In dunkler Nacht über Stock und Stein

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Mo, 04. September 2017

Gundelfingen

Gundelfinger Kinder wandern im Ferienprogramm durch die Dunkelheit hoch zur Rottecksruhe / Lagerfeuer und lustige Lieder.

GUNDELFINGEN. Das warme gelbe Licht der Laternen und Fackeln strahlte auf die großen und kleinen Wanderer. Außer den Lichtern ist nichts zu sehen. Während die Gundelfinger Gruppe sich vorsichtig auf einem Waldweg vorantastet, schläft die Natur bereits. An der Nachtwanderung des Schwarzwaldvereins Gundelfingen am Freitag, die über das Sommerferienprogramm des Jugendzentrums angeboten wurde, nahmen viele Kinder und deren Eltern teil.

"Toll, einfach nur toll", sagte Elinor, die zum ersten Mal eine Nachtwanderung erlebte. "Da gehe ich nächstes Mal wieder mit." Bisher fand sie Wandern "doof". Gestartet wurde auf dem Waldspielplatz in Zähringen. Von dort aus machte sich die wanderlustige Gruppe auf den etwa drei Kilometer langen Weg in Richtung Rottecksruhe. "Es ist kein Nachtspaziergang, sondern eine Wanderung, die auch über Stock und Stein gehen wird. Doch die Strecke ist optimal – nicht zu kurz und nicht zu lang", sagte am Start Klaus Flach vom Schwarzwaldverein, der alles organisiert hatte. Und dann ging es los – die Dämmerung war schon vorangeschritten. Die sieben Kinder marschierten mit viel Energie voraus, die zehn Erwachsenen hinterher.

Die Lichtkegel der Lampen tauchten die Waldwege in ein Schummerlicht. An einer Stelle lichtete sich der Wald und die Gruppe trat für eine kurze Strecke auf die Waldstraße, um dann aber wieder in einen kleinen Weg einzubiegen. Jetzt ging es steil bergauf. Ein kleiner Schrei wurde laut, als Simon über einen auf dem Weg liegenden Baumstamm stolperte. Der Achtjährige rappelte sich wieder hoch und die anderen Kinder halfen ihm, die Glassplitter seiner Laterne vom Waldboden aufzuheben. Ganz schön rutschig waren die Äste und Stämme, über die man hinwegklettern musste. Samuel (6) glitt aus und schürfte sich am Arm auf. "Nicht so schlimm", meinte er tapfer. Immer wieder stimmten die Kinder Wanderlieder und -sprüche an. Zum Beispiel: "Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieeeeeben, ein Hut, ein Stock, ein Damenunterrock und vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran. Hacke, Spitze, hoch das Bein!"

Rund 350 Höhenmeter mussten die Nachtwanderer so bezwingen – alle schafften das ohne Probleme – sogar die Sechsjährigen. Die Kinder waren richtig stolz, als sie bei der Holzhütte an der Rottecksruhe, unterhalb des Rosskopfgipfels, angekommen waren. Für ein großes Lagerfeuer hatte Flach zuvor trockene Holzscheite deponiert und für den Hunger hatte Filipe Frage-Sousa, der Leiter vom Jugendzentrum, Chips und jede Menge knackige Grillwürstchen sowie Brötchen in seinem Rucksack für alle dabei. Doch bis diese aufgelegt werden konnten, wurde aus voller Kehle gesungen. Von den lustigen Lagerfeuerliedern wie "Von den blauen Bergen kommen wir" oder "Die Affen rasen durch den Wald" fühlten sich höchstens Rehe oder Füchse gestört. Flach begleitete die sangeslustigen Wanderer mit seiner Gitarre. Für Elinor wurde sogar ein Geburtstagslied angestimmt: Sie wurde am Freitag acht Jahre alt. Am Ende gab es noch eine Gespenstergeschichte, die so gruselig war, dass Sofie (die in zehn Tagen sechs Jahre alt wird) Angst bekam. Simon jedoch nahm sie gleich beschützend in den Arm.

Auf dem einstündigen Rückweg wurde trotz der späten Nachtstunde weiter gesungen. Die Kühe auf der Weide bei den Reutebacher Höfen schauten mit verschlafenen Augen der Gruppe nach. Erst ganz unten in Zähringen machten die Straßenlampen die Gesichter der Wanderer sichtbar. Dann verschwand die Gruppe nach einem "Gute-Nacht-Lied" in die verschiedenen Richtungen nach Hause.