Spendenerfolg

Vierjährige Khrystyna soll bald hören können – dank des DRK Gundelfingen

Gabriele Fässler

Von Gabriele Fässler

Di, 06. November 2018 um 09:12 Uhr

Gundelfingen

Mit Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes aus Gundelfingen bekommt ein kleines Mädchen aus der Ukraine zwei Hör-Implantate. Von der Spendenbereitschaft der Gundelfinger zeigt sich er Ortsverein berührt.

Khrystyna braucht Gehör. Mit diesem Satz hatte vor wenigen Wochen der Bericht der Badischen Zeitung über ein gehörloses Mädchen aus der Ukraine begonnen, für das sich der Gundelfinger Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) engagiert. Seit kurzem hat Khrystyna ein Gehör – genauer gesagt: zwei Cochlea-Implantate, die das Hören ermöglichen. Unterstützung ist weiterhin notwendig.

Mit hellwachem Blick sitzt die aufgeweckte Vierjährige auf dem Schoß ihres Vaters und schaut aufmerksam in die Runde. Von der Operation an der Freiburger Uniklinik zeugen zwei weiße Pflaster hinter ihren Ohren. Darunter, im Schädelknochen, befinden sich die Cochlea-Implantate mit jeweils 22 Elektroden, die die Hörnerven stimulieren. Doch im Moment ist es noch still in Khrystynas Kopf. Zunächst muss die Wunde verheilen, und die Implantate müssen einwachsen.

Dann erst kann ihr Gehör aktiviert werden. Bis dahin werden Khrystyna und ihre Eltern in ihre westukrainische Heimat zurückkehren.

Dort waren die Rotkreuzler im vergangenen Jahr während eines Besuches bei ihrem ukrainischen Kooperationspartner in der Stadt Zbarazh auf Khrystyna und ihr Schicksal aufmerksam geworden. Spontan finanzierten die Gundelfinger dem Mädchen ein Hörgerät. Doch dieses brachte nicht den gewünschten Erfolg. Eine Untersuchung am Universitätsklinikum Kiew ergab, dass Khrystyna nur ein Cochlea-Implantat helfen und so das Hören und Sprechen ermöglichen könne.

Für eine kostenlose Operation wäre Khrystyna mit etwa 60 Jahren an der Reihe gewesen

Diese Operation, die in der Ukraine 30 000 US-Dollar kostet, wird nur für drei Menschen pro Jahr gratis ausgeführt. Aufgrund ihres Platzes auf der Warteliste wäre Khrystyna in einem Alter von etwa 60 Jahren an der Reihe gewesen. Um ihr sofort zu helfen und damit eine Perspektive zu geben, brachten die Rotkreuzler eine Untersuchung an der Freiburger HNO-Klinik auf den Weg – inklusive Operation bei entsprechendem Befund.

Wenn Khrystyna Mitte November zur Nachuntersuchung erneut in Freiburg sein wird, sollen die Implantate behutsam in Betrieb genommen werden. "Man lässt das Gehör einschleichen", sagt Manual Hisam, der sich mit anderen DRK-Aktiven um Khrystyna und ihre Eltern während ihres Aufenthalts kümmern wird. Zur Nachuntersuchung soll auch eine Logopädin aus Zbarazh, mit der die Rotkreuzler bereits in Verbindung stehen, mitreisen, um am Cochlear Center Freiburg zu hospitieren und sich schulen zu lassen.

Die Kleine muss erst hören, dann sprechen lernen – mit Hilfe aus Freiburg und Kiew

Die Logopädin wird in den kommenden Jahren mit Khrystyna arbeiten und ihr das Sprechen beibringen. Nach einer weiteren Nachuntersuchung in Freiburg, die im Januar 2019 geplant ist, soll Khrystynas Akte der Universitätsklinik Kiew übergeben werden, wo das Mädchen künftig betreut wird. Lebenslang findet einmal pro Jahr ein Kontrolltermin statt. Überdies werden die HNO-Universitätskliniken von Freiburg und Kiew im Austausch stehen.

Die Kosten für Voruntersuchungen und die Operation für die beidseitigen Implantate belaufen sich auf rund 65 000 Euro (bei einem Implantat wären es 35 000 Euro). Diese Kosten sind durch wenige Großspender, die anonym bleiben möchten, gedeckt. Darüber hinaus sind die Rotkreuzler erfreut über die positive Resonanz auf den letzten Spendenaufruf. "Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung aus der Gundelfinger Bevölkerung. Von fünf Euro bis 1000 Euro war alles dabei, insgesamt rund 7000 Euro", sagt Brigitte Breisacher, die die Auslandsarbeit des DRK-Ortsvereins leitet.

Der DRK-Ortsverein Gundelfingen bittet weiter um Unterstützung

Um nachhaltig arbeiten zu können, bittet der Verein um weitere Hilfe. Die Spenden werden verwendet, um etwa Dolmetscher, die Logopädin, die Betreuung an der Uniklinik in Kiew sowie Reisekosten und Unterkunft zu bezahlen.

Aus Verantwortung den Spendern gegenüber werden die Gundelfinger DRK-Aktiven selbst die Fortschritte in Khrystynas Entwicklung beobachten, wie Manuel Hisam betont. So werden er und Robert Nobereit bereits im Dezember wieder in die Ukraine reisen, um die Nachsorge mit Logopädie und Gehörlosenkindergarten zu koordinieren sowie um nach Khrystina und ihrer Familie zu sehen. Denn, so erklärt Hisam: "Mit der OP allein ist es nicht getan. Wenn man A sagt, muss man auch B sagen."
Wer Khrystyna und die Auslandsarbeit des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Gundelfingen in der Ukraine unterstützen möchte, kann auf folgendes Konto spenden: DRK Gundelfingen, IBAN: DE39 6809 0000 0026 8791 91, Stichwort "Ukraine-Hilfe".