"Ein langer Prozess des Schauens"

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Fr, 07. September 2018

Gundelfingen

Karin Uhlenbruck aus Jülich zeigt im Gundelfinger Rathausfoyer "Menschen-Bilder" / Ausstellung bis 17. Oktober.

GUNDELFINGEN. Lachende Jugendliche, Alte mit grimmigen Gesichtern, strahlende Frauen: Die Porträts von Karin Uhlenbruck zeigen das Leben. Die Malerin aus Jülich zeigt auf Einladung des Kunstvereins im Gundelfinger Rathausfoyer ihre "Menschen-Bilder".

Die Gemälde sind vielfältig in ihren Formaten und der Farbzusammenstellung, der Inhalt dagegen meist gleich: Menschen – lachend, nachdenklich oder musizierend. Karin Uhlenbruck sagt: "Die kurzen Augenblicke, in denen die Menschen innehalten, stillstehen, schauen, hören, lesen, sich vom Alltag lösen, liefern mir die Ideen und Inspirationen für meine Malerei." Die Menschen, die sie malt, sitzen nicht vor ihr im Atelier. Stattdessen schaut sie in die Gesichter, die sie zuvor auf einem Foto verewigt hat. Stets ist sie mit der Kamera unterwegs, um Gesichter einzufangen. "Man trifft mich oft am Bahnhof – dort finde ich interessante Objekte", erzählt die Künstlerin bei der Vernissage am Mittwoch. "Malen ist ein langer Prozess des Schauens."

Erster Hingucker ist eine großformatige Arbeit, auf der die Künstlerin ein kleines Mädchen gemalt hat, das in die Ferne schaut. Rote Schuhe liegen im unteren Bildbereich – sie geben dem Werk auch den Namen. "Es ist eines meiner liebsten Bilder und eines meiner wertvollsten", erzählt die 64-Jährige. "Auch mein Sohn liebt dieses Bild." Genaueres Eindringen in die Bildsprache erfordert Uhlenbrucks Bildnis einer schelmisch blickenden Frau. Ein Schmunzeln entlockt das Bild von Beinen. "Das sind die Beine des Zalando-Vorstands." Auch das fröhliche Bild der Gruppe mit Jugendlichen macht gute Stimmung. Melancholisch und leise muten dagegen die kleinen Aquarelle: Vater und Kind, die durch leere Straßen laufen, Geschäftsleute, die sich begegnen. Gerne spielt die Künstlerin mit Licht und Schatten, Linie und Fläche, Klarheit und Diffusem. In ihrer Ausstellung präsentiert sie auch Landschaftsbilder. An der Vernissage drängten sich aber die meisten der Gäste um die figürlichen Bildern. "An der abstrakten Malerei versuche ich mich immer wieder, aber es gelingt mir selten", gibt Uhlenbruck zu. Die Bankkauffrau und Erzieherin kam erst spät zur Kunst, hat sich handwerklich zunächst mit Glaskunst befasst. Erst mit 50 Jahren hat sie angefangen zu malen. "Ich wollte die Entwurfsmalerei für die Glaskunst verbessern und entdeckte die Malerei." Sie absolvierte ein Studium an der Europäischen Kunstakademie Trier. Seit 1996 ist sie als freischaffende Künstlerin tätig.

In der Vernissage lobte Bürgermeister Raphael Walz den Kunstverein. "Es ist immer wieder großartig, welche namhaften Künstler Ihrer Einladung folgen", sagte er zur Vorsitzenden Ulrike Bach. Musikalisch begleitet wurde die Vernissage von Olja Lickert mit Klaviermusik.

Die Ausstellung "Menschen-Bilder" im Rathausfoyer ist bis 17. Oktober von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr zu sehen.