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12. Juli 2012
Große Kunst im kleinen Dorf
Bereits seit 30 Jahren residiert die Edith-Maryon-Kunstschule im beschaulichen Munzingen – und setzt Akzente im Ortsbild.
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In einer der Werkstätten der Edith-Maryon-Kunstschule werden Marionetten gebaut. Foto: Ingo Schneider
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Da fliegen die Späne: Sibylle Nestrawil in ihrem Keller-Kettensägen-Atelier an der Weinstraße Foto: Ingo Schneider
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Klassische Bildhauerei ist nach wie vor eine wichtige Säule der Schule. Foto: Ingo Schneider
MUNZINGEN. Einen ersten Hinweis gibt eine Skulptur beim Abzweig von der St.-Erentrudis-Straße in die Straße Dorfgraben im Stadtteil Munzingen. Hier ist Kunst zuhause – und zwar die Edith-Maryon-Kunstschule, die sich vor 30 Jahren im Anwesen der Munzinger Schreinerfamilie Saumer niedergelassen hat.
Die Kulisse ist idyllisch: Schatten werfende Bäume, ein hübscher Garten mit Sträuchern, Blumen und Skulpturen. Eine Gruppe junger Leute sitzt an einem Gartentisch und diskutiert. Aus der Werkstatt dringt das durchdringende Sirren von Schleifmaschinen. Marionetten entstehen hier, unter Anleitung von Johannes Ruchti, der seit 2003 zusammen mit Markus Hoenninger die Schule leitet. Der 51-jährige Bildhauer bietet zum zweiten Mal einen Kurs in Marionettenbau an. Die Studierenden sind herausgefordert, aus feingemasertem Lindenholz bewegliche Gliederpuppen anzufertigen. "Diese Aufgabenstellung verlangt eine Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur. Abgesehen davon werden vielfältige handwerkliche Fertigkeiten vermittelt", erklärt Ruchti. Dabei verleihen die Studierenden ihren Figuren einen jeweils individuellen Ausdruck. Denn es geht ja um Kunst, um das Ergebnis eines kreativen Prozesses, das nicht durch Funktionen bestimmt und nicht einer Bewertung von richtig oder falsch unterworfen ist.Werbung
Um das passende Material zu finden, das es einem ermöglicht, innere Bilder, Gefühle, Erlebnisse und Erfahrungen auszudrücken, sind viele Kenntnisse nötig – etwa zum Umgang mit Werkzeugen und Maschinen, zum Umgang mit den vier Elementen oder zur Formenkunde. Dazu kommen handwerkliche Grundfertigkeiten wie das Metallgießen, das Schweißen oder Schnitzen.
Sibylle Nestrawil, eine von derzeit 40 Vollzeitstudenten, hat sich auf die Kettensägenkunst verlegt. Zurzeit jedenfalls. Die 42-Jährige hat, bevor sie 2009 das Studium in Munzingen aufnahm, filigranes Schmuckwerk hergestellt. Mit Holz zu arbeiten liegt der gelernten Schreinerin aber auch und so hat sie sich vor einigen Jahren den Umgang mit der Kettensäge angeeignet. Um auch noch andere Bildhauertechniken zu erlernen, hat sie das Studium aufgenommen.
In ihrer Werkstatt im Keller eines kleinen landwirtschaftlichen Anwesens an der Weinstraße, wo sie wohnt, entstehen eindrucksvolle Skulpturen, etwa in der Form von Wasserschnecken. Andere muten wie um die Längsachse gerollte Blätter an. Es ist nicht zu fassen, dass sich mit der Kettensäge, einem grob, laut und durchaus gefährlich wirkenden Werkzeug, solche fein strukturierten Formen herstellen lassen. Die Studentin Sibylle Nestrawil vermittelt ihre Fertigkeiten bereits als Dozentin in Kursen bei sechs Volkshochschulen, auch in Freiburg.
Wer Munzingen zu Fuß durchstreift, vor allem das historische Dorfgebiet, stößt wie bei Sibylle Nestrawil und auf dem Gelände der Schule auch an anderen Stellen auf Kunst. Auf diese Weise wirkt die Edith-Maryon-Kunstschule immer wieder unmittelbar in den Ort.
Gründer der zunächst anthroposophisch ausgerichteten Schule waren 1982 Raimar von Bonin und Johanna Everwijn (Edith Maryon war eine englische Bildhauerin aus dem engstem Kreis um Antroposophie-Gründer Rudolf Steiner). 1993 folgten Alfred Frischknecht und Manfred Fahrentrapp. Seit 1999 bietet die Edith-Maryon-Kunstschule – neben dem Vollzeitstudium (Semestergebühr: 1452 Euro) – einen berufsbegleitenden Studiengang an (derzeit 55 Studierende. Damals begannen auch die beiden heutigen Leiter als Dozenten. Johannes Ruchti vermittelt seine Erfahrungen als Bildhauer, wohingegen Markus Hoenninger den Bereich Kunsttherapie vertritt, der seit zwei Jahren ein eigenständiges Seminar mit derzeit 15 Teilnehmern bildet. Alle Studiengänge ziehen Studierende aus ganz Deutschland und aus anderen Ländern an. Neben Ruchti und Hoenninger wirken zehn Künstler als Dozenten. Unter ihnen sind der Freiburger Hansjörg Palm, der in den Bereichen Bildhauerei, Installationen, Objekte, Performance, Fotografie und Video arbeitet, sowie die beiden Bildhauer Hertha Seibt-Dezinser und Charly Loth vom E-Werk. So wie diese Künstler in die Schule hineinwirken, strahlen Absolventen in die Region hinaus. Und das nicht nur in Munzingen. An anderen Orten im Breisgau haben sich Atelier- und Künstlergemeinschaften gebildet, etwa in Merdingen, in Mengen, in Emmendingen und in Waldkirch.
Autor: Silvia Faller





