"Ein Korb voller Probleme"

Gabriele Fässler

Von Gabriele Fässler

Do, 13. Juli 2017

Gundelfingen

Das DRK Gundelfingen besucht die ukrainische Stadt Zbarazh.

GUNDELFINGEN. Die Gundelfinger Rotkreuzler haben mit ihrer Auslandsarbeit in der Westukraine viel Positives bewirkt. Dennoch mangelt es oft an grundlegender Versorgung. Bei einer viertägigen Stippvisite in der westukrainischen Stadt Zbarazh informierte sich eine Delegation des Gundelfinger Deutschen Roten Kreuzes (DRK) über den aktuellen Stand ihres Engagements.

Staat spart im Gesundheitssektor
Ein Topthema der Arbeitsgespräche bildete das Aus des Krankenschwesternprogrammes. "Der Staat hat Ende 2016 die Finanzierung von rund 3000 Krankenschwestern in der Ukraine eingestellt. Die Hintergründe sind nicht nachvollziehbar", sagte Brigitte Breisacher, die Leiterin der Auslandsarbeit im Gundelfinger Ortsverein. In Zbarazh sind von der staatlichen Streichmaßnahme drei Krankenschwestern betroffen. Um die Betreuung der etwa 100 überwiegend älteren Patienten aufrecht zu erhalten, finanziert das DRK Gundelfingen seit März dieses Jahres zwei Krankenschwestern und sagte seine Unterstützung bis Mai 2018 zu. Die Schwestern führen Hausbesuche durch und verteilen Lebensmittelpakete an Bedürftige. Für viele sind sie der einzige Draht zur Außenwelt. Außerdem bieten sie täglich Sprechstunden im Medicosozialen Zentrum von Zbarazh an.

Probleme des Alltags
Derzeit verteilen die beiden Krankenschwestern des ukrainischen Roten Kreuzes (URK) monatlich 65 Lebensmittelpakete im Wert von umgerechnet je zehn Euro an die Ärmsten der Armen. Die Pakete enthalten vor Ort eingekaufte Grundnahrungsmittel, die mit Spenden aus Gundelfingen finanziert werden. Der Bedarf liege jedoch bei rund 130 Paketen, so Breisacher.

Bei Besuchen in Zbarazh und Umgebung gewann die siebenköpfige Reisegruppe aus Gundelfingen Einblicke in den Alltag der Bedürftigen. So mussten sie bei einem langjährig Pflegebedürftigen feststellen, dass das mit einem Hilfstransport gelieferte Pflegebett für diesen ungeeignet ist. Nun wird nach einer anderen Lösung gesucht, das Bett wird dem Krankenhaus von Zbarazh übergeben. Dessen Zimmer sind teilweise mit Pflegebetten und Nachttischen aus Emmendingen ausgestattet, die das Kreiskrankenhaus an das DRK Gundelfingen gespendet hat.



Ausrüstung der Feuerwehr
Auf dem Programm stand unter anderem auch ein Besuch der Berufsfeuerwehr in Zbarazh, die bereits Hilfsgüter aus Gundelfingen erhalten hat. "Die Ausstattung der Feuerwehr ist mehr als desolat. Die Gehälter der Feuerwehrleute werden zwar von der Stadt und dem Landkreis finanziert, aber sämtliche Geräte müssen durch Spenden oder in Rechnung gestellte Einsätze beschafft werden", sagte Breisacher. Von den drei verfügbaren Fahrzeugen seien zwei nicht einsatzbereit, das dritte nur mit dem Notwendigsten ausgestattet. Dringend benötigt werden Einsatzkleidung und Handschuhe. "Wenn wir in Zbarazh sind, nehmen wir immer einen Korb voller Probleme mit nach Hause", sagte Manuel Hisam aus der Reisegruppe.

Doch in manchen Belangen können die Gundelfinger direkt vor Ort aushelfen. Etwa wenn sie einer Herzpatientin den Jahresvorrat an Medikamenten beschaffen oder spontan einem zweijährigen nahezu gehörlosen Mädchen ein Hörgerät finanzieren. "Das Kind hätte sonst nie sprechen gelernt. So etwas geht einem schon nahe", schildert Robert Nobereit seine persönlichen Eindrücke.

Positiver Blick in die Zukunft
Erfreuliche Neuigkeiten bringt die Gundelfinger Delegation von einem Treffen mit dem Bürgermeister von Zbarazh und der Landrätin mit. So rief der Landkreis Zbarazh für das das Rote Kreuz ein Programm ins Leben, das über fünf Jahre laufen soll. Pro Jahr erhält der Kreisverband Zbarazh umgerechnet 4700 Euro für Fixkosten wie Strom, Wasser oder Telefon. Der Löwenanteil fließt in Angebote für die Bevölkerung. So organisiert das Rote Kreuz etwa Ausflüge und Nachmittage für Senioren oder Aktionen für Kinder. "Dieser Erfolg lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken", sagte Manuel Hisam und lobte die URK-Verantwortlichen in Zbarazh: "Er ist auch auf das gute Management vor Ort zurückzuführen."

Spenden können unter dem Stichwort "Zbarazh" auf folgendes Konto bei der Volksbank Freiburg erfolgen: IBAN: DE39 68 0900 0000 2687 9191. Weitere Informationen gibt es bei Brigitte Breisacher, erreichbar unter Tel. 0761/589897.