dame unabhängig vom Protest gestürzt, Demonstranten bringen sie zu den Rettungskräften.

12.06 UHR: ZUG ZUM BERTOLDSBRUNNEN
Die Großdemonstration ist mittlerweile auf rund 5000 Menschen angewachsen. Mit Bannern und Fahnen, Trillerpfeifen und Trommel ziehen sie durch die Freiburger Straßen zum Bertoldsbrunnen. "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut", skandieren sie. Einige verteilen Flyer an Passanten, mit denen sie auf den Bildungsstreik aufmerksam machen wollen.

12 UHR: SCHIEWER ÄUSSERT SICH IM INTERNET
Hans-Jochen Schiewer reagiert auf die aktuelle Diskussion um Studienbedingungen und lässt eine Erklärung im Internet veröffentlichen. "5 Antworten auf 5 Fragen".

11.58 UHR: UNI SETZT AUF AUSGLEICH
Der Pressesprecher der Universität, Rudolf-Werner Dreier, sucht das Gespräch mit den Studenten. "Die Besetzung wird toleriert", betont er. Man ersuche jedoch darum, das Audimax zu räumen und in einen kleineren Hörsaal umzuziehen. "Das Audimax wird für Klausuren benötigt." Die Studenten wollen später im Plenum über diese Option diskutieren.

11.51 UHR: PROTESTNOTE AN SCHIEWER
Zu sehen ist Hans-Jochen Schiewer, der Rektor der Universität Freiburg, nicht. Offenbar hat er dringende Termine, die seine Anwesenheit erfordern. Maggie Jaglo, Mitglied des Vorstands des u-asta, hat erneut das Mikrofon übernommen. Sie fordert Schiewer direkt auf, die Forderungen der Studenten zu erfüllen, andere Universitäten würden ihren Studenten wesentlich mehr entgegenkommen. Sie fordert die Abschaffung von Bachelor und Master in der derzeitigen Form und: "Die Studiengebühren müssen weg."

11.38 UHR: STUDENTEN VS. POLIZEI
Der Protestzug gerät ins Stocken. Per Lautsprecher ergeht von Seiten der Demoleitung eine Durchsage an die anwesende Polizei. "Hören Sie auf, uns zu filmen, sonst werden wir binnen 48 Stunden eine Anti-Repressionsdemo in Gang setzen!"

Gegen diesen Vorwurf wehrt sich jedoch die Polizei: "Wir filmen nicht", stellt Schmid eindeutig klar. "Das ist ein Versuch Stimmung zu machen."

DER WEG DER GROSSDEMO DURCH FREIBURG

11.27 Uhr: ZUG ZUM REKTORAT
Mittlerweile ist der Zug der Demonstranten mehrere hundert Meter lang, der Rotteckring wurde gesperrt. Laut Polizei haben sich mittlerweile 4000 Menschen dem Protest angeschlossen (zu den Fotos). "Das ist eine der größten Demonstrationen, die jemals in Freiburg stattgefunden hat", sagt Karl-Heinz Schmid von der Freiburger Polizei. Studenten aber auch Schüler aus dem Speckgürtel der Stadt seien angereist. Und das macht sich bemerkbar: Während die ersten Demonstranten bereits am Rektorat angekommen sind, stehen die anderen noch am KG II.

Ein Demowagen bildet jeweils den Anfang und das Ende des Protestzuges, Trommelmusik schallt aus den Lautsprechern. Hunderte Studenten tragen selbst gebastelte Kronen aus Pappe. Die Botschaft ist eindeutig: Wir sind hier die Könige.

11.17 Uhr: DER ZUG SETZT SICH IN BEWEGUNG
Kurz nach 11 Uhr startet der Pulk Richtung Fahnenbergplatz zum Unirektorat – das Audimax bleibt mit rund 100 Studenten besetzt. "Wir halten die Stellung, die Polizei soll keine Chance zur Räumung haben", sagt Maggie Jaglo, Mitglied des u-asta-Vorstands.

Bereits am Morgen war das Aufgebot an Einsatzwagen der Polizei in der Innenstadt sehr hoch. Doch bleiben die Beamten während der Demonstration diskret im Hintergrund. Kurz zuvor hatte die Demoleitung die Anwesenden aufgefordert, friedlich zu bleiben: "Team Green hält sich dann auch zurück."

10 UHR: AUFTAKTKUNDGEBUNG
Gegen 10 Uhr tritt der erste Redner vor die versammelte Schar am Platz der Synagoge vor dem Kollegiengebäude II. Nach und nach sammeln sich dort mehr als 2500 Studenten, Schüler, Lehrer und Eltern. Während die ersten drei Redner die Menge nicht so richtig in Stimmung versetzen kann, gelingt es Nikolas Klauser vom Freiburger Schülerrat die Menschenmasse zu packen: "Wir fordern freie Bildung, mehr Lehrer und kleiner Klassen."

Ebenfalls am Rednerpult vertreten: Günter Rausch von der Evangelischen Fachhochschule Freiburg und Urgestein der Studentenbewegung. "Bildung ist frei – sonst ist es keine Bildung", sagt er in einer klassischen Klassenkämpferrede. Zugleich nutzt er die Gelegenheit, die Freiburger Kommunalpolitik zu geißeln: "Die Stadt ist ein überteuertes Pflaster. Jeder, der hier studiert, muss wahnsinnig sein."

 

Autor: Joachim Röderer, Alexandra Sillgitt, Melanie Dippel