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26. April 2010 20:37 Uhr

Litschentalbach

Gülle-Unfall zerstört wertvolles Ökosystem

Der Steinkrebs und das Bachneunauge zählen zu den seltenen Tierarten, die im Litschentalbach bei Seelbach heimisch waren. Doch nach einem Gülle-Unfall ist der Bach ein totes Gewässer.

  1. Kein Leben mehr im Litschentalbach kann der ehrenamtliche Fischereiaufseher Bartholomäus Leser feststellen. Foto: fotos: heidi fössel

  2. Keine Chance hatten die Bachforellen gegen die stinkende Brühe. Foto: Heidi Foessel

  3. Eine dunkle Spur hat die Gülle auf ihrem Weg in den Bach hinterlassen. Foto: Heidi Foessel

SEELBACH. Die Bachbewohner hatten keine Chance: Mehrere tausend Liter Gülle, die bei einem Bauernhof ausgelaufen sind, haben den Bach auf einer Länge von gut 1,5 Kilometer binnen weniger Minuten in eine stinkende Kloake verwandelt. Bis wieder ein hochwertiges Ökosystem wie bisher entstanden ist, werden Jahre vergehen.

"Ich hätte heulen können", erzählte Bartholomäus Leser am Montag der Badischen Zeitung. Der ehrenamtliche Fischereiaufseher war am Samstag ebenso alarmiert worden wie der Fischwasserpächter, die Polizei und der Wirtschaftskontrolldienst (WKD). Anwohner am Litschentalbach hatten gegen 13 Uhr nicht nur Alarm geschlagen, als sie sahen, was passiert war, sie haben auch tote Fische aus der stinkenden Brühe geholt und Wasserproben entnommen, die sie dann dem WKD übergaben.

Die Wasserqualität war hervorragend

"Der Litschentalbach ist ein ökologisch wertvolles Gewässer gewesen", sagt Leser. Das Wasser kommt aus dem Sohl, aus den dortigen Quellen beziehen die Seelbacher den größten Teil ihres Trinkwassers. Nur Bachforellen haben im Litschentalbach gelebt, keine Regenbogenforellen und auch keine Döbel, erzählt Leser weiter. Er zählt eine Reihe Beifische auf, die im Bach gelebt haben wie Gründlinge, Schmerlen, Schneider, Groppen, Nasen und vor allem Bachneunaugen. Gerade letztere zeigen, so Leser, die hervorragende Wasserqualität: "Das Bachneunauge findet man hauptsächlich in Gebirgsbächen, in denen das Wasser absolut sauber ist. Im Litschentalbach sind es Altbestände, die auf Grund des sauberen Wassers hier überlebt und sich vermehrt haben."

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Sehr selten sei auch der Steinkrebs. Im Litschentalbach sei dieser Krebs von der mit dem Cumberlandkrebs aus den USA eingeschleppten Krebspest verschont geblieben und habe überlebt. Auch er komme nur in absolut sauberem Wasser vor. Zu befürchten ist nach den Worten Lesers zudem, dass die Hauptnahrungsquelle der Bachforellen, Köcherfliegenlarven, Kriebelmücken und Bachflohkrebse, das Desaster nicht überlebt haben. "Ein hochwertiges Ökosystem ist in diesem Abschnitt zerstört", so sein Fazit.

"Es wird Jahre dauern"

Wie es nun weitergeht? Das Landratsamt werde eine Erhebung machen, ob es überhaupt noch Leben in dem Anschnitt zwischen dem Einlauf der Gülle und der Mündung des Litschentalbachs in die Schutter gibt. Leser hofft, dass Bachbewohner, die oberhalb der Einlaufstelle überlebt haben, im Bach nach unten wandern. Er ist glaubt jedoch, dass es ohne Besatz nicht gehen wird. Ein Gutachten werde darüber Aufschluss geben, was getan werden müsse. Dieses Gutachten werde der staatlich bestellte Fischereiaufseher beim Landratsamt oder ein Gutachter des Landesfischereiverbandes erstellen. Von einem ist Leser indes überzeugt: "Es wird Jahre dauern, bis das Ökosystem wieder so ist, wie es bis am Samstagmittag gewesen ist. Es muss sich nach und nach wieder aufbauen."

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Autor: Theo Weber