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10. Januar 2013

Ein Friedenszentrum für Auschwitz

Idee, Planung und Realisierung von Janusz Marszalek wurde nun in Gundelfingen vorgestellt / Ein "Baustein" aus dem Breisgau.

  1. Janusz Marszalek besuchte kürzlich die Gemeinde Gundelfingen und berichtete über die Planung und Realisierung des Friedenszentrum in Oswiecim/Polen (Auschwitz) Foto: Andrea Steinhart

GUNDELFINGEN/Oswiecim. In der Stadt Oswiecim, die heute das Attribut "Stadt des Friedens" trägt, soll in Sichtweite des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau ein Friedenszentrum entstehen, um dort das Andenken an alle Opfer von Völkermord, Diktaturen und Kriegen zu bewahren. Janusz Marszalek, dort ehemals Stadtratspräsident, wirbt auch in Gundelfingen für dieses Projekt, das nur wenige Kilometer von der Partnerstadt Bierun liegt.

Janusz Marszalek, ehemaliger Stadtratspräsident besuchte jüngst Gundelfingen und berichtete auf Einladung der Gemeinde Gundelfingen sowie des Deutsch-Polnischen Partnerschaftsverein (DPPV) über die Planung und Realisierung. Seit vielen Jahren steht Marszalek mit dem Gundelfinger DPPV in freundschaftlichem Kontakt, denn Oswiecim und die polnische Partnerstadt von Gundelfingen, Bierun, liegen in unmittelbarer Nachbarschaft. Begrüßt wurde Marszalek von Bruno Zimmermann, dem Vorsitzenden des DPPV.

Das Friedenszentrum in Oswiecim entsteht im Wesentlichen nach dem Wunsch ehemaliger Häftlinge aus Konzentrationslagern, Zuchthäusern und Gulags und von der polnischen Senioren Union.

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"Wir brauchen ein Symbol des Friedens"

"70 Jahre nach der Gründung einer Todesfabrik in dieser Stadt brauchen wir heute ein Symbol des Friedens. Das ist unsere moralische Verpflichtung"; schrieb Tadeusz Sobolewicz, ehemaliger KZ-Häftling, zur moralischen Unterstützung für das Projekt. Das Friedenszentrum soll ein Symbol des Weltfriedens werden, das Andenken an alle Opfer von Völkermord, Diktaturen und Kriegen bewahren und in Sichtweite des ehemaligen KZ-Auschwitz-Birkenau zum aktiven Einsatz für den Frieden und Menschenrechte aufrufen soll. "Ich erhielt 2005 vom polnischen Kultusminister den Auftrag, mich des Projekts anzunehmen und Hilfestellung zu geben", berichtete Marszalek. Er war von 2002 bis 2011 Stadtpräsident von Oswiecim. "Die Idee hat mich überzeugt – denn die Friedensarbeit liegt mir sehr am Herzen." Rund 20 Jahre hatte Marszalek schon in Oswiecim das Korczak-Kinderdorf, in dem heute 42 bedürftige Mädchen und Jungen leben, und für dessen laufenden Betrieb der DPPV ihm eine Spende überreichte, gegründet.

Nachdem der Ideengeber des Friedenszentrums 2008 gestorben war, wurde das Projekt von Janusz Marszalek mit Experten weiterentwickelt. Das Zentrum soll ein 35 Meter hoher Erinnerungs- und Friedenshügel mit einem Durchmesser im unteren Bereich von 100 Metern werden. In seinem Innern soll ein Kongressaal 800 Personen Platz bieten. Auf vier Etagen sind weiter kleine Seminarräume und Technikräume für Fernseh- oder Radioübertragungen geplant sowie ein Ausstellungsraum, in dem Bausteine aus aller Welt ausgestellt werden können. Bisher wurden, verbunden mit einer finanziellen Unterstützung, 300 symbolische Steine von bedeutenden Bauwerken in aller Welt gesammelt. Neben Steinen etwa aus der Kapelle aus Nazareth/Israel, dem Stein aus der Stadt Hiroshima/Japan oder dem Stein aus dem Europäischen Parlament in Brüssel stammt auch ein Stein aus Gundelfingen.

Ein Bebauungsplan für das fünf Hektar große Gelände liegt den Planern bereits vor; der Grundstein wurde 2011 gelegt. "Wir haben schon viele Vorarbeiten gemeistert und dafür über 150 000 Euro investiert. Zum Beispiel für Probebohrungen, Architektenpläne und vieles mehr", erzählte Marszalek. "Darauf sind wir auch stolz." Nun, so der Ökonom, müssen aber rund 400 000 Euro für die nächsten Schritte aufgebracht werden. Ein Teil wird über EU-Zuschüsse finanziert, der Rest muss über Spenden gedeckt werden. Unterstützt wird das Projekt auch von Bischof Tadeusz Rakoczy aus dem Bistum Bielskoywiec.

Autor: Andrea Steinhart