Macht auf die Tür....

Hinter der Tresortür der Raiffeisenbank in Gundelfingen verbirgt sich so manches Geheimnis

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Do, 07. Dezember 2017

Gundelfingen

Normalerweise ist die Schatzkammer der Bank sicher verschlossen. Nur wer ein Schließfach hat, darf durch die Tresortür. Die BZ durfte dennoch einmal spicken.

GUNDELFINGEN. Der Adventskalender darf in vielen Haushalten nicht fehlen. Jeden Tag wird ein Türchen geöffnet, hinter dem sich ein Bild oder etwas Süßes verbirgt, dessen Genuss die Zeit bis Heiligabend verkürzt. Auch die Breisgauredaktion öffnet jeden Erscheinungstag der BZ eine Tür und erzählt den Lesern, was sich dahinter verbirgt. Heute: die Schatzkammer der Raiffeisenbank in Gundelfingen.

Eine Treppe runter ins erste Untergeschoss, dann rechts und links und schon steht man vor einer verschlossenen Tür. Die Türe zur Tresoranlage – das Heiligtum der Raiffeisenbank Gundelfingen – geht sonst nur für Kunden auf, die ein Schließfach gemietet haben.

Helle Wände, sanftes Licht, ein weicher, blauer Teppich, ein eleganter Tisch und Stühle. Im Vorraum zur Tresoranlage ist es ungewöhnlich still – kein Laut ist zu hören. Die Ruhe hat schon fast etwas Sakrales an sich. An einer Wand stehen zwei keine Tresore. Doch der eigentliche Tresorraum liegt dahinter und der ist verschlossen mit einer rosafarbenen Stahltür aus etwa 40 Zentimeter dickem, schwerem Stahl. Hier liegen die großen Geheimnisse und das Bargeldvermögen der Bank. Eine Bankmitarbeiterin ist die einzige Person im Unternehmen, die für die Stahltüre den Code und den Schlüssel hat. Um die tonnenschwere Tür, die mit fünf Bolzen gesichert ist, zu öffnen, muss sie ihr ganzes Körpergewicht dagegenstemmen. 305 Schließfächer in unterschiedlichster Größe sind in die Wände des Tresorraums eingelassen. Voll sind sie fast alle. Die Schließfächer sind sehr gefragt – von Privatkunden und von Firmen. "Die Mietpreise bewegen sich je nach Größe zwischen 50 und 100 Euro pro Jahr", erklärt Valentin Hettich. Was sich in den nüchtern-metallischen Fächern verbirgt, weiß der Bankdirektor nicht – das weiß nur der einzelne Schließfachbesitzer. Alles bleibt verborgen hinter den durchnummerierten Kläppchen.

"Natürlich dürfen keine Waffen, keine Säuren und keine explosiven Stoffe in den Schließfächern gelagert werden", sagt Hettich. Zwar weiß er nicht grundsätzlich, was die Kunden in den Fächern verwahren, aber ab und an erwähnt ein Kunde dann doch, was er einschließt. So glaubt er aus Erfahrung zu wissen, dass Sparbücher, Grundbuchauszüge, Münzsammlungen, aber auch Familienschmuck oder ein wertvolles Collier von der Oma eingelagert sind. "Vielleicht auch ein Goldbarren oder Bargeld – bei den niedrigen Zinsen nicht abwegig." In den Fächern sind aber nicht nur Wertsachen aufbewahrt, sagt Hettich. "Auch persönliche Dinge – die einen ideellen Wert für den Eigentümer besitzen, werden in den Schließfächern sicher gelagert."

Öffnen kann der Kunde das Fach nicht alleine. Das ist nur mit zwei Schlüsseln möglich – einer ist im Besitz des Kunden, der Gegenschlüssel im Besitz der Bank. Nachdem die Bankmitarbeiterin das Fach aufgeschlossen hat, zieht sie sich diskret zurück und der Kunde hat alle Zeit, die er braucht, um zu erledigen, was zu erledigen ist. "Wenn der Kunde allerdings seinen Schlüssel verloren hat, lassen wir sofort das Schließfach von einer Spezialfirma aufbohren", erläutert der Bankchef. Billig ist das nicht. Es kostet mehrere hundert Euro. "Das kommt öfter vor, als man denkt – wenn zum Beispiel Erben vom Schließfach wissen, aber keinen Schlüssel finden." Der Tresorraum selbst ist nicht nur durch die Panzertüre gesichert, sondern auch mit einer Alarmanlage.

Derzeit gibt es nur noch eine Handvoll freie Schließfächer. In den Filialen der Raiffeisenbank sind auch nicht mehr allzu viele frei. "Das Bedürfnis nach Sicherheit ist groß", sagt Hettich. Und Sicherheit wird großgeschrieben bei der Raiffeisenbank. Das gilt auch für das Bargeld der Bank, das in einem weiteren Raum lagert. "Zwar liegen hier keine Millionen mehr, aber es ist dennoch eine stattliche Summe, die hinter der wuchtigen Panzertür gelagert ist."

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