Unsere Erde 2

Günther Jauch: "Afrika ist ein Sehnsuchtsort"

Markus Tschiedert

Von Markus Tschiedert

Sa, 17. März 2018 um 13:37 Uhr

Kino

Ticket-Interview: Fernseh-Moderator Günther Jauch ist der Erzähler in dem Film "Unsere Erde 2"

Der versierte Journalist und gewitzte Quizmaster Günther Jauch (61) führt seit 1999 durch die Sendung "Wer wird Millionär?". Im Kino absolvierte er bisher höchstens selbstironische Gastauftritte. Für die BBC-Dokumentation "Unsere Erde 2" ließ er sich jetzt als Erzähler verpflichten. Eine gute Wahl, denn seiner sanften Stimme schenkt man gern Glauben. Markus Tschiedert traf Günther Jauch.


Ticket: Die Kombination Günther Jauch und Kino hat es noch nicht wirklich gegeben. Doch nun erlebt man Sie als Erzähler des Naturfilms "Unsere Erde 2". Was hat Sie daran gereizt?
Jauch: Schon der erste Film hatte mich beeindruckt, und dass man sich für eine Fortsetzung zehn Jahre Zeit gelassen hat, spricht allein schon für die Qualität. Ich wurde gefragt, sah mir "Unsere Erde 2" an und sagte, da bin ich gern dabei. Als ich dann auch noch hörte, dass Robert Redford in der amerikanischen Version der Erzähler ist, konnte ich mich nicht mehr zurückziehen.
Ticket: Sind Sie ein guter Geschichtenerzähler, auch für Ihre Kinder?
Jauch: Das mache ich sehr gern und erfinde dabei auch irgendwelchen Unsinn. Ich habe ein Talent dafür, mir Geschichten auszudenken und mich nicht nur an Märchen zu halten. Je absurder, desto besser.
Ticket: Haben Sie ein Beispiel?
Jauch: Ach, ich mische Dinosaurier mit Mäusen und Elefanten, lasse sie miteinander sprechen und denke mir für Kinder etwas Absurdes aus, sodass sie nicht mehr wissen, was wahr sein könnte oder nicht. Das hängt aber immer vom Alter der Kinder ab. Ich habe "Unsere Erde 2" auch schon mit Kindern gesehen. Am beliebtesten ist die Szene, in der sich ein Bär am Baum kratzt und dann einen Riesenpups loslässt. Das finden Kinder großartig.
Ticket: In "Unsere Erde 2" werden die herrlichsten Orte unserer Erde gezeigt. Welchen wollen Sie noch sehen?
Jauch: Die Antarktis soll ein großartiger Ort sein, an dem man ins Grübeln kommen soll. Darüber, was unseren Kosmos zusammenhält. Da soll man Gott am nächsten sein – das haben mir zumindest Kapitäne auf Kreuzfahrtschiffen gesagt. Afrika ist für mich aber auch ein Sehnsuchtsort. Vor zwei Jahren war ich mal in Botswana und konnte mich exotischen Tieren so nah nähern, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Man kann nur staunen, was es so alles gibt, auch die Vielfalt in den kleinen Dingen. Dass man sich etwa in "Unsere Erde 2" traut, sich mit Eintagsfliegen in Ungarn zu beschäftigen, sagt viel über die Qualität des Films.
Ticket: In der Natur hat jedes Tier eine Funktion. Welche Rolle spielen wir Menschen dabei?
Jauch: Wahrscheinlich die des größten Feindes, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Wir finden Pandabären putzig, aber wir müssen aufpassen, dass wir sie nur noch im Kino sehen können, weil Aufnahmen von Pandabären in der Wildnis irgendwann gar nicht mehr machbar sind. Der Mensch hat das Gleichgewicht durcheinandergebracht, das sollten wir uns schon klar machen.
Ticket: Liegt das Paradies vor unserer Haustür, wenn wir es wollen?
Jauch: Speziell in Deutschland haben wir eine so fantastische Vielfalt von Landschaften, die wir teilweise gar nicht kennen, weil wir als erstes immer nach Mallorca fliegen. Wir haben auch Urwälder direkt vor der Tür, und das in fast jedem Bundesland. In Brandenburg gibt es diesen Buchenwald in der Uckermark. Der Bayerische Wald ist ebenfalls ein Urwald, und auch das Oderbruch bietet faszinierende Landschaften. Das sind Orte, von denen ich sagen würde, hier liegt das Paradies vor der Haustür.
Ticket: Sind Sie eher ein Tag- oder Nachtmensch?
Jauch: Im Prinzip bin ich jetzt ein Tagmensch. Als ich noch auf der Journalistenschule war, wurde erst um Mitternacht die Pizza geholt, und dazu ein Liter Cola. Das hat sich inzwischen in jeder Hinsicht geändert. Ich finde es aber schon sehr fortschrittlich, dass wir uns technisch völlig unabhängig von der Nacht gemacht haben. Im 19. Jahrhundert ist man noch mit den Hühnern aufgestanden und früh ins Bett gegangen, um Petroleum für die Lampen zu sparen. In "Unsere Erde 2" bekommt man eine Idee davon, wie Tag und Nacht die Natur bestimmen, und dass wir Menschen die einzigen sind, die das mutwillig durcheinanderbringen können.


UNSERE ERDE 2

Regie: Peter Webber, Richard Dale & Lixin Fan
Erzähler: Günther Jauch
94 Min., ohne Altersbeschränkung
Die Story
Allein in Deutschland sahen 2008 über 3,8 Millionen Kinozuschauer die Dokumentation "Unsere Erde". Nun ist eine ebenso faszinierende Fortsetzung entstanden, für die mehrere Drehteams an die verschiedensten Orte reisten, um Pinguine, Zebras, Faultiere und sogar Insekten ganz nah an die Linse zu bekommen.

Läuft in Freiburg und Offenburg.