Großes Kino mit "Waldemar"

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Mo, 04. Juni 2018

Sulzburg

"Vom Baum zum Tisch" – 50 Teilnehmer besuchen im Rahmen der Baumkulturtage Badenweiler die Möbelwerkstatt Jonny B. in Laufen.

SULZBURG-LAUFEN. Walnussbäume prägen das Gesicht des Markgräflerlandes mit. Wer darauf achtet, sieht die hohe, ausladende Gestalt der frei stehenden Bäume überall, so auch auf der Fahrt von Müllheim nach Laufen. In Laufen besuchten 50 Teilnehmer im Rahmen der Badenweiler Baumkulturtage die Möbelwerkstatt Jonny B. GmbH und wurden mitgenommen auf dem Weg "Vom Baum zum Tisch".

Für diejenigen, die an diesem Samstagnachmittag zuvor die Ölmühle in Oberweiler besucht hatten, war es ein echtes Kontrastprogramm, von der dunklen, geschichtsträchtigen Ölmühle mit ihrem Mahlstein, den hölzernen Zahnrädern und Transmissionsriemen in die lichte Weite des modernen Ausstellungsraums der Möbelwerkstatt. Ein Teil dieses Raums war für diesen Anlass gewissermaßen zum Kino umgestaltet worden. Hauptdarsteller der Bildpräsentation mit Dias und Videos war der über 80-jährige "Waldemar". So hatten Schreinermeister Jonny Brändlin und Baumbesitzer Christoph Wälde den mächtigen Walnussbaum getauft, der die Familie Wälde auf ihrem Aussiedlerhof zwischen Müllheim und Vögisheim im Sommer mit kühlen Schatten und im Herbst mit knackigen Nüssen versorgt hatte.

47 Jahre habe er mit Waldemar gelebt, erzählte Hobbyfotograph Wälde und zeigte alte Bilder seines Elternhauses aus der Zeit, in der man noch mit Fug und Recht von einem "Aussiedlerhof" sprechen konnte – auf einem der Fotos aus den frühen 1970er Jahren sah man im Hintergrund den Hochblauen ohne Fernmeldeturm. Gut 30 Jahre später war der Hof komplett in ein Wohngebiet eingebettet. "Da wurde es langsam eng für Waldemar", sagte Wälde.

Und so rückte im November 2017 das Team der Baumkultur Pfefferer GmbH an und fällte den dicht von Gebäuden umgebenen Baum nach allen Regeln der Kunst. Im Zeitraffer sahen die Besucher, wie die mächtigen Äste Stück für Stück von oben her abgesägt und abgelassen wurden. Was blieb, war ein großer Stapel Äste und ein dicker Stamm. "Eines Tages rief dann Jonny Brändlin bei mir an", endete Wäldes Teil der Geschichte.

Schreinermeister Brändlin führte die Geschichte fort: "Jetzt lag der ,Waldemar’ im Garten – schlappe drei Tonnen." Mit dem Langholztransporter gelangte der Stamm von Vögisheim auf das Gelände der Laufener Schreinerei. Christoph Wäldes Kommentar dazu: "Der Nussbaum hat weniger Weg zurück gelegt als die meisten Schnitzel in den Supermärkten." Als bald darauf der Mobilholzsäger den Stamm in Bretter zersägte, präsentierte Waldemar seine inneren Werte: Eine ausdrucksvolle Maserung und ein charakteristischer Farbkontrast vom dunklen Kern- zum hellen Splintholz. "Es ist einfach ein traumhaft schönes Holz, und kein Baum ist wie der andere", schwärmte Brändlin.

Es folgten viele Informationen über die Arbeitsabläufe im Zuge der Möbelanfertigung und davor. Mittels eines Spezialverfahrens wurden die sehr dünnen Bretter innerhalb von zwei Tagen in einen verarbeitungsreifen, rissfreien Zustand gebracht – in der Vergangenheit hätte es dafür eine lange Lagerungszeit gebraucht. Angefertigt wurden die Tische in dreischichtiger Mittellage: Auf eine Tischlerplatte aus Nadelholz als Träger wurden oben und unten je eine dünne Schicht des edlen Walnussholzes aufgebracht. Hier kam Alex Wahli, Teil des zehnköpfigen Mitarbeiterteams der Schreinerei, ins Spiel, und nach Arbeitsgängen vom Schleifen, Kalibrieren und Beleimen bis zum letzten Auspolieren war der markant aussehende Tisch fertig.

Brändlin zog das Fazit: "Schade, wenn so ein Baum gefällt werden muss, aber alles hat seine Zeit, und Waldemar hatte eine Chance auf ein Leben nach dem Tod." In der Tat kann ein solides Möbelstück über mehrere Generationen hinweg seinen Dienst tun. So hielt sich denn auch die Trauer der Besucher in vernünftigen Grenzen, und nach einer Stärkung mit kühlen Getränken und Walnusszopf klang die Veranstaltung mit einer Werkstattführung aus.