Der Schwächste gibt das Tempo vor

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Mo, 19. Juni 2017

Gundelfingen

BZ-SERIE: Gemeinsam in die Pedale treten – der Radsportclub Gundelfingen bietet Rennradtouren für Einsteiger an.

GUNDELFINGEN. Der Radsportclub Gundelfingen hat große Rennfahrer hervorgebracht. Nun bietet der Verein speziell für Ein- und Wiedereinsteiger Rennradtouren an, bei denen es nicht auf Leistung ankommt. Ein Dutzend Interessierter ist mit dabei.

Albrecht Cziohsek ist auch gekommen: "Rennradfahren ist schon lange meine Leidenschaft, aber ich habe es nie probiert." Der Radler – ganz im modernen Radsportdress und Helm – fährt sonst nur Mountainbike. Von dem neuen Angebot des Radsportclubs Gundelfingen hat er gelesen. "Alleine hätte ich nie mit Rennradfahren angefangen – dazu braucht es die Gruppe, die einen mitzieht."

Bereits zum zweiten Mal fand das Rennradfahren für Einsteiger statt. Hobbyradfahrer, aber auch Ex-Profis, wie der ehemalig erfolgreiche Rennfahrer Hermann Kluge, nehmen das Angebot an, um gemeinsam in die Pedale zu treten. "Wir wollen damit alle ansprechen, die Lust am Rennradfahren haben", erzählt Hans-Walter Neunzig vom Radsportclub Gundelfingen. Denn auch hier geht die Rennrad-Schere weit auseinander: Da gibt es die einen, die gern eine Tour auf dem Rennrad fahren und die anderen, die noch im Seniorenalter einen "ordentlichen Zacken" fahren. Einsteiger kommen da ganz schnell an ihre Grenzen. Neunzig sucht daher ganz spezielle, einsteigerfreundliche Touren für die Samstagsausflüge aus. Etwa 50 bis 60 Kilometer lang sind die Strecken. "Bei den Touren bewegen wir uns zwischen Radwandern und Rennradfahren", erläutert Neunzig. Beim letzten Ausflug ging es um und über den Kaiserstuhl. Die Touren legt er so, dass zu Beginn der Anstieg kommt und für die Heimfahrt der Weg flach verläuft. Auch die Windrichtung nimmt er in den Blick: Am Anfang heißt es gegen den Wind fahren, zurück aber sollte es Rückenwind geben. "Das erste Mal lief ganz gut, aber dennoch habe ich am Ende viele meiner Muskeln gespürt, die ich bisher gar nicht kannte", erzählt Max Ratzel (67) lachend. Für die Ruhestandszeit ist er extra nach Gundelfingen gezogen.

Bei den Touren sollen jedoch die Radfahrer ganz ohne Leistungsgedanken miteinander die schönen Landschaften entdecken. "Das Tempo dabei gibt der Schwächste vor – im Schnitt fahren wir so um die 20 Stundenkilometer", sagt Neunzig. Nach einem Anstieg wird gewartet, bis der Letzte wieder zu Atem gekommen ist. "Wir nehmen auf jeden Rücksicht und machen auch Pausen", so der Wirtschaftsjournalist. Seit 35 Jahren betreibt er Leistungssport, ist schon Marathon gelaufen und hat an einem Triathlon teilgenommen.

Neben dem Radeln erklärt der Verantwortliche den Mitradlern Fahrtechniken, damit es besser läuft. "Um in der Gruppe zu fahren, braucht es auch einige Regeln und besondere Handzeichen – die muss jeder wissen." Aber er bringt den Einsteigern auch das richtige Sitzen auf dem Rennrad bei. Sein Augenmerk liegt dabei auf besonderen Punkten: Sattelhöhe und Abstand vom Sitz zum Lenker, damit eine optimale Kraftumsetzung gegeben ist. "Es sind manchmal nur Kleinigkeiten – aber die machen viel aus." Wer sich überlegt, ein Rennrad zu kaufen, findet seiner Meinung nach ein ordentliches Gefährt für rund 1000 Euro. "Dafür gibt es schon acht Kilogramm leichte Aluminiumräder."

Wem die Samstagstouren nicht reichen, der kann beim Radsportclub Gundelfingen auch noch an weiteren Ausflügen teilnehmen. Die aktiven Senioren treffen sich montags, mittwochs und freitags zum Training und fahren dann schon mal an die einhundert Kilometer.

Wer Lust auf Rennradtouren hat und eine Gruppe sucht, kann sich an Hans-Walter Neunzig vom Radsportverein Gundelfingen wenden. Er ist erreichbar unter Tel. 0170/23 28 663. Treffpunkt für die Samstagtouren ist der Ortsausgang Gundelfingen am Kreisverkehr in Richtung Denzlingen. Abfahrt ist um 10 Uhr.