Bauprojekt in Gundelfingen

Neues Mietshaus statt Johannisbeeren

Max Schuler

Von Max Schuler

Fr, 09. Juni 2017 um 17:43 Uhr

Gundelfingen

"Wir brauchen dringend Wohnraum im bezahlbaren Segment", sagt Bürgermeister Raphael Walz. Einen Schritt in diese Richtung will die Gemeinde Gundelfingen jetzt mit der Baugenossenschaft Heimbau Breisgau gehen.

An der Blumenstraße in Gundelfingen soll ein neues Mietshaus entstehen mit 15 Wohnungen. Baubeginn ist für Sommer 2018 vorgesehen. Für dieses Bauvorhaben stellt die Gemeinde Gundelfingen der Genossenschaft ein etwa 950 Quadratmeter großes Grundstück zur Verfügung, dass sie selbst erst in jüngster Zeit erworben hat. Es befindet sich zwischen dem Spielplatz und dem Mehrfamilienhaus an der Blumenstraße 13. Der Gemeinderat hat sich dafür laut Walz in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig ausgesprochen.

Verkaufen will die Gemeinde das Grundstück für einen Preis von 495 Euro pro Quadratmeter. Damit liege sie unter dem marktüblichen Satz. Die jüngsten Bodenrichtwerte ergaben für Gundelfingen einen Preis von 550 Euro pro Quadratmeter. Laut Walz habe man sich aber bewusst dafür entschieden, um so auch bezahlbaren Wohnraum in Gundelfingen zu ermöglichen. Im Gegenzug will der Bürgermeister über einen Vertrag festschreiben lassen, dass Gundelfinger Bürger oder Menschen, die einen Bezug zu der Gemeinde haben, bei der Wohnungsvergabe bevorzugt werden. Bauherr wird die Heimbau Breisgau sein, sodass für die Gemeinde keine weiteren Investitionskosten entstehen, was Walz positiv bewertet: "Das ist ein erster Wurf. Uns ist aber auch klar, dass wir damit nicht alle Probleme am Wohnungsmarkt lösen."

Der Vorstand der Heimbau Breisgau, Martin Weiner, schätzt die Kosten für das Bauvorhaben inklusive des Erwerbs des Grundstücks auf 3,5 Millionen Euro. Es sollen an der Blumenstraße Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen entstehen. Verzichtet wird auf eine Tiefgarage. Zum einen sollen so die Baukosten im Rahmen gehalten werden, zum anderen lasse der Grundwasserstand dort keine Tiefgarage zu. Der angrenzende Spielplatz bleibe erhalten. Sollte es mit dem Baubeginn im nächsten Sommer klappen, rechnet Weiner mit einer Fertigstellung des viergeschossigen Gebäudes für Ende 2019.

Die Heimbau Breisgau will bewusst Mietwohnungen anbieten und keine Eigentumswohnungen, weil sie für Ersteres gerade bei jungen Familien und Senioren Bedarf sehe. "Wir wollen langfristig moderate und faire Mieten", sagt Weiner. Die Genossenschaft verpflichte sich, bis zum Jahr 2027 maximal eine Kaltmiete von 9,73 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche in dem neuen Gebäude zu verlangen. "Wir streben sogar neun Euro pro Quadratmeter an. Über die 9,73 Euro werden wir aber in diesem Zeitraum nicht hinausgehen", versichert Weiner. Er schätzt, dass bei anderen Neubauten die Miete in Gundelfingen mittlerweile bei 11 bis 12 Euro liegen und beruft sich auf Marktanalysen. Walz kann das bestätigen. Auch im Rathaus werden regelmäßig die Mietpreise von Wohnungsanzeigen in Gundelfingen ausgewertet.

Der Garten von Englers wird verschwinden

Wer in dem neuen Gebäude an der Blumenstraße wohnen will, muss allerdings Mitglied bei der Baugenossenschaft sein und dort Anteile halten. Es bestehe derzeit eine Warteliste mit 120 Mitgliedern, die gerne eine Genossenschaftswohnung in dem Ort beziehen würden. Diese haben bei der Vergabe in der Blumenstraße Vorrang, wobei als erstes die 20 Mitglieder auf der Liste angeschrieben werden sollen, die bereits in Gundelfingen leben und danach die Auswärtigen, die aber einen Gundelfingenbezug haben. Die Heimbau Breisgau ist in Gundelfingen bereits mit 133 Mieteinheiten präsent.

Johannisbeeren, Pfirsichbäume, Rettich, Kartoffeln, Bohnen und Zwiebeln sind nur einige der Gemüse- und Obstsorten, die auf dem schlauchartigen Gartengrundstück wachsen, das von der Blumenstraße nach Norden verläuft. Seit fast 30 Jahren bestellen die Pächter Frida und Helmut Engler dieses Feld zwischen dem Hochhaus und dem Spielplatz. "Das brauchen wir, darum sind wir so alt geworden", sagt die 82-jährige Frida Engler. Im Dorf erzählt man sich, dass sie einen der besten Zwiebelkuchen backen kann. Ihr Mann, der mehr als drei Jahrzehnte im Straßenbau arbeitete, hatte für den kleinen Garten sogar einen Brunnen gegraben, an dem sich die anderen Pächter Wasser holen für ihr Gemüse. "Ach mein heißgeliebter Garten, um die ganzen Beerle isch es schon sehr schade", sagt Frida Engler. Genau dort, wo sie diesen Sommer wohl letztmalig Gemüse anbauen, kommt das neue Wohnhaus hin. Die Englers hatten gehofft, dass es noch ein paar Jahre dauert, bis die Bagger rollen. Die Information, dass es bereits nächstes Jahr so weit sein soll, stimmt sie wehmütig, doch sie tragen es mit Fassung.

Vier Pächter befinden sich laut Bürgermeister Walz insgesamt in der kleinen Gartenanlage, die sich auf und rund um den auserkorenen Bauplatz erstreckt. Laut Walz ist die Gemeinde im Besitz der Grundstücke und hat die Verträge mit allen Pächtern zum Jahresende gekündigt. Da die Planung noch am Anfang steht, sei allerdings noch nicht klar, ob neben Englers Garten auch all die anderen Anbauflächen geräumt werden müssen. Das neue Gebäude soll von den Längenmaßen nicht größer werden als die Blumenstraße 13. "Was aus baulicher Sicht nicht weg muss, kann möglicherweise bleiben", sagt Walz im Hinblick auf die Gärten.